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Stadtwerke: WSW fahren in der Krise Millionenverluste ein

Stadtwerke : WSW fahren in der Krise Millionenverluste ein

Die Coronakrise hat die Verkehrssparte der Wuppertaler Stadtwerke besonders hart getroffen. Die Fahrgastzahlen sind seit Schließung der Geschäfte Mitte März stark eingebrochen.

Nach Angaben von Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil GmbH, fahren Schwebebahn und Busse seitdem monatlich Verluste in Höhe von 1,3 Millionen Euro ein. Der Großteil der Mindereinnahmen erklärt sich über den Rückgang bei Barticketverkäufen und vor allem bei den freiverkäuflichen Monatstickets.

Während des Lockdowns waren in Bussen nur noch 30 Prozent der üblichen Fahrgäste unterwegs. Die Schwebebahn beförderte zwei Drittel weniger Fahrgäste. Die Stadt gab auf Anfrage der Grünen Ratsfraktion an, dass die Auslastung auf einzelnen Bus-Linien zeitweise unter 20 Prozent gesunken ist.

„In der Phase des Lockdowns haben wir bei der Schwebebahn und den Bussen auf den Samstagsfahrplan umgestellt und das Angebot um 30 bis 70 Prozent reduziert“, sagt Ulrich Jaeger. Es waren Tage, an denen die Stadt wie ausgestorben wirkte. Mit der Lockerung der Schutzauflagen vor zwei Wochen nahmen die Stadtwerke den Betrieb fast wieder voll auf. Nur der Schülerverkehr ruht noch – bis auf die wichtige Verbindung von Ronsdorf zum Schulzentrum Süd.

„Die Fahrgastzahlen steigen seitdem wieder, aber wir haben gerade erst einmal die Hälfte der alten Zahlen erreicht – bei vollen Kosten“, erklärt Jaeger, warum die Schere zwischen Aufwand und Ertrag von Woche zu Woche auseinander geht. Dass der ÖPNV in Zeiten der Pandemie systemrelevant ist, steht für die Stadt außer Frage. Daher steht auch keine weitere Reduzierung des Angebots zur Debatte. Überfüllte Busse und Schwebebahnen würden allen Vorstellungen vom Abstandhalten widersprechen.

Das Abstandsgebot gilt im ÖPNV allerdings nicht. Es liegt in der Eigenverantwortung jedes Fahrgastes, ob er in Busse oder Schwebebahnen einsteigt, die bereits gut gefüllt sind. Viele Wuppertaler scheuen offenbar die Fahrt mit Bus und Bahn, andere arbeiten im Homeoffice und haben ihre Einkäufe in der Stadt reduziert. Das trägt dazu bei, dass es auch zu Spitzenzeiten im Berufsverkehr bisher nicht zu überfüllten Fahrzeugen kam.

„Gerade in Wuppertal hat der ÖPNV einen hohen Stellenanteil mit einem der höchsten Nutzungsgrade in ganz Deutschland“, erinnert Jaeger. Er zeigt Verständnis für Forderungen aus der Politik, das Verkehrsangebot trotz gesunkener Nachfrage hoch zu halten, obwohl sich das nicht rechnet. Als Vorsitzender der Landesgruppe NRW im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert Jaeger daher einen finanziellen Rettungsschirm für den ÖPNV.

Gestiegen ist laut Jaeger die Wertschätzung der Wuppertaler für das Personal im Fahrbetrieb. „Unsere Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben sich entsprechend beim Fahrerwechsel und in den Pausen vorsichtig verhalten. Bisher sind wir von Infektionen verschont geblieben“, sagt Jager.

Trotz aller Hindernisse in der Corona-Pandemie sollen die Zukunftsprojekte weitergeführt werden. Zehn weitere Wasserstoff-Busse sind bestellt, die Entwicklung eines über individuelle Nachfrage gesteuerten Bus-Systems soll im August/September mit ersten Tests weitergehen.

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