OGS-Mitarbeiter in Dormagen fühlen sich überfordert

Schulbetreuung in Dormagen : Viele OGS-Mitarbeiter sind überfordert

Sie sind für ihre Arbeit mit schwierigen Kindern nicht ausreichend ausgebildet.

Um die Betreuung in den Offenen Ganztagsschulen (OGS) ist es nicht allzu gut bestellt. Nicht anders ist der „Hilferuf“ zu verstehen, den die Verwaltung schriftlich der Politik übermittelt. Als der Schulausschuss sich mit dem Tagesordnungspunkt „Qualitätsentwicklung Offener Ganztag“ befasste, mussten die Mitglieder lesen, dass die Mitarbeiter der OGS oft nur „unzureichend ausgebildet“ sind, dass es zu „alltäglichen Überforderungssituation“ kommt und dass das „Gewaltpotenzial“ bei den Kindern zunimmt. Als Konsequenz daraus ist eine Verbesserung der Qualität „dringend angezeigt“, und dafür wird im nächsten Jahr eine 0,75 Stelle im Rathaus eingerichtet. Eine Fachberaterin soll sich um die Sorgen und Nöte der Mitarbeiterinnen in der OGS und vor allem um deren Fortbildung kümmern. Insgesamt stehen dafür und für weitere Maßnahmen 100 000 Euro zur Verfügung.

Monika Scholz ist nicht nur erfahrene Pädagogin und Rektorin der Erich-Kästner-Grundschule. Sie gehört als Fachberaterin für die OGS auch einem Zirkel des Rhein-Kreises an und ist auch zuständig für Dormagen. Sie beschreibt die zum Teil dramatischen Situationen an Schulen: Es sind zunehmende Respektlosigkeiten der sechs bis zehn Jahre alten Kinder OGS-Mitarbeiterinnen gegenüber. Sogar Beleidigungen seien diese ausgesetzt, wie „Chill mal“ oder sogar „F. dich“. Dem steht das überwiegend weibliche Personal oft hilflos gegenüber, nicht nur deshalb, weil auch viele Eltern sich ebenso verhalten. „Wie soll ich mich in solchen Situationen verhalten?“, fragen sie sich.

In jeder OGS-Gruppe muss eine pädagogische Fachkraft tätig sein, hinzu kommen so genannte Ergänzungskräfte, die jedoch keine pädagogische Ausbildung haben müssen. Genau daran hapert es, und dort ist auch der Ansatz von Monika Scholz: „Diese Ergänzungskräfte, auf die wir dringend angewiesen sind, müssen fortgebildet werden.“

Leichter gesagt als getan. Die Situation ist schwierig. Zum einen hat sich die OGS zu einem Erfolgsmodell entwickelt und wird von immer mehr Kindern besucht, zum anderen hält die Zahl der Mitarbeiterinnen nicht Schritt. Es gibt zwar hochwertige Fortbildungen, wie zum Beispiel von der Diözese Köln, deren Grundkurs aber alleine schon 240 Stunden umfasst. Scholz: „Das richtet sich eher an Bewerberinnen, die eine Gruppenleitung übernehmen wollen. Der ,normalen’ Gruppenkraft ist das zu viel.“ Benötigt werden Fortbildungen light, die es so kaum gibt.

Scholz verspricht sich einiges von der künftigen pädagogischen OGS-Fachberaterin. „Wenn es an einer Schule Probleme gibt, dann wissen die Mitarbeiterinnen, wo sie sich Rat und Hilfe holen können.“ Allerdings: Diese Stelle wird nur zur „Erprobung“ eingerichtet mit einer Befristung von einem Jahr. Ob das die Bewerberzahl in die Höhe schnellen lässt?

Wann die neue Fachberaterin ihre Arbeit aufnehmen wird, ist unklar. Erster Beigeordneter Robert Krumbein nennt das Frühjahr als Zielmarke. Gesucht werde intern, aber auch außerhalb des Rathauses nach dieser Kraft.

Man habe zwar nicht die Erwartung, dass innerhalb eines Jahres alle Probleme rund um die OGS gelöst seien, aber in Gesprächen mit Leitungen werde dann deutlich werden, ob die Einrichtung einer solchen Stelle sinnvoll sei und zu Ergebnissen geführt habe.

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