Elberfeld: Anlieger der Schloßbleiche fordern Schadensersatz

Elberfeld : Anlieger der Schloßbleiche fordern Schadensersatz

Die Arbeiten an der Schloßbleiche verzögern sich. Zum Leidwesen der Geschäfte.

„Kafka lässt grüßen“, sagt Mathias Mayer, Inhaber des Drachenladens Aufwind an der Schloßbleiche. Er meint die nicht enden wollende Baustelle vor seiner Tür, die gefühlte Ausweglosigkeit, die fehlenden Möglichkeiten, etwas gegen die Situation zu tun. „Im Oktober wollen wir Einjähriges feiern“, sagt er mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Auch wenn es laut Stadtwerken nicht soweit kommen soll, da die Bauarbeiten am Kanal der Schloßbleiche im September beendet sein sollen. Eigentlich war mal von Juli die Rede. Aber dann kam die Bombe, die dann doch nur ein Stein war, und hat alles weiter verzögert.

Für die Anlieger an der Schloßbleiche ist und bleibt die Baustelle ein Problem. Sie wollen jetzt aber dagegen vorgehen, sagt Mayer. Er habe sich vor einem Monat einen Anwalt genommen, erzählt er, und will jetzt gemeinsam mit anderen Geschäftstreibenden an der Schloßbleiche Schadensersatz einfordern für die Verluste im Geschäft und die Behebung des Wasserschadens, mit dem der ganze Schlamassel begonnen hatte. Es gehe um eine realistische Summe, sagt er.

Wie hoch die ist, sagt er nicht. Aber er sagt, er habe das ganze Jahr „kein Geld verdient“. Er geht davon aus, 60 bis 70 Prozent weniger Kunden zu haben.

Auch das Tui Reisecenter hat an Kunden verloren. „Eigentlich haben wir keine Laufkundschaft mehr“, sagt Mitarbeiterin Dimitra Iliadou. Dass die Bauzeit sich wieder verlängert hat, ist für das Reisebüro ungünstig, weil Ende des Sommers die neuen Reisekataloge erschienen und Kunden schon den Winterurlaub buchten, so Iliadou. Sie sagt, die Geschäftsführer seien an der Schadenersatzforderung beteiligt. „Die ganze Schloßbleiche geht dagegen vor“, sagt sie.

Auch der Kinderschutzbund ist dabei, wie Sabine Wirths, Koordinatorin der Kleiderläden, bestätigt. Sie sagt, der Kleiderladen sei existenziell bedroht, es gebe bis zu 70 Prozent weniger Spenden und dementsprechend weniger Einnahmen.

Sie wie auch Mathias Mayer klagen, dass sie keiner über die Verlängerung der Bauarbeiten informiert hätte. „Ich habe das aus der Zeitung erfahren“, ärgert sich Meyer.

Sie alle befürchten, dass die Sanierung des Köbo-Hauses und der Schwebebahnstation Döppersberg die Situation auch nach Ende der Bauarbeiten in die Länge zieht. WSW-Sprecher Holger Stephan geht aber nicht davon aus. Er sagt: „Die Schloßbleiche bleibt auf“. Klar könne sie wegen einzelner Lieferungen mal abgesperrt werden, aber an sich werde die Baustelle nicht über die Schloßbleiche beliefert. Nur am Gebäude direkt werde es ein schmales Gerüst geben.