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Seit 1967 wird mit Sand aus Vorst gebaut

Seit 1967 wird mit Sand aus Vorst gebaut

Die Holcim Beton und Zuschlagstoffe GmbH mit Sitz in Wuppertal betreibt ein Kieswerk zwischen Butzenstraße und Graverdyk.

Vorst. Nicht nur im Rheinischen Revier, in China, Australien oder in Brasilien gibt es Bodenschätze. Auch in Vorst werden sie gefördert. Und das in Form von Sand und Kies bereits seit rund 50 Jahren. 1967 erhielt die Firma Christian Wild vom Oberkreisdirektor die wasserrechtliche Erlaubnis zur Erschließung von Kiessand. Diverse verschiedene Firmennamen lernten die Vorster im Laufe der Zeit kennen. Heute betreibt die Holcim Beton und Zuschlagstoffe GmbH das Kieswerk zwischen Butzenstraße und Graverdyk.

Foto: Holcim Beton und Zuschlagstoffe GmbH

Die in Wuppertal ansässige Firma gehört zur Hamburger Holcim Deutschland GmbH, hinter der wiederum der weltweit führende Baustoffkonzern LafargeHolcim Ltd mit Sitz in der Schweiz steht. Das Unternehmen beschäftigt rund um den Globus etwa 90 000 Mitarbeiter (siehe Info-Kasten). Eine verhältnismäßig kleine Belegschaft ist in Vorst tätig: Gerade einmal acht Menschen haben dort einen festen Arbeitsplatz plus Werksleiter Stefan Lubjuhn, der auch für das Kieswerk in Stenden zuständig ist.

„Hinzu kommen aber noch die Kollegen des Betonwerkes am selben Standort sowie die Mitarbeiter externer Zulieferer wie Speditionen und Ingenieurbüros“, sagt Andreas Richter, Holcim-Projektleiter für Lagerstätten, Genehmigungen und Umweltschutz in Wuppertal. Auch Schlosser und Elektriker werden hinzugezogen, beispielsweise für die Wartungsarbeiten in den Wintermonaten. „Etwa 50 bis 60 Menschen sind mit dem Standort befasst.“

Dazu zählen auch Fachleute, die sich um das Thema Umwelt- und Artenschutz kümmern und die Flächen bei den zuständigen Behörden zur Abbaufreigabe einreichen. Schließlich sollen Kröten, Wiesenbrüter, Uferschwalben und andere Tiere möglichst nicht gestört werden.

Ob für den Haus- oder Straßenbau, zur Dachziegel- oder Fliesenherstellung — Sand und Kies werden für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche benötigt. Die Jüngsten kommen mit den Rohstoffen spielerisch in Kontakt, werden mit diesen doch Sandkästen aufgefüllt sowie Rutsch- und Schaukel-Areale ausgestattet. In Tönisvorst leistet Holcim seit Jahren Sachspenden für alle städtischen Spielplätze, zuletzt auf der Fläche „Am Dommeshof“.

Hauptabnehmer der „Gesteinskörnungen“ in verschiedenen Größen sind neben Kommunen Betonhersteller und Bauunternehmen. „Aufgrund der aktuell guten Konjunktur verlässt das Material quasi augenblicklich den Standort.“ Der Lieferradius von Vorst aus liegt bei etwa 40 Kilometern. Sehr wahrscheinlich also, dass tausende Menschen im Umland in einem Gebäude wohnen, das mit Sand und Kies vom Graverdyk errichtet wurde.

Gefördert wird zwar auch oberhalb der Grundwasseroberfläche (per Radlader), das meiste Material liegt aber unter Wasser, wo ein „Seilgreifer“ zum Einsatz kommt. Moderne GPS-Technik hilft bei der Orientierung. Im Jahr werden bis zu 400 000 Tonnen abgebaut. So entsteht ein immer größer werdender See. Abraummaterial wird dazu verwendet, Flachwasser-Zonen zu schaffen. „Diese sind ökologisch besonders wertvoll“, sagt Richter.