Wuppertal Institut: Sparsame Gebäude sind gesünder

Kolumne : Sparsame Gebäude sind gesünder

Das Wuppertal Institut untersucht, wie Wohnungslüftungen populärer werden.

Bei vielen Mieterinnen und Mietern, aber auch Vermieterinnen und Vermietern ist die Wärmedämmung in Verruf geraten. Werden in Altbauten dichte Fenster eingebaut, kann Schimmel an den ungedämmten Wänden entstehen. Dann ist meist Streit zwischen den Parteien programmiert. Dabei sind die Lösungen längst bekannt: Gut gedämmte Wände und Dächer, plus eine moderne Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, sparen Energie und Geld – bis zu 80, manchmal 90 Prozent an Einsparungen sind in Gebäuden der Nachkriegszeit möglich. Damit lässt sich Schimmel vermeiden und sie sorgen winters wie sommers für angenehme Temperaturen und für gute Luftqualität in der Wohnung, im Büro oder im Klassenzimmer.

Im Jahr 2030 könnten so in Deutschland rund 900 vorzeitige Todesfälle und fast 5000 Jahre an Krankheitszeiten, etwa durch Asthma, vermieden werden. Dadurch wird Geld im Gesundheitssystem gespart. Außerdem werden Wärmedämmung und Wohnungslüftungen um gut ein Drittel wirtschaftlicher. Das ist ein Ergebnis des EU-Projekts „Combi“, welches das Wuppertal Institut geleitet hat.

Energieeffizienz lohnt sich also. So groß die Potenziale sind, so groß sind aber auch die Hemmnisse. Am Beispiel der modernen Lüftungsanlagen untersuchte das Wuppertal Institut, woran Energieeffizienz noch zu häufig scheitert und was die Politik dagegen tun kann. So sind die Vorteile der Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung den wenigsten bekannt, daher fragen Mieterinnen und Mieter nicht danach, und Vermieterinnen und Vermieter fühlen sich nicht in der Pflicht, etwas zu unternehmen. Auch ist die Vielfalt technischer Konzepte, von zentralen Anlagen bis zu Einzelraumlüftern verwirrend. Und wenn die Gelegenheit zur umfassenden Renovierung einer Wohnung vor dem Einzug verpasst wird, steigen die Kosten, und Umstände und Dreck schrecken dann viele ab. Insgesamt 50 solcher Hemmnisse für alle Beteiligten haben die Forscherinnen und Forscher in zahlreichen Interviews gefunden. Und da dies so viele sind, muss die Politik viele Hebel ansetzen, um zu fördern, zu fordern, zu informieren und aus- und weiterzubilden: Das Wuppertal Institut entwickelte dafür ein Konzept, das insgesamt 30 Politikvorschläge umfasst. Mit diesen Empfehlungen würden die bestehenden Förderungen, Richtlinien und Vorschriften wirksamer und attraktiver.

Übrigens: Auch die Wuppertaler Stadtwerke fördern Anlagen zur Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung mit 800 Euro je Wohnung.

Der Kohleausstieg scheint nun beschlossene Sache. Es wird an der Zeit, sich den weiteren Herausforderungen für Energiewende und Klimaschutz zuzuwenden. Energieeffizienz in Gebäuden bleibt dabei ein vorrangiges Thema, aber auch die Verkehrswende und eine zukunftsfähige Industrie sind wichtig.

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