Klima-Demo in Kempen: „Keine Krise, sondern eine Katastrophe“

Fridays For Future : Klima-Demo in Kempen: „Keine Krise, sondern eine Katastrophe“

Geschätzte 1000 Menschen demonstrierten am Freitag in Kempen für den Klimaschutz. Nach dem Zug durch die Stadt gab es eine Kundgebung auf dem Parkplatz der Burg.

Bei Schätzungen – auch wenn sie von Behörden kommen – muss man immer Vorsicht walten lassen. Erst recht, wenn es sich um Großveranstaltungen handelt. Eine solche war ohne Frage die „Fridays for Future“-Demo am Freitagvormittag in Kempen. 1000 Teilnehmer, so die geschätzte Zahl der Polizei, demonstrierten in der Altstadt für die Klimawende. Ob nun geschätzt oder gezählt, eins steht fest: Es werden immer mehr Demonstranten; der Einsatz für den Klimaschutz wird – auch in Kempen – sichtbar größer. Und das Teilnehmerfeld war gemischt. Denn neben Schülern reihten sich auch zahlreiche Eltern und Großeltern in den Demozug ein.

Los ging es um kurz nach 11.30 Uhr vor dem Thomaeum. Von der Straße „Am Gymnasium“ aus ging der Zug über den Möhlenring. Einige Teilnehmer trugen Pappschilder in verschiedenen Größen und skandierten diverse Slogans. Die Route verlief über den Ring bis zur Peterstraße. Von dort ging es durch die Altstadt über Buttermarkt, Kuh- und Franziskanerstraße bis zum Parkplatz an der Burg. Dort gab es dann eine Abschlusskundgebung mit Musik und Reden.

Für die junge Generation machte Magdalena Weihrauch deutlich, worum es geht. Die Schülerin des Gymansiums Thomaeum prangerte das Fehlverhalten der Regierungen an. Es werde nun Zeit, etwas zu unternehmen. Aber auch wenn die Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen träge agierten, rief sie dazu auf, den Protest aufrechtzuerhalten: „Wir alle sind nicht machtlos!“ Weihrauch beließ es nicht bei Polit-Schelte. Die Jugendliche machte auch deutlich, dass Klimaschutz bei jedem selbst beginne: „Eigentlich wissen wir alle Bescheid. Also tun wir endlich was.“ Die Demo in Kempen sei nun der Anfang. „Jeder Schritt zählt“, sagte die Schülerin.

Hufer: 180 000 abgeholzte
Bäume in anderthalb Stunden

Für die ältere Generation unter den Demonstranten ergriff Klaus-Peter Hufer das Wort. Der Politikwissenschaftler und frühere Fachbereichsleiter der VHS verdeutlichte mit Zahlen, wie dramatisch die Klimasituation in der Welt ist. „Wir sind jetzt etwa anderthalb Stunden durch die Stadt gezogen. In dieser Zeit sind im Regenwald etwa 180 000 Bäume abgeholzt worden. Und in der Antarktis sind mehr als 20 Millionen Tonnen Eis geschmolzen – in anderthalb Stunden“, so Hufer.

„Diese Zahlen machen deutlich, dass es keine Klima-Krise, sondern eine Klima-Katastrophe ist“, fuhr der Professor fort. Denn eine Krise sei per Definition ein Ereignis, an dessen negativem Höhepunkt man an einer Wende arbeite. Dies sehe er in Politik und Gesellschaft aber noch nicht. Den Teilnehmern der Demo, vor allem den jüngeren, zollte Hufer großen Respekt. Es sei ein „beeindruckendes Bild“, so Hufer, als er von der Bühne aus zur Menge auf dem Burgparkplatz sprach.

Jugendliche der Tönisvorster Gesamtschule waren mit dabei

Der Politikwissenschaftler verknüpfte das Thema Klima auch mit der politischen Landschaft in Deutschland. Denn es gebe nur eine Partei, die den den Klimawandel und dessen Folgen nicht anerkennt: die AfD. „Wer die AfD wählt, wählt eine Partei, die für das Klima und das Leben gefährlich ist“, sagte Klaus-Peter Hufer und bekam großen Applaus dafür.

Zum Zeitpunkt der Hufer-Rede hatten sich die Reihen vor der Bühne auf dem Burgparkplatz schon etwas gelichtet. Aus dem einfachen Grund, dass die zahlreichen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern zurück in die Schulen mussten. Neben den Klassen aus den Kempener Schulen war auch eine Gruppe aus Tönisvorst dabei. Das grün-weiße Banner der Rupert-Neudeck-Gesamtschule wurde gut sichtbar durch die Kempener Innenstadt getragen.

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