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Ökumenische Tschernobylhilfe: „Die Wirkung ist enorm“

Ökumenische Tschernobylhilfe: „Die Wirkung ist enorm“

Auch 25 Jahre nach dem Super-GAU wird Hilfe benötigt. Die kommt mitunter aus Willich.

Willich/Kaarst. Am Mittwoch jährte sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 25. Mal. Technische Mängel, organisatorische Schwächen und menschliches Fehlverhalten lösten den Super-GAU aus, den größten anzunehmenden Unfall, für den die Sicherheitssysteme hätten ausgelegt sein müssen.

Doch weder diese Systeme, noch die Unfallverhütung funktionierten. Nach Schätzung der Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) waren und sind von der Katastrophe neun Millionen Menschen betroffen. 400 000 wurden damals umgesiedelt.

„Uns hat damals sehr beunruhigt, dass die offiziellen Stellen der damaligen Sowjetunion versucht haben, Informationen zurückzuhalten“, erinnert sich Anni Müller, Initiatorin der Ökumenischen Tschernobylhilfe Kaarst-Holzbüttgen. „Und wer das Ausmaß der Katastrophe nicht zugibt, schadet den Opfern zusätzlich.“

Der ökumenische Hilfsverein hat 35 aktive Mitglieder, die aus Meerbusch, Willich und Viersen kommen. Durch Sachspenden versucht die Tschernobylhilfe, die schwierige Situation der Kinder zu verbessern.

Einmal im Monat fährt ein LKW-Transport mit Hilfsgütern von Kaarst zu den Familien, Heimkindern und kleinen Krankenhauspatienten nach Brest. Der nächste Hilfs-Lastwagen startet am 1. Mai.

„Die Wirkung unserer Hilfe ist enorm“, freut sich Erich Bieber von der Ökumenischen Tschernobylhilfe. Der Neersener schafft Großspenden heran und begleitet die 1400-Kilometer-Tour, die am Sonntag beginnt. Monatlich gelangen auf diese Weise bis zu 240 Kartons mit Sachspenden nach Weißrussland.

„In unserer Partnerstadt Brest haben viele Familien Kinder, die chronisch krank sind“, sagt Anni Müller. „In etlichen Familien gibt es kein einziges gesundes Kind, während die Eltern, die 1986 selbst Kinder oder Jugendliche waren, gesund wirken.“ Die Armut macht es den Eltern zusätzlich schwer.

Die gesundheitlichen Folgen der Verstrahlung betreffen unter anderem die Blutbildungsorgane, die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes und der Luftwege. Herzinfarkte und Hirnblutungen treten schon bei jungen Leuten auf, ebenso chronische Magen-, Schilddrüsen- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, ein geschwächtes Immunsystem und — besonders auffällig — mehr Hirntumore und Schilddrüsenkrebsfälle.

Um die Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können, ist die Tschernobylhilfe auf Spenden angewiesen. Denn nur damit ist die monatliche Hilfsfahrt machbar.