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Kaarster Helfer halten an Tschernobyl fest

Kaarster Helfer halten an Tschernobyl fest

Auch nach der atomaren Katastrophe in Japan will die Ökumenische Tschernobylhilfe nicht in ihrer Unterstützung nachlassen.

Kaarst. 25 Jahre ist es her: Ein Reaktor des ukrainischen Kernkraftwerks Tschernobyl gerät außer Kontrolle, als ein vollständiger Stromausfall am Kernreaktor simuliert wird. Uran schmilzt in den Brennstäben, Kühlmittel verdampfen.

Der Reaktor explodiert, radioaktive Stoffe werden in die Luft geschleudert. „Die freigesetzte Radioaktivität entspricht etwa der von 400 Hiroshima-Bomben“, sagt Anton Diening von der Ökumenischen Tschernobylhilfe Kaarst-Büttgen.

Rund 50 Soldaten und freiwillige Helfer starben an der Strahlenkrankheit, tausende Menschen erkrankten an Leukämie oder Schilddrüsenkrebs. Insgesamt wurden in Weißrussland, Russland und der Ukraine bis Anfang 2006 etwa 5000 Fälle diagnostiziert.

Diening: „70 Prozent des freigesetzten radioaktiven Materials trieben nach Norden und verseuchten fast ein Viertel Weißrusslands. Mittlerweile ist die Sperrzone um den Reaktor 4300 Quadratkilometer groß.

Nach Angaben der Weißrussischen Regierung ist der Schilddrüsenkrebs bei Kindern um das 40-Fache und bei Erwachsenen um das Siebenfache gestiegen.

Rund zwei Millionen Einwohner, das ist ein Fünftel der Bevölkerung, wurden von der Katastrophe direkt oder indirekt betroffen. Ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche ging verloren.“

In verschiedenen Ländern haben sich Hilfsorganisationen gebildet, die der Bevölkerung, besonders den Kindern, helfen wollten. Dazu gehört die Ökumenische Tschernobylhilfe Kaarst-Büttgen unter ihrer Vorsitzenden Anni Müller.

Seit vielen Jahren lädt der Verein Kinder ein, sich einige Wochen im Rheinland zu erholen. Ständig werden neue Gasteltern gesucht, Sach- und Geldspenden gesammelt sowie Basare veranstaltet.

Umso bestürzter reagiert der Verein auf die Lage im havarierten Kernkraftwerk in Fukushima. „Wir hoffen, dass es den Japanern bald gelingt, das weitere Ausströmen radioaktiver Stoffe zu verhindern.

Die Folgen treffen das dicht besiedelte Japan möglicherweise noch härter“, sagt Anni Müller. „Cäsium besitzt beispielsweise mit einer Halbwertzeit von 30 Jahren selbst nach 60 Jahren noch 25 Prozent seiner anfänglichen Strahlungsintensität.“

Trotz der Katastrophe in Japan will der Verein nicht nachlassen, Hilfe für die Tschernobyl-Opfer zu organisieren. Müller: „Es gibt noch immer viele Erkrankte in Weißrussland; verändertes Erbgut wird über Generationen weitergegeben — wir kennen viele Beispiele. Japan ist ein hochtechnisiertes Land mit einer enormen Wirtschaftskraft und vermutlich eher in der Lage, mit der Katastrophe fertig zu werden.“

Immer donnerstags von 14 bis 17 Uhr werden im Keller der Elisabeth-Selbert-Realschule an der Hubertusstraße Sachspenden entgegengenommen, die einmal im Monat in die Ukraine transportiert werden. sl