Die Last mit den Elterntaxis

Die Last mit den Elterntaxis

Kurt-Schumacher-Straße: An der Grundschule gibt es regelmäßig Probleme mit Autofahrern, die Halteverbote ignorieren.

Uellendahl. So ab 7.40 Uhr rollen sie an in der Kurt-Schumacher-Straße, die „Eltern-Taxis“, mit denen die besorgten Mamas und/oder Papas ihre Zöglinge möglichst bis vor das Schultor der Grundschule Uellendahl bringen möchten. Dass es dabei auch jede Menge der kleinen Schülerinnen und Schüler gibt, die den Weg zum Hort der Bildung unbeschadet zu Fuß erledigen und dabei offensichtlich viel Spaß miteinander haben, wird souverän übersehen. Ebenso wie die Schilder, die ein totales Haltverbot signalisieren. Dass der Garagenhof als „Privatgelände“ ausgewiesen wird, auf dem ausdrücklich „Wenden und Parken verboten“ ist, beeindruckt viele der Autofahrer gleichfalls nicht sonderlich.

Nina Salomon, Konrektorin

„Mal eben“ anhalten, Sohn oder Tochter ausladen und aus dem Kofferraum mit dem meist überdimensionalen Tornister versorgen, Bussi und Winken zum Abschied müssen doch wohl erlaubt sein. Wende- und zum Teil abenteuerliche Ausweichmanöver, bei denen man nicht mit „rücksichtslosen“ Eltern kollidieren will, inklusive.

„Wir haben eine Elternhaltestelle mit eingeschränktem Halteverbot zwischen 7.30 und 8 Uhr oberhalb der Lehrerparkplätze einrichten lassen, an der die Eltern kurz anhalten und die Kinder herauslassen können“, berichtet Nina Salomon, die Konrektorin der Grundschule. Dass das eingeschränkte Halteverbot nur für kurzes Anhalten und zum Be- und Entladen beziehungsweise zum Ein- und Aussteigen genutzt werden darf, nicht aber zum Parken (gilt ab drei Minuten) wird allerdings von vielen nicht so eng gesehen.

Schließlich muss man doch durch das Blätterwerk beobachten, ob die oder der Kleine tatsächlich die 30 Meter bis zum Schulhof erfolgreich und unfallfrei bewältigt hat. Inzwischen warten andere auf eine Haltelücke. Da die nicht vorhanden ist, muss es halt das absolute Halteverbot sein. Und so gebiert das Chaos täglich das weitere Chaos.

Zwar wohnt die Mehrzahl der Schüler in der Umgebung, doch da die Schulbezirksgrenzen weggefallen sind, kommen natürlich auch Kinder aus weiter entfernten Quartieren. Selten mit dem Bus, lieber doch mit dem „Eltern-Taxi“. Ein tatsächliches Taxi hält mit Opa und Enkel im totalen Halteverbot, und da Opa den Eltern wohl versprochen hat, den Filius bis zum Schulhof zu bringen, bleibt das Taxi, mit laufendem Motor selbstverständlich, auf den Großvater wartend, stehen.

„Im Moment haben wir gutes Wetter. Aber was glauben Sie, was hier im November oder bei Regen los ist“, so Konrektorin Salomon, die erklärt, dass Eltern ihre Kinder so zur Unselbstständigkeit erziehen würden. „Wir geben die Hoffnung auf Besserung aber nicht auf und wünschen uns, dass die Bezirksvertretung sich einschaltet. Die Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert hat sich schon vor Ort informiert.“

An der Grundschule Kruppstraße in Elberfeld wurde vor etwa einem Jahr ein Pilotprojekt mit „Drei Hol- und Bringzonen“ für Eltern ins Leben gerufen, das von Jens Leven (Vater einer siebenjährigen Tochter, die diese Schule Kruppstraße besucht) und seinem Forschungsbüro ins Leben gerufen wurde. Nach einem Jahr ergab die Befragung der betroffenen Eltern, dass das Konzept auf breite Zustimmung stößt.

„Allerdings beruht es auf drei Säulen, nämlich dem sicheren Schulweg, den geschaffenen Hol- und Bringzonen und dem pädagogischen Konzept“, erklärt Jens Leven. „Dass es noch nicht im gewünschten Maß mit Leben erfüllt ist, liegt an der mangelnden Sicherung des Schulweges. Und dafür sind Rat und Verwaltung zuständig“, so Leven, dessen Büro eine mehr als 50 Seiten starke Studie mit zahlreichen Abbildungen erstellt hat.

„Ich habe das Papier der Verwaltung zur Verfügung gestellt und hoffe mit den anderen Eltern, dass die aufgezeigten zwölf Mängel beseitigt werden.“ Langfristiges Ziel ist es, die Zahl der Elterntaxis, deren Insassen übrigens einhellig das rücksichtslose Verhalten der jeweils anderen beklagen, zu reduzieren und dem hoffnungsvollen Nachwuchs, die erhoffte „Freude am Gehen“ neu zu vermitteln.