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Die Stadt, die sich nicht traut

Die Stadt, die sich nicht traut

Wenn in Wuppertal bürgerschaftliches Engagement gefordert wird, dann steht eine ganze Stadt sofort auf der Matte. Wehe aber, es geht um ein Projekt, bei dem Profis gefordert sind, die für ihre Dienste Geld haben wollen.

Dann neigt die Stadt zu vollmundigen Ankündigungen, ohne über Ansätze hinauszukommen.

Warum schafft es denn eine Stadt wie Münster, sich als Filmstadt bundesweit einen Namen zu machen, Kulisse für einen Tatort zu werden und mit Touristen-Touren zu den Drehorten auch noch zusätzliches Geld zu verdienen? Und warum schafft Wuppertal das nicht, obwohl unter der Schwebebahn jährlich eine ganze Reihe von TV- und Kino-Produktionen verwirklicht werden?

Weil die Stadt die Vision von der Filmstadt mutlos und unprofessionell angegangen ist und kein Durchhaltevermögen zeigt. Wuppertal glaubt wie so oft nicht an sich selbst, traut sich nicht zu, mit mehr als nur Zoo und Schwebebahn aufzufallen.

Wäre es anders, hätte Wuppertal das Thema Film längst zur Chefsache erklärt. So aber muss Filmförderung von Ehrenamtlern oder überlasteten Marketing-Kräften nebenbei erledigt werden. In Münster kümmert sich eine Vollzeitkraft um das Projekt Filmstadt, professionelle Berater überlassen nichts dem Zufall. Ähnliches hat Bad Tölz erlebt, das mit dem "Bullen von Tölz" aus dem Märchenschlaf erweckt wurde. Es geht also, man muss nur wollen.

Genau den Eindruck haben Filmschaffende, die noch nicht in der Stadt waren, von Wuppertal nicht. Die Stadt wird als Geheimtipp gehandelt. Das ist verheerend. Dabei ist das Potenzial doch vorhanden und gratis zu haben.

Straßen wie in San Francisco, Hinterhöfe wie im Berlin der 20er und Prachtsäle wie am Hof des Zaren.Tom Tykwer, Wim Wenders, Mario Adorf oder Til Schweiger loben den Drehort in den höchsten Tönen. Aber das reicht nicht, solange Wuppertal sich nicht entscheiden mag, was es eigentlich einmal werden will.