Ovationen für die große Elsner und den großen Knauer

Ovationen für die große Elsner und den großen Knauer

Die Schauspielerin und der Pianist bereiteten den Besuchern in der Paterskirche einen besonderen Abend.

Kempen. Das Programm versprach am Samstag einen besonderen Klavierabend in der Paterskirche. Bettina von Arnim (1785-1859) und Ludwig van Beethoven (1770-1827) sollten sich „in einem Weltmeer von Harmonie“ bewegen. Die Protagonisten aus unserer Zeit waren Sebastian Knauer am Flügel und Schauspielstar Hannelore Elsner in der Rolle der Bettina von Arnim.

Ausgangspunkt des musikalisch-literarischen Abends war die Begegnung des 25-jährigen Fräulein Brentano im Frühjahr 1810 in Wien mit dem 40-jährigen Ludwig van Beethoven. Fräulein Brentano schwärmt über den „großen Zauberer“, der alles Irdische mit Verachtung ansehe, selbst der Sprache nicht mächtig sei und stattdessen durch die Musik spreche.

Als Sprachrohr des Komponisten beginnt Knauer mit dem ersten Satz Allegro molto e con brio aus Beethovens Sonate c-Moll op. 10 Nr. 1. In diesem Musikstück lassen sich schon zahlreiche Nuancen eines imaginären Gesprächs wiederfinden.

Hervorragend harmonieren die ausgewählten Rezitationen aus dem Briefwechsel und den überlieferten Gesprächszetteln des zu diesem Zeitpunkt schwerhörigen Komponisten mit den drei Beethoven-Sonaten, die Knauer ausgewählt hat. Idee und Konzept zu dem musikalisch-literarischen Genuss stammen von ihm.

Desweiteren schaffen die einzelnen Sätze der Sonate d-Moll op.31 Nr. 2 („Sturm“) und als großer stimmungsvoller Ausklang dann die Mondscheinsonate (Sonate cis-Moll op. 27 Nr. 2) die atmosphärischen Zwischenspiele für das Rezitierte. In der einfühlsamen Interpretation des Pianisten ergibt sich jedes Mal eine wunderbare Gelegenheit, das Gehörte mit seinen Äußerungen und heute nicht mehr alltäglichen Gedankensprüngen nachzuvollziehen und nachwirken zu lassen.

Die Persönlichkeiten Bettinas und Beethovens gewinnen im Laufe des Abends immer mehr an Kontur. Elsner lässt sie mit ihrer Rezitation so lebendig werden, dass man sich in jene Tage in Wien versetzt fühlen kann. Bettinas Verehrung des großen Meisters, ihre Sehnsüchte und Empfindsamkeit als „Kind“ der Romantik, ihr Engagement für Ausgegrenzte und Benachteiligte, das sie als Schriftstellerin in späteren Jahren nach dem Tode ihres Ehemanns Achim von Arnim bestimmen sollte, kommen in den Zitaten zur Sprache.

Eine anregende wie genussvolle Zeitreise in das frühe 19. Jahrhundert, ein intimer Blick in die Gedankenwelt und die Beziehung zweier Menschen, ihrem Verständnis und Empfinden von Musik und Literatur — ein begeistertes Publikum bedankt sich mit Standing Ovations für dieses besondere Erlebnis.