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Martin Blasius nimmt Zuhörer mit auf eine "Winterreise"

Konzert : Martin Blasius nimmt Zuhörer mit auf eine „Winterreise“

Der Schwelmer Bassist sang Schuberts Liederzyklus im Leo-Theater.

Der 1956 in Schwelm geborene Bassist trat nach zwölf Jahren wieder in seiner Heimatstadt auf. Im Leo-Theater stand er mit Franz Schuberts „Winterreise“ auf der Bühne und präsentierte mit warmem, samtigem Bass einen äußerst eindrucksvollen Liederzyklus.  

Der erfahrene Opern-, Lied- und Konzertsänger stand weltweit auf vielen Bühnen, dennoch empfand er es als aufregend, wieder einmal in seiner Heimatstadt Schwelm zu singen. Theaterchef Andreas Winkelsträter hatte schon vor längerer Zeit geplant, Martin Blasius für die Reihe „Klassik im Leo“ zu engagieren. Nun konnte er am Tag der deutschen Einheit den Bassisten im gut besuchten Leo Theater begrüßen.

Die „Winterreise“ ist wohl der berühmteste Liederzyklus des österreichischen Komponisten Franz Schubert, vielleicht sogar der berühmteste Liederzyklus überhaupt. 1827 hatte der 30-jährige Schubert 24 Gedichte des Dessauer Biedermeier-Dichters Wilhelm Müller vertont. Vor einer ersten Aufführung für Freunde kündigte der Komponist sein Werk als einen Kreis „schauerlicher Lieder“ an. Er hatte die poetischen Bilder Müllers in den passenden Klang umgesetzt. Winterliche Natur und die große Melancholie eines Wanderers treffen aufeinander. Seine Geliebte hat ihn verlassen und er verlässt deshalb die Stadt. Immer wieder blickt er zurück auf schöne Erinnerungen.

Unterstützung von
Pianistin Uta Schmitter-Klisch

Blasius interpretierte den ruhelosen Wanderer mit großer Intensität, aber ohne Pathos. Absolute Textverständlichkeit, Stimmsitz, deutliche Endkonsonanten, alles passte perfekt. Die Pianistin Uta Schmitter-Klisch erwies sich als besonders einfühlsame Liedbegleiterin, der es gelang, das gesamte emotionale Spektrum des Protagonisten darzustellen. Sie erschloss Klangräume und gestaltete die Lieder spürbar mit. Erst vor zwei Jahren haben Blasius und Schmitter-Klisch zum ersten Mal gemeinsam konzertiert. Sie wirkten wie ein sehr gut eingespieltes Team, obwohl es an diesem Abend ihre erste gemeinsame „Winterreise“ war.

Im ersten Lied spürte Martin Blasius melancholisch den Klängen nach, mit schwarzer Tiefe und sattem Volumen sang er das Lied „Die Wetterfahne“, in dem der Wanderer traurig vor dem Haus seiner ehemaligen Geliebten steht. Es ist eine Musik des vielschichtigen Abschieds, es naht der Winter. Nicht nur der Wanderer versinkt in der dunklen Jahreszeit in melancholische Gedanken. Das fünfte Lied des Zyklus, „Der Lindenbaum“, besser bekannt als „Am Brunnen vor dem Tore“, ist das bekannteste. Es zählte früher zum Standard-Repertoire eines jeden Männerchors. Blasius sang das romantische Lied mit klarem Bass, Uta Schmitter-Klisch am Ibach-Flügel begleitete ihn mit drängenden Klängen. Wandelbar und stets dem Publikum zugewandt stellte der Bassist alle Facetten der traurigen, wütenden, todessehnsüchtigen Texte in seinem Gesang dar. Müdigkeit und Erschöpfung im Lied „Rast“, aufkeimende Hoffnung im „Frühlingstraum“ oder die „Einsamkeit“ als trübe Wolke. „Die Krähe“ wird dem Wanderer fast zu einem Freund und Wegbegleiter, doch letztlich sieht er in ihr ein Symbol des Todes. Bewegt sang Blasius das Lied „Mut“, in dem Hoffnung aufkeimt, die jedoch dem Schmerz weichen muss. Im letzten, besonders traurigen Lied trifft der Wanderer auf einen Leiermann, der genauso einsam und verlassen zu sein scheint wie er selbst. Die Frage, ob der alte Musiker mit ihm gehen und ihn zu seinen Liedern auf der Leier begleiten wird, bleibt ohne Antwort.

Das Publikum im Leo-Theater war begeistert und ergriffen von diesem wunderschönen Liedgesang und applaudierte lang anhaltend.

„Wir kommen gerne wieder hierher“, sagten Martin Blasius und Uta Schmitter-Klisch nach dem Konzert.