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Grefrath: Politiker stimmen für den Erhalt des alten Rathausgebäudes

Grefrath: Im Haupt- und Finanzausschuss stimmen die Mitglieder für den Erhalt des alten Rathausgebäudes - Bürgermeister Schumeckers stellt das Projekt vor : Eine „Kommunale Insel“ für Grefrath?

Im Haupt- und Finanzausschuss stimmen die Mitglieder für den Erhalt des alten Grefrather Rathausgebäudes. Bürgermeister Stefan Schumeckers stellt das Projekt vor.

„So weit, wie wir heute gekommen sind, waren wir noch nie“, stellt Bürgermeister Stefan Schumeckers am Ende von Tagesordnungspunkt 15 fest. Denn die Mitglieder des Grefrather Haupt- und Finanzausschusses (HuF) sind in der Aula der Sekundarschule den ersten Schritt in Richtung neues Rathaus gegangen und haben beschlossen: „Der Bürgermeister wird beauftragt, die Planungen für die Zusammenführung der drei Verwaltungsfachbereiche einschließlich der Stabsstellen am Standort in Grefrath unter Einbeziehung und Erhalt des historischen Hauptgebäudes im Ortsteil Grefrath voranzutreiben.“

Zuvor hatte Schumeckers mit einer Präsentation das Projekt Rathaus vorgestellt und zur Diskussion gestellt. Der CDU-Mann hatte bereits in seinem Wahlkampf 2020 eine Rathaus-Lösung mit dem Hauptgebäude propagiert. Nun folgt eine erste Zusammenfassung vom Bestand, der Ausgangssituation und dem Ziel. Dass das alte Gebäude, aber auch die Anbauten, dringend saniert werden müssen, verdeutlicht Schumeckers mit Bildern und Worten. So ist die Heizung derart verrostet, dass sie beispielsweise in seinem Amtszimmer nicht mehr repariert werden kann, ohne alles unter Wasser zu setzen. Im Winter konnten Eisblumen besichtigt werden. Wasser aus den Leitungen ähnelt teilweise „Kaffee, der gut abgestanden ist“. In Besucherbereichen sind Waschbecken zu finden. Moderne, zeitgemäße Arbeit ist weder für die Verwaltung noch für die politischen Gremien möglich; Brandschutz und Hygiene unzumutbar, so das Fazit. Und: „Wären wir in der freien Marktwirtschaft, hätte man uns längst geschlossen.“

Das könnte sich mit einer Sanierung des Gebäudes mit dem markanten gelben Anstrich ändern. Ihm zur Seite würde ein Neubaukomplex gestellt. Eine ansprechende Grafik, wie so ein Komplex aussehen könnte, hat der Architekt Schumeckers als Appetithäppchen beigefügt. Er betont, dass nicht beabsichtigt ist, Oedt sein Rathaus wegzunehmen. „Das Gebäude soll weiter der Öffentlichkeit dienen“, so der Bürgermeister.

Im Gespräch sind Heimatmuseum, „Älter werden“, aber auch Anlaufstellen für Flüchtlinge und Jugendliche. Personengruppen, „die Hemmungen haben, ein Rathaus aufzusuchen“. Zu überlegen wäre auch, das Nachbargebäude mit der Tafel abzustoßen. Schumeckers: „Das ist baurechtlich eine Katastrophe und kostet Geld.“ Natürlich werde man die Tafel nicht ohne Perspektive einfach ausquartieren.

Die Vorteile, die aktuell dezentrale Verwaltung an einem Standort zusammen zu ziehen, sind, so Schumeckers, beträchtlich: kurze Wege, keine doppelten Strukturen wie Telefonanlage, Server, Drucker, kein Grundstückskauf, keine Bebauungsplanänderung, Erhalt und Ausbau der Grünflächen. Auch Polizei und Ordnungsdienst könnten im Rathaus angesiedelt werden. „Kommunale Insel“ nennt er das Dreieck Rathaus, Feuerwehr und Jugendzentrum. Ein Querverbund zur Feuerwehr mit Datensicherung und Notstrom sei möglich. Zudem zögen Wehr und Jungendzentrum Menschen an und ein ansprechendes Rathaus sei eine gute Visitenkarte für die Gemeinde.

„Variabel“ lautet das Stichwort, wenn es um die Innengestaltung sowie die Arbeitszeiten geht. Weniger Einzelzimmer, dafür Räume, die vergrößert und verkleinert werden können. Und die auch von den Fraktionen für Beratungen genutzt werden können. Von Besprechungsinseln ist die Rede, die die Verkehrsflächen mit einbeziehen. Also keine langen Flure mit Türen rechts und links.

Wochentags von 6 bis 21 Uhr und samstags von 6 bis 13 Uhr, so könnte gearbeitet werden. Das gebe Eltern die Gelegenheit, flexibel auf die Betreuungszeiten ihrer Kinder zu reagieren. Die Pandemie habe gezeigt, dass auch Homeoffice eine durchaus praktikable Lösung für den Alltag ist. So könnte Büroequipment von mehreren Mitarbeitern versetzt genutzt werden. Das verspreche Einsparungen, wie auch die Digitalisierung der Archive, des Papiers. Die Vorhaltung von Archivräumen sei um ein vielfaches teurer, selbst wenn man die Digitalisierung von alten Dokumenten in die Hände von Fachleuten gebe. Ganz zu schwiegen vom schnelleren Zugriff auf einzelne Vorgänge, so der Bürgermeister. Barrierefreiheit, höhenverstellbare Schreibtische, Beleuchtung und vieles mehr könnten für die Zufriedenheit der Mitarbeiter sorgen, wie auch Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Zufriedene Mitarbeiter sind wichtig, so Schumeckers. Aber auch, sie zu halten, beziehungsweise zu finden, sei für eine kleine Gemeinde schwer. „Wenn die Leute nach Kempen gehen, bekommen sie direkt eine Gehaltsstufe mehr“, verdeutlicht Schumeckers das Dilemma.

Dadurch, dass man am Standort bliebe, könnte die Grünfläche am und rund ums Rathaus in eigener Regie erhalten und gestaltet werden.

Nach der Entscheidung für den Standort können erste Schritte unternommen werden. Schumeckers rechnet damit, dass Ende 2022 ein Bebauungsplan erstellt werden kann. In 2023 kann die Bauphase beginnen, 2024 die Fertigstellung sein. Logischerweise können die Mitarbeiter während der Bauphase nicht vor Ort bleiben. Sie müssen umziehen. Als Alternative sind Container oder Räume in der benachbarten Firma Draftex im Gespräch.

Vorsichtig überschlagen stehen für das Vorhaben 8,2 Millionen im Raum. Für 2020 waren in den Haushalt 50 000 Euro eingestellt, die noch nicht angefasst wurden, für 2021 sind es 80 000 Euro, für 2022 3,5 Millionen und für 2023 4,5 Millionen Euro. 

Alle Fraktionen begrüßen das Vorhaben. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Bedronka bedauert, dass sich ein Rathaus-Umzug nach Johnson Controls nicht habe verwirklichen können. Zudem hätte er noch ausgerechnet, wie hoch die Kosten wären, wenn es auf der gegenüberliegenden Seite des Rathauses einen Neubau geben würde und das jetzige Rathausareal verkauft würde. Das sei deutlich teurer, meint Schumeckers. Zusätzlich sprach sich Bedronka dafür aus, den Betrag von 8,2 Millionen zu deckeln.

Mit diesem Wunsch bleibt er alleine. Manfred Wolfers junior und Wilma Hübecker (beide CDU), sind der Meinung, dass es dafür noch zu früh sei, da niemand wisse, was schlussendlich für Bedarfe entstehen. Eine Deckelung könne zu einem späteren Zeitpunkt beschlossen werden. CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Kappenhagen: „Wir planen einen bescheidenen Bau, keinen Leuchtturm.“ Roland Angenvoort (SPD) befürchtet, dass ein Bau im alten Bestand noch nicht abzusehende Folgekosten nach sich ziehen könnte. Stefanie Jahrke (FDP) betont, dass es zum jetzigen Zeitpunkt nur um den Standort geht. Und für diesen entschieden sich – bis auf Bernd Bedronka (Nein-Stimme) und Roland Angenvoort (Enthaltung) alle anderen Ausschussmitglieder.