Digitalisierung in Neuss: Sandra Engwicht ist Digitalchefin im rathaus

Stadtverwaltung in Neuss : Neue Digitalchefin fürs Rathaus

Als „Chief Digital Officer“ leitet Sandra Engwicht das Amt für Digitalisierung in der Verwaltung.

Manchmal muss man auch ein Revoluzzer sein. Sandra Engwicht sagt diesen Satz voller Überzeugung, und er hat nichts damit zu tun, dass die 44-Jährige alles auf den Kopf stellen möchte. Aber als „Chief Digital Officer“ gehört ein gewisses Maß an Revoluzzertum schon dazu, schließlich gehört zu den Kernaufgaben der neuen Digitalchefin im Rathaus vor allem dies: gewohnte Strukturen aufzubrechen und neu zu denken, Mitarbeiter und Kollegen für Neues zu begeistern und – um diese sperrige Beschreibung kommt man nicht umhin – Prozessoptimierung. Denn nicht nur Wirtschaft, Industrie und Freizeitverhalten sind im digitalen Zeitalter längst im Wandel, sondern auch die Verwaltung im Rathaus.

Das soll nicht zuletzt der Bürger spüren. Immer mehr Serviceangebote sollen künftig digital angeboten werden. „Wir werden das im März gestartete Bürger-Service-Portal nach und nach ausbauen“, sagt Engwicht. Bislang können zum Beispiel Bewohnerparkausweise oder Urkunden aus dem Geburten-, Ehe-, Lebenspartnerschafts- oder Sterberegister online bestellt werden. Angebote, die angenommen werden. „In diesem Jahr wurden zum Beispiel bereits 680 Bewohnerparkausweise online bestellt“, betont Engwicht. Das soll mehr werden. Ein weiteres, bereits etabliertes Angebot ist der Kita-Navigator.

Portfolio digital abzuwickelnder Angebote soll erweitert werden

Aber dabei soll es nicht bleiben. Dass niemand gerne viel Zeit auf dem Amt verbringt, weiß man auch im Rathaus. Mit ihren Kollegen arbeitet die neue Digitalchefin daher daran, das Portfolio jener Angebote, die komplett digital abgewickelt werden können, auszuweiten. Das ist nicht immer einfach, auch weil bei manchen Plänen auch schon mal der Gesetzgeber einen Strich durch die Rechnung machen kann. „Aber ich habe Stehvermögen“, sagt Engwicht. Und man müsse auch mal darauf hinweisen, wenn es rechtlicher Anpassungen bedarf.

Zugleich gilt es, verschiedene Akteure unter einen Hut zu bringen. Etwas, das Sandra Engwicht gerne auch in Neuss einführen würde, ist das Digitalangebot „Elfe“. Das hat nichts mit Sagen und Mythen zu tun, sondern soll Eltern ganz handfest im Alltag bei Behördenangelegenheiten entlasten. In Bremen gibt es „Elfe“ bereits, das Kürzel steht für „Einfach Leistungen für Eltern“. Im Kern werden Verwaltungsprozesse rund um die Geburt eines Kindes vereinfacht und digitalisiert. „Elterngeld leicht gemacht“, sagt Engwicht. Mit Einwilligung der Eltern sammelt „Elfe“ alle relevanten Daten für die Geburtsurkunde und die Anträge auf Kinder- und Elterngeld automatisch – sofern diese in der Verwaltung vorliegen. Die Eltern erhalten schließlich die Geburtsurkunde zugeschickt sowie Eltern- und Kindergeld ausgezahlt.

An Aufgaben mangelt es im Amt für Verwaltungsdigitalisierung, das Sandra Engwicht leitet, nicht. Der zuständige Dezernent Holger Lachmann betont das große Potenzial. „Man kann sagen: Wir haben das gesamte standardisierte Massengeschäft der Verwaltung im Blick“, erklärt er. Möglichst viele Serviceangebote sollen künftig auch digital angeboten werden. „Das entlastet die Bürger, aber auch die Mitarbeiter im Rathaus“, erklärt Lachmann. Er betont jedoch auch, dass die digitalen Angebote ein Zusatz sind. „Als Verwaltung haben wir die Aufgabe, dass alle Leistungen für jeden Bürger zugänglich sind.“ Das schließt auch jene ein, die digitale Angebote – aus welchen Gründen auch immer – nicht wahrnehmen können. Das klassische Angebot „auf dem Amt“ wird es also weiterhin
geben.

Sandra Engwicht geht ihre neue Aufgabe im Neusser Rathaus mit großem Elan an. Die 44-Jährige, die in Dormagen lebt, kann auf einen großen Erfahrungsschatz im Dienst von Kommunalverwaltungen in Dormagen und Neuss zurückgreifen. Zudem war sie von 2010 bis 2017 für den IT-Dienstleister ITK Rheinland tätig.

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