Landrat kontert Kritik von Reterra an Bioabfall-Plan des Kreises Viersen

Offener Brief : Bioabfall: Landrat kritisiert Reterra

Die Geschäftsführerin hatte dem Kreis Steuerverschwendung vorgeworfen.

Landrat Andreas Coenen (CDU) hat die per Offenem Brief geäußerte Kritik an der geplanten Rekommunalisierung der Bioabfall-Behandlung scharf zurückgewiesen. Die Geschäftsführerin von Reterra – die Remondis-Tochter ist noch mit der Bioabfall-Behandlung in Viersen-Süchteln beauftragt – hatte dem Kreis vorgeworfen, durch den Bau einer eigenen Anlage in Kooperation mit dem Kreis Wesel über einen Zeitraum von 28 Jahren Gebührengelder von 25 Millionen Euro zu verschleudern.

Der Kreis will ab Ende 2022 über seinen Abfallverband den Bioabfall selbst behandeln. Dazu soll auf dem ehemaligen Venete-Gelände in Nettetal eine Sortieranlage gebaut werden, in Asdonkhof sollen Kompost und Biogas aus den Abfällen entstehen. Der Kreis kalkuliert, dass die Behandlung einer Tonne Abfall 79,53 Euro netto kosten wird, plus rund 20 Euro für Transport und Sortierung. Der jetzige Preis beträgt 83 Euro netto pro Tonne.

Coenen kritisierte es als stillos, dass die Reterra-Geschäftsführerin einen offenen Brief geschrieben habe, statt ihre Sichtweise mit der Kreisverwaltung auf fachlicher Ebene zu diskutieren. „Das hätten wir gern getan. Zuletzt waren wir noch im Oktober mit der Kreisverwaltung im Gespräch – leider wurde uns keine Chance gegeben, fachlich darüber zu sprechen“, sagte Reterra-Geschäftsführerin Barbara Junker. In ihrem Schreiben hatte sie angezweifelt, ob die vom Kreis ohne Ausschreibung kalkulierten Baukosten – 31,6 Millionen Euro soll die Anlage kosten – solide seien. Coenen wies das zurück: „Die Kosten wurden seriös und solide kalkuliert. Ihre Vorgehensweise, Preissteigerungen für die öffentliche Hand einzupreisen, für die Privatwirtschaft aber auszuschließen, sucht seinesgleichen.“ Junker entgegnete: „Wenn der Landrat noch einmal nachrechnet, wird er feststellen, dass ich das nicht getan habe.“ Die 25 Millionen Euro Unterschied ergäben sich bereits ohne mögliche Preissteigerungen beim Bau der Anlage. Sie räumte ein, dass der aktuelle Preis von Reterra beispielsweise durch Personalkostensteigerungen über die Zeit nicht zu halten sein werde. Junker: „Solche Personalkostensteigerungen wird aber auch die Kommune haben.“ Knapp 1600 Lkw-Fahrten werden bei einer Abfallbehandlung in Wesel künftig anfallen. Coenen betont, die Umwelt werde dennoch entlastet, weil dort Biogas gewonnen werden soll. Junker entgegnet: „Das können wir auch anbieten.“mrö

Mehr von Westdeutsche Zeitung