Kunstrasen und Laufbahn für Tönisberg, immer noch keine Lösung für St. Hubert

Kunstrasen und Laufbahn für Tönisberg, immer noch keine Lösung für St. Hubert

Der VfL Tönisberg bekommt Kunstrasen und Laufbahn. Das beschloss der Sportausschuss. TuS und FC St. Hubert müssen ausharren.

Kempen. Am Ende der Sportausschuss-Sitzung am Dienstagabend gab es nur verhaltenden Applaus von den Mitgliedern des VfL Tönisberg, die als Zuhörer im Ratssaal waren. Dabei hatten sie allen Grund zur Freude. Der Fachausschuss beschloss einstimmig, dass der Aschenplatz an der Schaephuysener Straße zum Kunstrasen umgebaut wird. Und auch, dass eine neue Tartanbahn für die Leichtathleten gebaut wird. Für rund 1,35 Millionen wollen Politik und Verwaltung in Tönisberg die große Lösung umsetzen. Wenn alles nach Plan läuft, könnte schon im Herbst 2019 auf der neuen Anlage trainiert und gespielt werden, so Dezernent Michael Klee.

Verständlicherweise gar keinen Applaus gab es von den Vertreten des TuS und FC St. Hubert. Im Gegenteil: Die Fußballer sind sauer. Wie zu erwarten, müssen sie weiter ausharren. Politik und Verwaltung konnten bislang keine alternative Lösung zum vorerst auf Eis liegenden Plan finden, an der Tönisberger Straße eine neue Sportanlage zu bauen.

Nach zahlreichen Wortbeiträgen der Gäste nahm Dezernent Klee in einer turbulenten Sitzung vor rund 200 Besuchern Stellung zur Vorlage der Verwaltung. Zunächst dazu, warum das eigentlich priorisierte St. Hubert weiter warten muss. Der Eigentümer der Fläche an der Tönisberger Straße wolle nur an die Stadt verkaufen, wenn er im Gegenzug Flächen im geplanten Baugebiet „Auf dem Zanger“ bekommt. Dies sei derzeit nicht zu regeln, weil das Gebiet noch nicht final beschlossen sei.

„Ein anderes Grundstück gibt es in St. Hubert nicht“, sagte Klee. „Da kann ich schreien, wie ich will. Und wir können uns quälen, wie wir wollen. Es ist derzeit nichts auf dem Markt.“ Es handele sich um eine „tatsächliche Unmöglichkeit“, weshalb er der Politik nicht empfehlen könne und dürfe, „irgendwo eine Fläche zu entwickeln“, so der Dezernent: „Bringen Sie uns ein Grundstück und wir legen sofort los“, rief er den anwesenden St. Hubertern zu.

Eine Absage erteilte Klee den Forderungen, den bestehenden Aschenplatz „An Eulen“ in einen Kunstrasen umzuwandeln: „An Eulen ist nicht mehr zu halten. Diese Fläche können wir nicht mehr entwickeln.“ Aus Gründen des Lärmschutzes — der Jahrzehnte alte Platz liegt mitten in einem Wohngebiet — sei eine Neuplanung zwecklos. Das hätten vier Gutachten bestätigt. „Nur ein Beispiel: Durch einen Kunstrasen sollen sich die Nutzungszeiten erhöhen. Das bekommen wir da nicht durch“, so Klee.

„Ich kann den Frust der St. Huberter verstehen. Das ist bitter“, entgegnete Klee den Fußballern, die nach eigenen Angaben seit knapp 30 Jahren auf einen neuen Platz warten. Es sei aber keineswegs so, dass das St. Huberter Projekt gestorben ist. Klee versicherte der Politik und den Besuchern, dass das Thema Priorität habe und mit Hochdruck gearbeitet werde. Trotz des im Oktober gefassten Beschlusses, dass St. Hubert Vorrang vor Tönisberg habe, hält Klee die Abkehr davon für schlüssig. „Wir haben in Tönisberg beste Voraussetzungen, dort jetzt loszulegen“, so Klee. Es sei keine absichtliche Benachteiligung von St. Hubert: „Wir haben das doch nicht im Oktober in den Beschluss hinein geschrieben, um jetzt Ätschi-Bätschi zu sagen.“

Die CDU tat sich schwer mit dem Thema. Michael Smeets beantragte mit Blick auf die Tönisberger Entscheidung zunächst eine Vertagung in den Haupt- und Finanzausschuss, weil noch nicht alle Fakten auf dem Tisch lägen — zum Beispiel die Zahl der aktiven Leichtathleten. Als Bernd Lommetz (FDP) diese präsentierte (68) und sich die Liberalen wie alle anderen für die Lösung „Platz und Laufbahn“ aussprachen, zog die CDU den Antrag zurück und stimmte letztlich für die große Lösung.

Smeets forderte aber, dass St. Hubert nicht vergessen werden darf. Er wollte eine Sondersitzung des Ausschusses im April, in der alle für St. Hubert relevanten Fakten diskutiert werden. „Dann können Sie uns ja auch mal diese vier Gutachten zum Platz An Eulen präsentieren“, sagte Smeets in Richtung von Michael Klee. Der Sondersitzung erteilte der Dezernent eine Absage, versicherte aber, das Thema auf die Tagesordnung des regulären Termins am 14. Juni zu setzen.

Für die SPD betonte Stefan Kiwitz, dass die Entscheidung pro Tönisberg, keine contra St. Hubert sei. Es bestehe kein Zweifel daran, dass in St. Hubert etwas Neues entwickelt werden muss. Die SPD stehe zum Beschluss von Oktober.

Das bestätigte auch Günter Solecki (Die Linke), der im Ausschuss kein Stimmrecht hat. Die Verwaltung habe das Thema „An Eulen“ über Jahrzehnte „trottelig“ nicht angepackt. „Nun müssen wir uns das anhören“, so Solecki. Für den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung kündigte er an, Details zu den Grundstücksverhandlungen an der Tönisberger Straße einzufordern.

Ein klares Ja zur Entwicklung in Tönisberg gab es von Joachim Straeten (Die Grünen). Für St. Hubert brachte er an der Tönisberger Straße eine Teillösung ins Spiel. Da es zwei Eigentümer gebe, könne man vielleicht auf einer Fläche loslegen. Klee erwiderte, dass einer der Eigentümer der Kreis Viersen sei. In diese Richtung sei auch alles klar. Eine weitere notwendige Teilfläche vom anderen Eigentümer zu bekommen, sei aber aus „steuerlichen Gründen“ nicht machbar.

Für die Freien Wähler Kempen (FWK) machte Arbi Davood Megerdich deutlich, dass die Entwicklung in St. Hubert „Priorität hoch drei“ haben müsse: „Ich kann die Verwaltung nur bitten, an diesem Thema dranzubleiben.“

Zur Sprache kamen in der Debatte auch die „unhaltbaren Zustände“ (TuS-Geschäftsführer Volker Müllers junior) in Sachen Umkleiden und Toiletten am St. Huberter Rasenplatz an der Stendener Straße. Dort nutzen TuS und FC seit Jahrzehnten die Umkleiden der Turnhalle und die Toiletten der Grundschule. „Nun ist doch klar, dass an der Stendener Straße kein zweiter Platz kommen wird. Und es ist klar, dass An Eulen nichts passieren wird. Dann geben Sie doch bitte mal Geld aus, damit wir an der Stendener Straße vernünftige Bedingungen bekommen“, so Müllers junior. Klee sicherte zu, dass „wir uns das anschauen“. Möglicherweise gibt es in der Juni-Sitzung mehr Informationen dazu.

Mehr von Westdeutsche Zeitung