Jugendliche bringen Politik ins Kino

Jugendliche bringen Politik ins Kino

Der neue Film „Da geht was“ nimmt den politischen Alltag aufs Korn.

Wuppertal. Da ist eine erfundene Partei, die aber ganz real im Kommunalwahlkampf mitmischt. Deren „Parteigeschichte“ also keineswegs real ist — aber doch „echt“ ins Kino kommt: „Da geht was“ ist ein ungewöhnliches Filmprojekt rund um die fiktive Jungpartei „Die Freien“, produziert vom Verein Vollbild mit der Musik- und Kunstschule Velbert — und heute im Wuppertaler Cinemaxx zu sehen.

Regisseurin Kim Münster wollte an der Politikverdrossenheit bei Jugendlichen kratzen und das langweilige, schwer zugängliche Image von Politik aufbrechen. Als Darstellungsform entschied sie sich für eine „mockumentary“ — eine fiktive Dokumentation, in der Jugendliche zwischen 15 und 23 Jahren aus Wuppertal, Velbert und Wülfrath eine Partei gründen.

Das Anliegen der „Freien“ lautet wahlkampf-tauglich verkürzt: Weniger Schule, weniger Arbeit und mehr Leben. Die Parteigründung begeistert die Mitwirkenden: „Das ist eine bessere Idee als nur mit den Politikern zu reden“, heißt es.

Andere denken pragmatisch an die Außenwirkung: „Brauchen wir dafür nicht ein Logo?“ Das gab es schon bald: Einen Stinkefinger, der Aufmerksamkeit garantiert, dazu den vollmundigen Slogan: „Wir machen alles anders, wir machen alles besser“.

Als Rückkopplung ans wirkliche Leben sind trotzdem Interviews mit realen Politikern eingebaut: Esther Kanschat (Grüne), Heinz Schemken (CDU), Gunhild Böth (Linke) und Svenja Schulze (SPD). Gar nicht lebensfern, und das war den Machern besonders wichtig, sind auch die Probleme, auf die die engagierten Jugendlichen bei ihrem Projekt stoßen — von persönlichen Reibereien und Gemauschel bis zu bürokratischen Hindernissen.

Die Figuren sind aus dem Leben gegriffen, manche witzig überzeichnet. „Gottfried von Kinterberg“ etwa, gespielt von Manuel Muflizovic, stammt aus gutem Hause und verspricht sich Erfolg von seinem Lieblingsthema: „Mehr Anwohnerparkplätze.“ Oder Lukas Gras als „Felix Rodewig“: Er will eigentlich nur seinen Spaß und am Wahlkampfstand Musik machen.

Apropos Wahlkampf: Keineswegs irreal ist der Schauplatz mancher Szene. Um auf sich aufmerksam zu machen, stellen sich die „Die Freien“ nämlich auch in die Elberfelder City und verwickeln Unbeteiligte ins Gespräch. „Wer Fleisch essen will, soll die Tiere selbst schlachten“. Das wollen sie angeblich mit Live-Kaninchenschlachtungen unterstreichen — Entsetzen auf der Alten Freiheit. „Es ist mal eine ganz andere Sache, wie man an das Thema Politik herangeführt werden kann“, sagt Nina Blank, die eine Art Generalsekretärin der Jugendpartei spielt. „Man muss sich damit auseinandersetzen, was in der Welt politisch so abgeht, was man selbst befürwortet und wogegen man ist.“

Jannik Kinder, der den Punker Kupfer spielt, kritisiert: „Die meisten modernen Politiker haben alle kein richtiges Feuer mehr. Sie debattieren mit Zurückhaltung und verbergen ihre Leidenschaft hinter endlosen Wortvorhängen.“ Dennoch glaubt er an die Demokratie und daran, dass auch junge Menschen etwas bewirken können: „Manche wissen es nur nicht.“

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