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OB-Kandidaten wollen mehr Studierende nach Wuppertal lotsen

Campus Wuppertal : OB-Kandidaten wollen mehr Studierende in Wuppertal

Die Bewerber sehen in den jungen Menschen eine große Chance und viel Potenzial für die Stadt.

Rund 23 000 Studierende sind an der Bergischen Universität Wuppertal eingeschrieben. Nur rund ein Drittel von ihnen wohnt in Wuppertal und ist somit wahlberechtigt. Nicht umsonst gilt Wuppertal als „Pendler-Universität“. Doch diejenigen Studierenden, die hier wohnen, können zugleich Motor einer Stadt sein: etwa durch soziale Initiativen wie den von Studierenden gegründeten Verein Pfandraising Wuppertal und den Kulturraum We are Kiosk oder durch Unternehmensgründungen wie beispielsweise die Kaffeerösterei Kivamo. Vor diesem Hintergrund haben wir die Wuppertaler OB-Kandidatin und die -Kandidaten gefragt: Sehen Sie es als erstrebenswert an, dass mehr Studierende nach Wuppertal ziehen und wie wollen Sie als Bürgermeister/-in eine solche Entwicklung unterstützen?

Marcel Hafke (FDP): „Dass mehr junge Menschen in Wuppertal studieren, ist nicht nur erstrebenswert, sondern auch unglaublich wichtig für die Entwicklung der Stadt: Mit der Bergischen Universität als Fixpunkt profitiert Wuppertal von der Dynamik und den neuen Ideen, die sich aus dem akademischen Betrieb entwickeln und so Gesellschaft und lokale Wirtschaft beleben. Damit das so bleibt, muss die Stadt künftig Alleinstellungsmerkmale in Abgrenzung zu den Universitätsstädten in der Umgebung weiterentwickeln: Bezahlbarer und zugleich lebenswerter Wohnraum, attraktive ÖPNV-Angebote inklusive Bikesharing und Radwegenetz sowie Raum für Start-ups und Begegnung mit Unternehmen aus der Region. Wuppertal zur Unistadt mit Vorbildcharakter machen – dafür mache ich mich stark.“

Bernhard Sander (Die Linke): „Es fehlen mindestens 600 passende Wohnungen. Die Mieten am Ölberg und im Luisenviertel sind in zehn Jahren um 16 Prozent gestiegen. Die Linke möchte daher in Elberfeld mehrgeschossig und bezahlbar bauen. Der Nahverkehr zur Uni könnte verbessert werden. Radfahrer und Fußgänger sollten gleichberechtigt am Straßenverkehr teilnehmen können. Die Linke will ein zusammenhängendes Radwegenetz. Wir brauchen attraktive Jobangebote, denn nur mit diesen können sich Studierende eine Wohnung in Wuppertal leisten. Wir unterstützen Orte der Begegnung und freien Kultur, wo man etwas erleben und ausprobieren kann. Vor allem braucht es eine weltoffene Atmosphäre; daher ist uns der gemeinsame Kampf gegen rechtsnationalistische, anti-islamische und rassistische Parteien wichtig.“

Andreas Mucke (SPD): „Natürlich wünsche ich mir, dass mehr Studierende nach Wuppertal ziehen. Die Universität hat eine hervorragende Lehre und Forschung und kooperiert mit lokalen Unternehmen. Es gibt über Reallabore einen direkten Praxis-Transfer in die Stadtentwicklung, den ich ausbauen will. So ergeben sich im Studium gute Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Ich will das Gründerzentrum W-Tec erweitern, weil es Absolvent/innen Raum für die Umsetzung von Ideen gibt. Die Mieten sind im Vergleich zu anderen Uni-Städten noch günstig und das soll so bleiben. Ich will den ÖPNV mit einer besseren Anbindung zum Campus gestalten. Das Ausgehviertel in der Luisenstraße ist unverzichtbar und die Stadt wird die Kultur-, Sport- und Freizeitangebote weiter ausbauen.“

Mira Lehner (Die Partei): „Natürlich ist es nicht erstrebenswert, dass noch mehr unproduktive Studierende mit dem Geld ihrer reichen FDP-wählenden Eltern in unsere hippen Viertel ziehen, um die Mieten noch schneller in die Höhe treiben zu lassen. Nicht umsonst steht auf Platz eins unseres Wahlprogramms, das ganze drei Punkte umfasst, dass wir ganz klar gegen Gentrifizierung sind. Nicht mit uns! Eher vermüllen wir die ganze Stadt, als dass wir unsere Viertel an die Bauchbeutel-tragende Generation Z abtreten. Wuppertal ist und bleibt asozial!“

Uwe Schneidewind (CDU/Grüne): „Wuppertal muss noch mehr eine Studierendenstadt werden! Um das zu unterstützen, ist mir folgendes wichtig: 1. Stärkung der Freizeit- und Erlebnisqualität für Studierende in Wuppertal – vom Luisenviertel und Mirker Bahnhof über die künftige Clubszene am Bunker am Döppersberg bis zu Cafés und Plätzen mit hoher Aufenthaltsqualität. 2. Gute und günstige Wohnmöglichkeiten in Wuppertal – nicht nur in Studentenwohnheimen, sondern auch in den Altstadt-Vierteln der Stadt – sowohl im Westen als auch im Osten. 3. Gute Verkehrsverbindungen zur Uni aus der gesamten Stadt – sowohl mit dem öffentlichen Nahverkehr als auch mit dem Rad. 4. Noch mehr Werbung für die tollen Qualitäten Wuppertals.“

Panagiotis Paschalis (unabhängiger Kandidat): „Uni und Studierende sind ein großes Asset für Wuppertal. Der „Thinktank“ produziert tausendfach Bildung und berufliche Qualifikation – gut für die heimische Wirtschaft. Studierende machen die Stadt jünger, „hipper“ und kreativer. Die Stadt braucht Studierende als kluge, engagierte und kritische Bürger. Möglichst viele sollten bleiben oder hierhin ziehen. Als grüne Großstadt mit Zuzugsraum Bergisches Land, Köln, Düsseldorf und Ruhrgebiet hat Wuppertal große Potentiale. Als OB möchte ich dafür mehr Anreize schaffen: guten bürgerschaftlichen Spirit, gute Infrastruktur – auch für Fahrrad und Fußgänger, einen guten ÖPNV, viel guten Wohnraum, attraktive und lebendige Innenstädte, kulturellen Vielfalt, gute Kitas und Schulen und ein reichhaltiges Freizeitangebot.“

Henrik Dahlmann (Freie Wähler): „Wuppertal hat mit der Bergischen Uni einen wichtigen Standortfaktor. Doch noch ist Wuppertal mehr Uni- als Studentenstadt. Um Studierende nach Wuppertal zu locken, müssen wir unsere Stärken betonen und an den Schwächen arbeiten. Wir brauchen mehr attraktiven und preiswerten Wohnraum, einen gut ausgebauten ÖPNV auch in den Außenbezirken und moderne Verkehrsinfrastruktur. Wir brauchen Unternehmensförderung, damit aus heutigen Studierenden die Wuppertaler Arbeit- und Unternehmer von morgen werden.

Zu einer Studentenstadt gehören vielfältige Angebote für Kultur und Freizeitgestaltung. Orte wie das Luisenviertel gilt es zu pflegen. Ich möchte eine schönere, grünere und lebendige Innenstadt mit Aufenthaltsqualität durch Cafés und Gastronomie.“