Irmgard und Brigitte Thoenes sind die Tratschtanten aus Grefrath

Grefrath: Die Tratschtanten machen sich fit für den Karneval : Vorsicht vor den Tratschtanten

Irmgard und Brigitte Thoenes treten als Duo im Karneval auf. Familie und Freunde dienen als Vorlage.

„Wir sind Cousinen und haben zwei Vettern geheiratet. Es war grad nix anderes auf dem Markt“, erklärt Irmgard Thoenes, warum ihre Sparringspartnerin Brigitte den gleichen Nachnamen trägt. Gemeinsam gehen die beiden in der Karnevalszeit auf die Bretter – als Tratschtanten. Fürs WZ-Gespräch werfen sie sich dann auch gleich noch in Schale.

„Alles von Oma“, sagt Brigitte Thoenes: Hauskleid, Kompotthütchen, rosa Bettjäckchen und Schuhe. „Das einzig Moderne ist die Brille.“ Die trägt auch Cousine Irmgard. Sie hat sich mit „de Schlumm“ ausstaffiert. Bitte was? „Schlumm, das ist eine Arbeitsschürze von Bauersfrauen“, erklärt sie. Unter de Schlumm trägt sie einen rosa Rolli und darüber noch eine lila Schürze. An den Füßen stecken Klumpen, „die total bequem sind“. Kennt sie diese doch vom Klumpen tanzen bei den Matthias-Schützen. Und auf dem Kopf schützt ein Tuch die Haare von Irmgard Thoenes, die im wirklichen Leben zunächst Fleischereifachverkäuferin gelernt hat und seit ihrer Hochzeit Bauersfrau in Schlibeck ist.

Nie unter der Gürtellinie, aber immer lustig und in Platt

Beide Tratschtanten kommen vom Bauernhof, Irmgard, eine geborene Foehles, ist in Vinkrath-Vorst aufgewachsen und Cousine Brigitte, geborene Quinders, in Grefrath. Sie arbeitet als Rechtsanwaltsgehilfin. Und damit das Gepräch in der geräumigen Küche von Irmgard Thoenes weiter Fahrt aufnehmen kann, kommt „ein leckerer selbst gemachter Hollunderaufgesetzter“ auf den Tisch – „nur ein Gläschen“. Vorglühen, um dann auf der Bühne aufzudrehen, geht das so bei den Tratschtanten? „Wir sind immer zurechnungsfähig“, betont Brigitte Thoenes. Und später kommt noch dazu „nie unterhalb der Gürtellinie und nie andere schlecht machen“.

Aber immer lustig und natürlich auf Grefrather Platt. Die Mundart ist den beiden in die Wiege gelegt worden. Was später in der Schule nicht förderlich war, wie Irmgard Thoenes als Schülerin feststellen musste. „Aber Onkel Karl hat immer darauf geachtet, dass wir auch Hochdeutsch sprechen“, wirft Brigitte Thoenes ein. Onkel Karl (Quinders) war Grundschullehrer in Kempen an der Wiesenstraße und wusste, wo’s schulisch lang ging. Im Gespräch mit den beiden Damen Thoenes, geht es munter zwischen  ihnen hin und her. „Wir verstehen uns blind.“ (Irmgard Thoenes) „Wenn einmal einer das Stichwort vergessen hat, oder was anderes sagt, weiß der andere sofort, wie es weiter gehen muss.“ (Brigitte Thoenes). „Wir ähneln uns sehr.“ „Wir sind wie Geschwister aufgewachsen. „Wir sind im gleichen Jahr geboren.“ „Und haben im gleichen Jahr geheiratet.“ „Ich habe vier Kinder und du zwei. Da unterscheiden wir uns“, sagt Irmgard Thoenes.

Notizen aus Erlebtem und Gehörtem landen im Schuhkarton

Und was ist mit Hobbys? „Wir begleiten die unserer Männer. Und wir haben den Karneval“, sagt Irmgard Thoenes, die dann „Urlaub“ von ihren heimischen Pflichten erhält. Der andere Urlaub, den 56-Jährigen genießen, ist die jährliche Tour mit den Landfrauen, deren Vorsitzende Irmgard Thoenes ist. Da schauen und hören die Beiden nämlich genau hin, ob sich was Lustiges oder Komisches ergibt, das sie für ihre jecken Auftritte ausschlachten können. Genauso sind die Ohren gespitzt bei jedwedem Treffen von Familien und Freunden aber auch den katholischen Frauen (kfd)  die die  karnevalistischen Nachmittage organisieren. „Alle sind schon immer in Habacht-Stellung“, sagt Brigitte Thoenes. Fällt was Interessantes ab, landet dies in einem Schuhkarton, um Anfang des Jahres hervorgeholt und zu einem Sketchprogramm – auch mit Musik  – verarbeitet zu werden. Die Cousinen arbeiten abwechselnd. Und das schon seit etwa 25 Jahren. In diesem Jahr ist Brigitte Thoenes mit Schreiben dran. Das Motto der diesjährigen Veranstaltungen: „Himmlisch schön und teuflisch gut“. Text auswendig lernen gibt es aber nicht. Irmgard Thoenes: „Ich merke mir Stichworte und dann geht es los.“

Vorlagen bieten aber auch die angetrauten Männer. „Die sind gewohnt, dass wir sie durch den Kakao ziehen.“  Mit einem Beispiel kann Irmgard Thoenes aushelfen. Ihr Mann und ein Freund hatten einen feucht-fröhlichen Abend. Beide wollten danach noch nach einer kalbenden Kuh schauen. „Als ich am Stall vorbeikam, sah ich die Zwei hinter der Kuh in Stroh liegen. Mein Mann hatte den Arm in der Kuh, um zu sehen, wie weit die Geburt ist. Da habe ich zu den Beiden nur gesagt: ,Ihr müsst nicht im Stroh liegen, ihr könnt auch ins Bett gehen. Das Kalb liegt dort in der Ecke.’“ Mit dieser Geschichte hätten sie viele Lacher gehabt. „Unsere Zuschauer kennen das Landleben“, wirft Brigitte Thoenes ein.

Aber auch eigene Missgeschicke werden bei den Karnevalsterminen präsentiert. Tratschtante Irmgard erinnert sich an viele Lacher über eines ihrer Malheure. „Beim Melken habe einen Haufen Kuhscheiße auf die Haare bekommen. Und  geschrien. Da ist mein Sohn gekommen und hat mir mit einem gebrauchten Eutertuch über die Haare gewischt und dann auch noch mit der Euterdusche nachgeholfen...“

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