1. NRW
  2. Wuppertal

Drittes Quartal wird für Bergische Zulieferer zum Quartal der Wahrheit

Automotive : Auto-Zulieferer sollen gemeinsam aus der Corona-Krise steuern

Die Initiative Automotiveland.NRW fordert Zusammenhalt und Transparenz der 250 Unternehmen im Bergischen Land in der Corona-Pandemie.

Die deutschen Autohersteller unternahmen bereits kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie mit einem Produktionsstopp eine Vollbremsung. In den rund 250 Zuliefer-Unternehmen im Bergischen Land, die unmittelbar an der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie hängen, hatte das unmittelbare Folgen. Nahezu in allen Betrieben wurde auf Kurzarbeit umgestellt. Wie der Re-Start, das Hochfahren der Produktion gelingen kann, war Thema einer Videokonferenz, zu der die Initiative Automotiveland.nrw Experten und Journalisten am Dienstag eingeladen hatte.

Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer automotiveland.nrw, beschrieb die Herausforderungen. Die Bergischen Zulieferer müssten den Risiken mit einer transparenten Kommunikation und einem Bündnis für den Re-Start begegnen, forderte er. „Es darf keine Closed-Shop-Politik geben“, sagte Vogelskamp. Angekündigte Lieferungen müssten in einer Branche, in der viele voneinander abhängen, zuverlässig eingehalten oder rechtzeitig abgesagt werden. Die Bergischen Zulieferer stünden meist am Beginn der Lieferketten. Das Bergische Land sei eine Quellregion, deren Produkte in den Werken der Hersteller wie VW, Porsche oder Mercedes münden, die ihre Produktion zunächst im Einschicht-Betrieb wieder hochfahren wollen.

Diese Hersteller sind aber nicht nur von den nationalen Zulieferern abhängig, sondern auf die Entwicklung der Weltmärkte angewiesen. Da die Voraussetzungen in Deutschland, Frankreich, Italien oder China derzeit sehr unterschiedlich sind, wird der Re-Start zur globalen Herausforderung. Umso wertvoller sei es, auf die Berechenbarkeit in der Zusammenarbeit der Bergischen Unternehmen bauen zu können, so Vogelskamp. Thomas Aurich, Technologie-Botschafter automotiveland.nrw und Unternehmenssprecher von Aptiv, wies daraufhin, dass es beim Neustart nicht um das Abwägen von Gesundheit und Infektionsschutz gegen die Wirtschaft gehen dürfe, sondern beide Aspekte vor dem Hochfahren zu berücksichtigen seien. „Hinter dem Begriff Re-Start müssen konkrete Konzepte stehen, wie sie Aptiv bereits schon sehr früh erarbeitet hat“, sagte Thomas Aurich.

Der Neustart nach der Krise wird zur großen Herausforderung

Uwe Fritsch, Betriebsratsvorsitzender der Volkswagen AG im Werk Braunschweig betonte, dass beim Neustart Fragen der Ökonomie, Gesundheit und der Ökologie berücksichtigt werden müssten. „Nach der Corona-Krise werden die CO2-Ziele nicht vergessen sein“, erinnerte auch Stepan A. Vogelskamp. Daher müsse die zukunftssichernde Forschung und Entwicklung in den Unternehmen weitergeführt werden.

Uwe Fritsch beschrieb die Auswirkungen der Krise auf die Arbeitsplätze im VW-Werk. In 38 Jahren bei VW habe er noch nie eine so lange Zeit der Kurzarbeit erlebt. „Fünf Wochen Kurzarbeit werden bei den Menschen Spuren hinterlassen, denn es fehlen soziale Kontakte. Vor der Wiederaufnahme der Arbeit hält er Schritte zur Neuorganisation und die Befragung des gesamten Betriebs für dringend geboten.

Bei VW unterscheide man rote, gelbe und grüne Arbeitsbereiche danach, ob es dort möglich sei, die erforderlichen Sicherheitsabstände unter den Mitarbeitern einzuhalten. „Gibt es zum Beispiel im roten Bereich Zweier-Teams werden diese nicht getrennt. Wir reden über flexible Arbeitszeit und versetzte Gleitzeiten.“ Klärungsbedarf bestehe zum Beispiel, was das Tragen von Masken am Arbeitsplatz angeht.

Einen sorgenvollen Blick richtet Stephan A. Vogeslkamp auf das dritte Quartal dieses Jahres. Dann werde sich in den veröffentlichten Zahlen am Arbeitsmarkt und in den Geschäftszahlen das Ausmaß der Krise abbilden. Automotiveland.nrw will bis dahin mit einem Nachrichten-Ticker die betroffenen Unternehmen über die Entwicklungen bei den Herstellern informieren.