UWG: Plakat zum Musikschuljubiläum ist rassistisch

UWG: Plakat zum Musikschuljubiläum ist rassistisch

Werbemotiv für Musikschule gerät in die Kritik. Stadtspitze weist Vorwurf zurück.

Meerbusch. Hohe Wellen schlug am Dienstag ein Schreiben der UWG, in dem deren Fraktionsvorsitzender Christian Staudinger-Napp der Verwaltung vorwirft, mit einem rassistischen Plakatmotiv Werbung für das Musikschuljubiläum zu machen.

Auslöser seines Briefs war die Empörung eines anderen. Benjamin Frank hatte sich an alle Meerbuscher Fraktionen und den Integrationsrat gewandt, nachdem er das Jubiläums-Werbeplakat mit einem Rastajungen bemerkt hatte. Der sitzt im Schneidersitz lächelnd hinter einer Trommel, daneben der Text: „Wir haben Rhythmus im Blut.“ Das sei „zutiefst rassistisch“, die Initiatoren seien „mit dem Kopf in Vorstellungen aus dunkelster Zeit steckengeblieben“, schreibt Frank empört.

Staudinger-Napp macht sich diese Haltung zu eigen. Das Bild stelle einen „Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten dar, in denen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe mit bestimmten Eigenschaften oder Veranlagungen belegt waren“, schreibt er: Schwarze hätten Rhythmus im Blut, tolle Stimmen, seien faul und arbeitsscheu. Staudinger-Napp: „Man kann das unnachsichtig Rassismus nennen oder etwas nachsichtiger Verallgemeinerung, Klischee, Vorurteil oder Verzerrung.“

„Ich bin entsetzt über die Assoziationen, die Herr Staudinger-Napp mit Farbigen verbindet“, konterte die Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westerlage umgehend und mit „völligem Unverständnis“.

Für Mielke-Westerlage hat der Ratsherr mit seinen Äußerungen die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. „Unsere Musikschule steht für Jugend, für Internationalität und Schwung. Genau das will auch unsere Plakatreihe kommunizieren — und das ganz bewusst bunt und anders als gewohnt.“

Die Plakate, auf Initiative von Stadtsprecher Michael Gorgs konzipiert, hängen seit rund zwei Monaten in Bushaltestellen im Stadtgebiet, bei Konzerten zum Musikschuljubiläum wurden sie gezeigt. Bislang habe es ausschließlich positive Resonanz gegeben. So stehe der Rasta-Junge für die Percussiongruppe. „Dort geht es bunt, lebendig und rhythmisch zu. Genau das und nichts anderes bringt das Plakat zum Ausdruck“, sagt Mielke-Westerlage. Das Motiv auszusortieren, steht laut Gorgs „überhaupt nicht zur Debatte“.

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