1. NRW

Unwetter in NRW: Wuppertal versinkt nach Starkregen, Düsseldorfer Stadtteil evakuiert

Überflutungen und Co. : So heftig trifft das Unwetter mit Starkregen NRW

NRW hat mit teils heftigem Dauerregen zu kämpfen. Am Abend überfluteten Wassermassen Wuppertal. Stark getroffen hat es außerdem Hagen, Düsseldorf und Erkrath.

Feuerwehr und Technisches sind in Wuppertal ausgerückt, um gegen, um gegen das Abreißen eines Stromkabels an der Kabelstraße in Wuppertal-Elberfeld zu kämpfen. Kostenpflichtiger Inhalt Nach Angaben des Technischen Hilfswerks drohte ein Gerüst, das in der Wupper steht, durch die Strömung weggerissen zu werden.

Zum Schutz vor einem möglichem Übertreten der Wupper und Bächen in Solingen hat die Feuerwehr über 2000 Sandsäcke eingesetzt. Zudem sperrten Einsatzkräfte zwei unmittelbar an dem Fluss gelegene Parkplätze ab, sagte ein Feuerwehrsprecher am Mittwoch. Mit den Sandsäcken seien etwa Dämme an den Gewässern gebaut worden, um etwa ein Firmengebäude zu schützen. Insgesamt wurde die Feuerwehr in Solingen bis Mittag zu rund 45 wetterbedingten Einsätzen gerufen.

 Der Pegel der Wupper müsse weiter beobachtet werden, berichtete eine Sprecherin des Wupperverbandes. Bereits Anfang der Woche habe man angefangen, Wasser aus den Talsperren abzulassen, damit diese bei heftigem Regen nicht übertreten. Bisher sei noch keine Talsperre übergelaufen, hieß es.

Die A 46 bei Wuppertal-Sonnborn wurde am Morgen überschwemmt und gesperrt.  Auch bei der S-Bahn kam es wegen der Regenfälle zu Problemen.

Die Stadt Düsseldorf hat wegen einer drohenden Überschwemmung die Anwohner im Stadtteil Grafenberg zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert. Besonders betroffen vom steigenden Hochwasser der Nördlichen Düssel seien etwa 350 Gebäude der Ostparksiedlung, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Eine Betreuungsstelle für die Anwohner sei in einer Schule eingerichtet worden.

Am Nachmittag soll zudem aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der dortigen Trafo-Station der Strom abgeschaltet werden. Die Stadt rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Keller der Häuser mit Wasserständen von 1,50 bis 2 Metern Höhe überflutet werden. Erst in den kommenden Tagen könnten die Wassermassen kontrolliert abgepumpt werden.

Wer sich in dem betroffenen Gebiet aufhalte, solle Heiz- und Kochgeräte abschalten und die Gebäude anschließend sofort verlassen, warnte die Stadt über die App Nina. Zudem forderte sie die Menschen auf, geparkte Fahrzeuge aus dem Überflutungsbereich wegzubringen. Nach starken Regenfällen sei es in der Düssel zu einem „historischen Hochwasser“ gekommen, teilte die Stadt am Mittwochnachmittag mit.

Aufgrund des Starkregens war die Feuerwehr in Düsseldorf zunächst zu rund 330 Einsätzen ausgerückt. In der Nacht zum Mittwoch seien Keller vollgelaufen und Straßen überschwemmt worden, teilte die Feuerwehr mit. Laut Feuerwehr ist auch die Tiefgarage des Rheinmetall-Konzerns betroffen. Dort stehe das Wasser bei 40 Zentimenter. Im Düsseldorfer Stadtgebiet gab es einige Einsatzschwerpunkte - einen Überblick finden Sie hier.

Geschlossene Kitas, ein evakuiertes Seniorenheim, von Wassermassen eingeschlossene Autofahrer und einige kaum erreichbare Ortsteile: Nach starken Regenfälle in der Nacht zu Mittwoch in viele Teilen Nordrhein-Westfalens hat es die Ruhrgebietsstadt Hagen besonders schwer getroffen. Ein Altenheim mit 76 Bewohnern wurde am Mittwoch wegen einströmender Wassermassen evakuiert. „Das Seniorenheim ist sehr stark betroffen und unbewohnbar geworden“ sagte ein Stadt-Sprecher.. Die Polizei appellierte an die Bürger, möglichst zu Hause zu bleiben.

In Hagen wurden Eltern gebeten, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken und auch die Ferienbetreuung an den Grundschulen nicht zu nutzen. „Wir wollen so wenig Fahrten durch das Stadtgebiet haben wie möglich“, betonte der Sprecher. Es gebe auch Schäden in einigen Kitas nach den starken Regenfällen in der Nacht. Eine verschüttete Person sei leicht verletzt gerettet worden. Mehrere Fahrer seien aus ihren von Wassermassen eingeschlossenen Autos befreit worden. An mehreren Stellen seien durch die Wassermassen zum Teil Wände von Gebäuden eingestürzt. Der Krisenstab der Stadt tagte. Es gab mindestens 200 Einsatzorte. 440 Feuerwehrleute und weitere Retter waren im Einsatz.

Besonders stark getroffen war der Süden von Hagen mit vier Stadtteilen, die zum Teil nicht mehr zu erreichen seien. Der Ortsteil Dahl sei praktisch abgeriegelt - außer für Einsatzkräfte, auch Ärzte könnten im Notfall durchkommen. So sei ein Unimog, der auch Geröll überwinden könne, als Rettungswagen ausgerüstet worden, um eine notärztliche Versorgung absichern zu können. Hänge rutschten ab, überflutete Fahrbahnen wurden gesperrt. Hunderte Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein.

Starkregen in NRW: Feuerwehr aus Krefeld hilft im Kreis Mettmann

Im wenige Kilometer entfernten Erkrath spitzte sich die Lage am Morgen weiter zu: Eine Flüchtlingsunterkunft wurde evakuiert und Anwohner wurden über Soziale Medien aufgefordert, nicht zu duschen und Wäsche zu waschen. Damit wollte die Feuerwehr verhindern, dass das Abwassersystem zu stark belastet wird. Der kleine Fluss Düssel war dort an einigen Stellen schon über die Ufer gegangen. Etwa 100 Bewohner eines Wohnheims müssen wegen Überschwemmungen in Erkrath ihre Unterkunft verlassen. Die Unterkunft für Geflüchtete befinde sich in einem alten Schulgebäude, dort sei der Keller und die Sporthalle voll Wasser gelaufen, sagte eine Sprecherin der Stadt am Mittwoch. Das Gebäude werde deshalb evakuiert. Gefahr für die Bewohner bestehe aber nicht. Die Evakuierung soll nach Angaben der Stadt auch über Nacht bestehen bleiben. „Die Evakuierung erfolgt vorsorglich, falls es in der Nacht durch weitere Regenfälle zu einer stärkeren Überflutung kommen sollte“, teilte die Stadt auf ihrer Homepage mit. Die Bewohnerinnen und Bewohner kommen demnach im Bürgerhaus unter.

Seit 1.00 Uhr nachts sei die Feuerwehr in Erkrath wegen des Unwetters im Einsatz. „Die Düssel ist übergetreten und drückt in die Überflutungsbecken“, sagte die Sprecherin. Kanaldeckel wurden hochgedrückt. Etwa 250 Kräfte der Feuerwehr seien im Einsatz, mehr als 100 davon seien von der Bezirksregierung zur Unterstützung geschickt worden. Bis Mittag habe es 108 Einsätze für die Feuerwehr gegeben. Auch ein Krisenstab sei eingerichtet.

Die Feuerwehr musste nach Angaben der Sprecherin bisher vier Menschen vor dem Wasser retten, zwei aus einem Haus und zwei aus einem Auto. Verletzt wurde demnach bisher aber niemand.

Die Feuerwehr habe im Stadtgebiet Sandsäcke ausgelegt. Die Stadt rief dazu auf, äußert vorsichtig zu sein und Bereiche rund um Kanäle zu meiden. Zudem sollen die Bürger auf Duschen, Waschen und Nutzen der Spülmaschine verzichten, um kein weiteres Abwasser zu produzieren.

Starke Regenfälle haben am Mittwoch auch im Krefelder Stadtgebiet für mehrere Einsätze der Feuerwehr gesorgt. Mehrere Meldungen aufgrund vollgelaufener Keller habe es am Nachmittag nach stärkeren Regenphasen am Mittag und Nachmittag gegeben, erklärte ein Sprecher Feuerwehr unserer Redaktion. Auch ein „Starkregenschauer“ sei wohl dabei gewesen. Eine Tiefgarage an der Sprödentalstraße bildete laut Angaben der Feuerwehr „aufgrund der Größe des Objektes“ einen Einsatzschwerpunkt. Kräfte aus Krefeld sollten zudem im Kreis Mettmann helfen. Ende Juni hatte ein Kostenpflichtiger Inhalt Unwetter mit Starkregen Krefeld erfasst und für einen Dauereinsatz der Feuerwehr gesorgt. Solche lokalen Wetterereignisse kämen oft überraschend, seien schwer vorherzusehen, so ein Sprecher der Feuerwehr in Krefeld. Der Deutsche Wetterdienst hatte auch für den Raum Krefeld eine Unwetterwarnung herausgegeben.

In Essen wurde die Weiße Flotte durch den Regen ausgebremst. Auf dem Baldeneysee und der Ruhr sei aufgrund des hohen Pegelstandes in Hattingen die Schifffahrt komplett untersagt worden, teilte die Weiße Flotte Baldeney-GmbH mit. Auf dem Rhein-Herne-Kanal gehe der Betrieb dagegen weiter.

Im Märkischen Kreis war besonders die Stadt Altena betroffen. Dort seien Straßen komplett gesperrt, was zu massiven Staus führte, teilte die Polizei mit. Ihr Rat: „Meiden Sie den Bereich großräumig!“

Eine Frau ist in Mettmann während des Unwetters von einem umstürzenden Baum schwer verletzt worden und wäre beinahe ertrunken. Glücklicherweise gab es einen Helfer.

Auf der A57 bei Kamp-Lintfort ist am Dienstagabend eine 26 Jahre alte Frau aus Wesel bei einem Unfall schwer verletzt worden. Laut Angaben der Autobahnpolizei geriet ihr Fahrzeug bei regennasser Fahrbahn ins Schleudern, kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich mehrfach. Sie wurde zur Behandlung in eine Klinik gebracht.

Der kräftige Regen lässt den Rhein weiter steigen. Der Pegelstand lag in Köln am Mittwochmorgen bei 5,47 Metern - mit langsam steigender Tendenz, wie eine Sprecherin der Stadtentwässerungsbetriebe sagte. Für Donnerstagmorgen erwarte man 5,70 Meter. „In Teilen des Rheineinzugsgebiets ist Dauerregen vorhergesagt.“ Voraussichtlich am Freitagmorgen würden die sieben Meter überschritten. „Und am Wochenende können wir zum jetzigen Zeitpunkt die acht Meter nicht ausschließen“, sagte die Sprecherin. Der Hydrologe Jan Böhme vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein sagte, für den Bereich Bonn bis Köln seien Schifffahrtseinschränkungen nicht auszuschließen. Die Marke dafür liege bei 8,30 Metern. Der Scheitel des Hochwassers werde für Anfang nächster Woche erwartet.

Unwetter-Prognose für Mittwoch und Donnerstag in NRW

Für weite Teile des Landes gilt am Mittwoch sogar die höchste Warnstufe, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Bis in die Nacht soll gebietweise Starkregen fallen. Die Nachmittagstemperaturen erreichen 20 bis 24 Grad, in Hochlagen 17 bis 20 Grad. Ganz vereinzelt können starke bis stürmische Böen auftreten.

In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich der Starkregen auf die Westhälfte. Es besteht weiterhin Unwettergefahr bei Tiefstwerten zwischen 18 und 13 Grad.

Am Donnerstag bleibt es in der Westhälfte dicht bewölkt mit zeitweisen Schauern. Gewitter sind laut DWD ebenfalls möglich. Im Osten bleibt es zunächst wolkig mit Aufheiterungen. Am Nachmittag sind einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Die Temperaturen liegen bei maximal 18 Grad in der Eifel und 26 Grad in Ostwestfalen. In der Nacht bleibt es stark bewölkt und meist niederschlagsfrei. Die Tiefstwerte liegen dann zwischen 17 und 13 Grad.

(dpa/red)