Gucci-Gang - Wuppertaler Richterin: Es fehlen geschlossene Einrichtungen

„Gucci-Gang“ : Wuppertaler Richterin über straffällige Jugendliche: „Es fehlt an geschlossenen Einrichtungen“

Der Jugendhilfeausschuss in Wuppertal diskutierte über die jungen Straftäter der „Gucci-Gang“ und wie man ihnen helfen kann.

Über die minderjährigen Straftäter der „Gucci-Gang“ diskutierten am Dienstag die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. CDU und Grüne hatten gemeinsam eine große Anfrage zu dem Thema gestellt. Und hatten noch weitere Fragen.

Die Gruppe von Kindern und Jugendlichen fällt seit einiger Zeit durch zahlreiche Straftaten auf und machte Schlagzeilen, als zwei von ihnen einen 70-Jährigen angriffen und lebensgefährlich verletzten.

Die Verwaltung hatte in der Vorlage erläutert, dass vermehrte Straftaten strafunmündiger Kinder in Oberbarmen im Laufe des Jahres 2017 aufgefallen waren. Im April/Mai 2018 habe eine Quartiersanalyse wegen der Kinder auf dem Berliner Platz Handlungsbedarf festgestellt. Im weiteren Verlauf des Jahres 2018 sei deutlich geworden, dass die Kinder organisierter vorgehen, als gedacht.

Hilfsmaßnahmen des Jugendamts richteten sich jeweils an einzelne Kinder – von der ambulanten Erziehungshilfe, Unterbringung in Tagesgruppen oder Heimen bis zur Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung. Neu eingerichtet wurde das Projekt „Mobile Jugendsozialarbeit“ mit zwei Straßensozialarbeitern. Das ist zunächst bis Ende des Jahres bewilligt, soll erweitert werden.

Betroffene Eltern wenden
sich hilfesuchend an die Stadt

Sozialdezernent Kühn erläuterte, dass es viele verschiedene Konstellationen bei den Jugendlichen gebe, die unterschiedliche Hilfsansätze nötig machten. Auch bei den Eltern sei die Situation jeweils sehr verschieden: Es gebe Eltern, die noch gar nicht gemerkt haben, was mit ihren Kindern los ist, und solche, die sich verzweifelt an die Stadt gewandt haben, weil sie nicht mehr weiter wissen.

Die Verwaltung hatte dargestellt, dass es eine intensive Zusammenarbeit und Kooperation des Jugendamts mit dem Projekt „Kurve kriegen“, der Polizei und dem Ordnungsdienst gibt, auch mit den Bezirkssozialdiensten, der Schulsozialarbeit und weiteren Jugendhilfeanbietern im Stadtteil. Kühn betonte, besonders der Kontakt zu den Schulen sei wichtig, denn Schulverweigerung sei oft ein Signal für Probleme.

Die Vielzahl der Beteiligten ließ Michael Hornung (CDU) nachfragen: „Es gibt viele Akteure, viele Gespräche. Aber gibt es keine Konsequenzen?“ Kühn erklärte, dass eine rechtzeitige klare Ansprache von Jugendlichen in vielen Fällen erfolgreich sei. Er wies zudem auf die neu ernannte „Staatsanwältin vor Ort“ hin, bei der künftig alle Informationen zusammenfließen werden.

Katrin Ringel, als Richterin beratendes Mitglied des Ausschusses, berichtete, dass es nicht genug geschlossene pädagogische Einrichtungen für Kinder und Jugendliche gebe. Manchmal spitze sich ein Fall so zu, dass auch die Eltern so eine Unterbringung wünschen. „Aber es fehlen die Plätze“, sagte sie. Nicht jeder Fall sei ein Fall für eine Jugendstrafanstalt – es fehle ein Mittel „dazwischen“.

Bernhard Redecker, Leiter des Bezirkssozialdienstes, wies darauf hin, wie schwierig ein Eingreifen ist, wenn die Kinder noch nicht strafmündig sind, die Taten daher auch nicht gerichtlich geklärt werden: „Wir können als Jugendhilfe nur mit Freiwilligkeit arbeiten. Wir können nur Angebote machen, sie aber nicht mit Macht durchsetzen.“ Sie blieben aber weiter dran, den Kindern zu helfen, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Denn wenn sie nach ihrem 14. Geburtstag weitere Straftaten begehen, habe das massive Auswirkungen auf ihr Leben. Und er sei froh, dass schon einigen Kindern geholfen werden konnte. Nach Angaben der Verwaltung konnten drei Kinder aus dem Umfeld der Gucci-Gang gelöst werden.

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