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Charlotte Narjes managt die JVA Vohwinkel in Wuppertal

Leiterin der JVA Vohwinkel : Anstaltsleiterin mit Spaß an großen Bauprojekten

Charlotte Narjes ist seit einem Jahr Chefin der JVA Vohwinkel. Eine ihrer Aufgaben: Den Umbau zu managen.

Von Katharina Rüth

Sie liebt die Herausforderung. Das hat Charlotte Narjes (56) auch bewogen, sich für die Leitung der JVA Vohwinkel zu bewerben. Denn hier gibt es außer der Vollzugsanstalt auch deren Umbau zu managen. Vor einem Jahr hat sie die Nachfolge von Werner Haucke angetreten, der in den Ruhestand ging.

Die Bauarbeiten sind auch der Grund dafür, dass eine offizielle Amtseinführung ausfiel. Sie war für Herbst 2019 geplant, doch dem kam der Umbau der Zufahrt in die Quere. Derzeit ist wegen der Corona-Pandemie an Veranstaltungen in JVA nicht zu denken. Inzwischen ist die Juristin ohnehin längst an ihrem neuen Arbeitsplatz angekommen.

Baustellen begleiten sie schon eine ganze Weile. So hat sie schon als stellvertretende Leiterin der JVA Düsseldorf den Neubau des Gefängnisses in Ratingen und den Umzug von der „Ulmer Höhe“ in Düsseldorf in die Nachbarstadt begleitet. Und auch in der JVA Willich I, die sie seit 2016 leitete, war sie mit Planung und Organisation von Umbauten beschäftigt.

Auch wenn das Thema Bauen eine zusätzliche Aufgabe sei - „das macht auch Spaß“, sagt Charlotte Narjes. „Man hat dabei die Chance, Verbesserungen zu erreichen.“ Zwar ist Bauherr der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB), „aber ein bisschen Einfluss haben wir auch.“ So will sie für die JVA Vohwinkel unter anderem erreichen, dass es in jeder Haftabteilung eine eigene Küche gibt. „Damit können wir Alltagskompetenz üben“, erklärt sie.

Sie hat sich schon als Jura-Studentin für Strafrecht und Kriminologie interessiert, dass sie nach dem Referendariat in den Strafvollzug ging, sei dann aber Zufall gewesen. Doch es hat ihr direkt so gut gefallen, dass sie diesem Bereich treu blieb. „Das ist nicht nur trockene Sacharbeit, sondern man hat mit vielen verschiedenen Menschen zu tun“, erklärt sie. Deshalb kam ein anderer Bereich für sie später „gar nicht in Frage“.

Das erste Jahr in Vohwinkel hat sie genutzt, die JVA, die Kollegen und die Abläufe kennenzulernen und in die Sanierungsplanung einzusteigen. „Ein Umbau im Betrieb ist eine große Herausforderung“, betont sie. Schon bald nach ihrem Amtsantritt stand der Umzug von 193 Häftlingen in andere Haftanstalten an, weil das Hafthaus A abgerissen wurde.

Abgerissen waren da schon längst die meisten der 40 Dienstwohnungen, die außerhalb des bisherigen JVA-Geländes liegen. Künftig soll aber dieser Bereich zum Gefängnis gehören, dort soll unter anderem eine neue Werkhalle entstehen. Ein Gebäuderiegel blieb vorerst stehen, das nutzt die Verwaltung vorübergehend, auch Charlotte Narjes‘ Büro befindet sich in einer ehemaligen Wohnung. Wenn sie im Inneren der JVA zu tun hat, muss sie jedes Mal durch die Sicherheitsschleuse.

Aufwändig wird es auch bei den weiteren Umbauten, um die Sicherheit der Anstalt zu gewährleisten. Deshalb wird eine neue Mauer um ein weiteres Hafthaus gezogen, das saniert wird. Die Bauarbeiter können diese Enklave durch eine eigene Pforte betreten, für Häftlinge ist dieser Bereich dann nicht erreichbar. „Wir müssen jeden Abschnitt nicht nur baulich planen, sondern auch den Betrieb darauf abstimmen“, erklärt Charlotte Narjes. „Das geht nur Schritt für Schritt.“

Im Vollzug selbst liegt ihr der „Behandlungsvollzug“ am Herzen, die Vorbereitung der Inhaftierten auf die Zeit nach der Haft. Dazu gehört das Training von Alltagskompetenzen ebenso wie Module für die berufliche Weiterbildung, die in die meist kurze Aufenthaltsdauer in der JVA Vohwinkel passen. Außerdem will sie ihr Netzwerk weiter ausbauen, die JVA soll in der Stadt präsent sein.