Kempen: Was wird aus St. Huberts Mitte?

Stadtplanung : Was wird aus St. Huberts Mitte?

Es geht mal wieder um die Attraktivität des Marktes. Die Stadt unterstützt einen Bürger-Antrag, dort weniger Parkplätze zuzulassen.

Hubert Peuker ist hartnäckig. Seit vielen Jahren kämpft der Renter schon für einen attraktiveren St. Huberter Ortskern. Vor allem für weniger Parkplätze auf dem Markt – oder gar einen autofreien Marktplatz. 2012 hatte er bereits einen entsprechenden Antrag gestellt, um die Aufenthaltsqualität in St. Huberts Mitte aufzuwerten. Seitens der Verwaltung erhielt er damals Unterstützung. Es war die Politik, die dann mehrheitlich eine Reduzierung der Parkplätze und andere Vorhaben ablehnte.

Anno 2019 fühlte sich Peuker motiviert, seinen Antrag zu erneuern (die WZ berichtete). Unter anderem angetrieben durch das einsetzende Umdenken bei der Mobilität – Stichwort Klimawandel. In diesem Zuge könnte es doch möglich sein, die Mitte des Kendeldorfes für Fußgänger und Radfahrer attraktiver zu machen, findet Peuker. Also bräuchte es auch weniger Parkplätze für Autos, findet Peuker.

Und siehe da: Die Kempener Stadtverwaltung findet das auch. In der Vorlage für die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Klimaschutz (UPK) am kommenden Montag unterstützt das Technische Dezernat das Ansinnen des Bürgers. „Dem Anliegen von Herrn Peuker, den Marktplatz in St. Hubert umzugestalten, soll gefolgt werden. Ziel ist es, einen weitgehend autofreien Platz mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen, um die Ortsmitte attraktiver zu machen“, heißt es im Beschlussvorschlag.

Darum will die Verwaltung Vorschläge zur Erreichung dieser Ziele erarbeiten. Die Eckpunkte der Planung: Erhalt eines Teils der Parkplätze, Sicherung einer Freifläche für die Kirmes (für die es zuletzt immer schwieriger geworden ist, Schausteller zu finden, Anm. d. Red.), Begrünung des Platzes und eine Verkehrsberuhigung in der gesamten Ortsmitte. Diese soll durch einen sogenannten „shared-space“ erreicht werden. Dabei handelt es sich um eine Ebenerdigkeit von den Zonen für Fußgänger, Radler und Autos – ähnlich dem Bereich am Kempener Klosterhof.

Die neuerliche Unterstützung des Peuker-Antrags nach 2012 begründet die Verwaltung damit, dass es „im Gegensatz zu Kempen in St. Hubert nicht gelungen ist, mit städtebaulichen Maßnahmen eine Basis für eine dauerhafte positive Entwicklung des Stadtteils zu schaffen“. Das erinnert an ähnliche Argumente der Umgestaltungs-Befürwortern von vor sieben Jahren. Damals wurde sinngemäß die Frage gestellt: Warum hat Kempen einen Buttermarkt mit Außengastronomie und St. Hubert nicht?

Weiter macht die Verwaltung deutlich, dass sich demografische, ökonomische, soziale und ökologische Ansprüche der Menschen deutlich gewandelt hätten. Und die St. Huberter Ortsmitte diesen nicht mehr gerecht werde. „Die Fokussierung auf die Bedürfnisse des motorisierten Individualverkehrs ist nicht mehr zeitgemäß.“

In der weiteren Begründung heißt es, „dass ein starker Einzelhandel ohne städtebauliche Attraktivität des Umfeldes nicht zu haben ist“. Aus Sicht der Stadt ist „Einkaufen kein isolierter Vorgang, sondern wird verknüpft mit Aktivitäten der Freizeitgestaltung – man ,geht shoppen’“. So die Ausdrucksweise in der Vorlage, die der ehemalige Technische Beigeordnete Marcus Beyer am 4. September freigegeben hat. Wie berichtet, ist Beyer seit Montag Dezernent bei der Stadt Krefeld. Um das Thema „Erlebnis Einkaufen“ zu erläutern, zieht die Verwaltung sogar Vergleiche zu Shopping- und Factory-Outlet-Centern.

Mit Blick auf das Thema Parkplätze vertritt die Verwaltung die Ansicht, dass diese zwar vorhanden sein müssten – allerdings nicht direkt vor den Geschäften. So bestünden auf dem Kirchplatz ausreichend Stellflächen für Autos.

Die Verwaltung ist überzeugt davon, mit den nun wieder eingebrachten Ideen, allen Belangen Rechnung tragen und den örtlichen Einzelhandel stärken zu können. In der Vorlage schiebt die Stadt aber hinterher, dass der Werbering anderer Auffassung ist. Entsprechende Kritik hatte Café-Betreiber Heinrich Poeth, der auch Schriftführer des Werberings ist, bereits im Mai kurz nach Veröffentlichung des Peuker-Antrags geäußert. Vielmehr bräuchten die St. Huberter Einzelhändler den Markt als Parkplatz, so Poeth damals: „Weil eben viele Kunden auf dem Weg zur oder von der Arbeit noch einen Abstecher in den Ort machen, um in den St. Huberter Geschäften einzukaufen. Wenn dies nicht mehr möglich wäre, würden die Leute wesentlich weitere Wege in andere Städte und Gemeinden auf sich nehmen.“

Nun muss sich die Politik entscheiden, wie die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bekommen sind. Der Ausschuss tagt am Montag ab 18 Uhr im Rathaus. Den Mitgliedern steht womöglich eine lange Sitzung ins Haus. Die Tagesordnung ist gespickt mit großen Themen: Kempener Westen, Gewerbegebiet Hülser Straße, diverse Klimaschutz-Anträge (die WZ berichtete). Infos zur Vorlage:

kempen.de

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