Betreuung in den Kitas an der Grenze des Belastbaren

Betreuung in den Kitas an der Grenze des Belastbaren

Zum Sommer stehen rechnerisch genug Plätze zur Verfügung. Unsicher ist noch, ob auch ausreichend Personal da ist.

Kempen. Es ist knapp, doch es könnte klappen, dass alle Kinder, die ab dem Sommer einen Kita-Platz benötigen, auch einen bekommen. Am Montagabend stellte das Jugendamt die aktuellen Zahlen zum Kindergartenentwicklungsplan im Jugendhilfeausschuss vor. Laut den Planungen werden in verschiedenen bestehenden Kindergärten die Gruppen aufgestockt. Dazu wird das Angebot von Tagesmüttern und -vätern ausgebaut. Im Herbst hatte das Jugendamt Alarm geschlagen, weil neun Gruppen — also Plätze für 180 Kinder — zu fehlen drohten.

Besonders groß ist die Unterdeckung im Kempener Süden. Dort haben rechnerisch 32 Kinder unter drei Jahren keinen Kita-Platz. Im Kempener Norden sind es elf Kinder. Dies kann jedoch durch freie Plätze in der Kindertagespflege in St. Hubert und in Tönisberg aufgefangen werden, so dass laut Rechnung nur ein Kind ohne Platz bleiben würde.

Um das Ziel zu erreichen, müssen die Kinder in einigen Einrichtungen allerdings zusammenrücken. 24 Kinder werden durch Überbelegungen in den Kitas aufgenommen. Angebaut wird ab April eine weitere Kita-Gruppe im Spatzennest. Auch in den Kitas Schlösschen in Tönisberg und Tabaluga in St. Hubert wird aufgestockt. Ohne das angebaut wird, werden zusätzliche Plätze in den Kitas Mullewapp und Regenbogen eingerichtet. Die katholische Kita Hermann-Josef erhält eine halbe Gruppe dazu und hat dann dreieinhalb Gruppen. Dort wird man also mit beengten Verhältnissen rechnen müssen. Insgesamt seien sechseinhalb Gruppen improvisiert, so Jugendamtsleiterin Heike Badberg. „Wir geraten absolut an unsere Grenzen.“

In der Johannes-Hubertus-Schule werden, wie berichtet, zwei Großtagespflegestellen eingerichtet. Der Plan, dort eine Übergangs-Kita zu realisieren, war laut Dezernent Michael Klee auch am Widerstand der Eltern gescheitert. Laut Verwaltungsvorlage hatten zirka 50 Eltern ihren Unmut darüber kundgetan.

Nicole Drese-Hampe vom Jugendamt schilderte noch einmal die Aufnahmekriterien, weil diese vielen Eltern nicht klar seien. Zuerst sei die Frage des Hauptwohnsitzes entscheidend — Kempener haben Vorrang — dann das Alter. Kinder über drei Jahren werden in den Kitas vorgezogen. Jüngere Kinder werden bevorzugt in der Tagespflege betreut. Auch soziale Faktoren, wie Geschwister oder alleinerziehende Eltern, spielen eine Rolle.

Für die Zukunft sieht Drese-Hampe noch einige Schwierigkeiten auf die Stadt zukommen. Räumlich stoße man bald an Grenzen. Die vielen Kinder unter drei Jahren, die nun in die Kitas kämen, wachsen hoch und bleiben länger in den Einrichtungen. Ein weiteres Problem sei das chaotische Anmeldeverfahren. Die Eltern melden sich oft in unterschiedlichen Kitas, teils mit unterschiedlichen Angaben zum Erstwunsch, an. Das Eintragen per Hand sei fehleranfällig. Ein zentrales Anmeldesystem würde Erleichterung bringen.

Auf eine weitere Unsicherheit machte Michael Klee aufmerksam: „Wir haben noch nicht alle Personen Bord.“ Erst nachdem der Haushalt verabschiedet ist, würden weitere Stellen ausgeschrieben. Aber der Arbeitsmarkt ist in diesem Bereich leer.

Die Betreuungsquote bei den Kindern unter drei Jahren liegt damit bereits bei über 50 Prozent, bei den Kindern über drei Jahren bei 100 Prozent. Und der Trend ist klar: Der Bedarf wird weiter steigen.

Die CDU lobte den Weg, machte aber auch deutlich, dass es weitergehen muss. So sollten weiterhin externe Träger angesprochen werden, so Bettina Ortmann (CDU).

Mehr von Westdeutsche Zeitung