Politik lässt Schulküchen-Konzept in Dormagen scheitern

Mittagessen in Dormagen : Neues Schulküchen-Konzept fällt bei Politik durch

Entscheidung über dezentral angelegtes, neues Verpflegungsmodell wurde in Ratssitzung im Februar vertagt.

Einen Monat vor der Ratssitzung, in der die Stadtverordneten das Millionen Euro schwere ÖPP-Projekt zur Schulsanierung anschieben sollen, wollten Schulausschuss und Eigenbetrieb im Rahmen einer Sondersitzung einen ersten Baustein für das ÖPP-Vorhaben beschließen: die Küchenausstattung für das Schulzentrum Hackenbroich sowie die Regenbogenschule. Doch trotz einer umfangreichen Informationsvorlage durch die Verwaltung folgte die Politik nicht. Im Gegenteil: Sie vertagte die Entscheidung in die Ratssitzung – und die CDU machte deutlich, dass sie etwas anderes will.

„Es gibt keinen Grund, ein gut funktionierendes System, mit dem die allermeisten zufrieden sind, zu ändern“, sagte die schulpolitische Sprecherin der CDU, Carola Westerheide. Die Stadt hat vorgeschlagen, langfristig die Mittagessen-Versorgung aller städtischen Schulen insofern dezentral zu organisieren, dass es stadtweit drei Standorte gibt, an denen in Mischküchen zubereitet und von dort die jeweils umliegenden Grund- und weiterführenden Schulen versorgt werden. Demgegenüber will die CDU keine „Zentralküchen-Strategie“, wie sie es nennt, sondern „möglichst den Status Quo beibehalten, sofern dies verhältnismäßig ist“. Westerheide: „Wir werden bei der Sanierung bzw. dem Umbau von Schulen im Rahmen einer Gleichbehandlung künftig ausschließlich Ausgabeküchen vorsehen.“

Noch keine Einigung mit
dem Koalitionspartner

Bei diesem Thema gibt es (noch) keine Einigung mit dem Koalitionspartner SPD. Deren Sprecherin Birgit Burdag betonte die Haltung der OGS-Träger, die auf Mischküchen setzen, und dies wolle man unterstützen. Burdag: „Was vorhanden ist, soll bleiben.“ Dennoch sei die Ausgabeküche (künftig) Standard. Die SPD ist auch für die Mischküche im Schulzentrum Hackenbroich, allerdings in einer geringeren Dimension als der von der Verwaltung veranschlagten. Diese sieht rund 1400 Mittagessen täglich vor.

Eine wichtige Rolle spielen die Träger der Offenen Ganztagsschule. Rund ein Dutzend kümmert sich um die Organisation des offenen Ganztags an den Schulen. In einem mehrseitigen Schreiben haben sie sich an die Stadt gewandt, viele Fragen gestellt und Bedenken geäußert. Die grundsätzliche Haltung formulierte ihr Sprecher Hubert Vitt vom Verein der Salvatoris so: „Die Träger sind in der Lage, den Bedürfnissen der Eltern und Kinder gerecht zu werden und haben individuelle Konzepte entwickelt und ebenso individuell umgesetzt. Insgesamt sind alle Beteiligten mit dieser Lösung zufrieden.“ Die OGS-Träger, und mit ihnen viele Eltern und Schulverantwortliche, befürchten, dass eine „Zentralisierung und Vereinheitlichung der Versorgung mit Mittagessen ein erster Schritt in die Vereinheitlichung der Trägerlandschaft ist“. Dem widersprach jedoch Erster Beigeordneter Robert Krumbein: „Der Vorschlag der Verwaltung zielt nicht auf eine Änderung der Trägerlandschaft.“ Er sagt auch: „Im Rahmen der Schaffung von gleichwertigen Voraussetzungen ist der Standard von Zubereitungs- oder Mischküchen finanziell nicht leistbar.“ In Gesprächen innerhalb der Großen Koalition, mit Verwaltung und OGS soll bis zur Ratssitzung ein Konsens gefunden werden.

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