Fehlende OGS-Plätze: Eltern in Not

Fehlende OGS-Plätze: Eltern in Not

An der Grundschule Venn gibt es rund 80 Betreuungsplätze zuwenig. Vor allem Alleinerziehende bringt das in Existenznöte. Eltern haben sich an Stadt und Politiker gewendet. Doch bisher wurde ihnen wenig Hoffnung gemacht.

Wenn Kira Wilden (6) nach den Sommerferien eingeschult wird, verliert ihre Mama möglicherweise den Job. Denn an der katholischen Grundschule Venn, wo das Mädchen angemeldet ist, fehlen Nachmittagsbetreuungsplätze. Auf einen solchen hatte die alleinerziehende Mutter Sabine Wilden aber gesetzt. Sie ist Krankenschwester und konnte bisher Familie und Arbeit gut miteinander vereinbaren. Kira war bis nachmittags in der Kita, und Sabine Wildens Arbeitgeber hatte, um die ausgebildete Fachkraft zu halten, extra für sie eine Tag-Schicht eingeführt. Jetzt kommt die sechsjährige Kira in die Grundschule und hat dreimal in der Woche um 11.15 Uhr Unterrichtsschluss. Das ist auch nicht mehr mit der Sonder-Tagesschicht vereinbar.

79 Kinder stehen derzeit an der Grundschule auf einer Warteliste. Dort gibt es zwei Betreuungsformen: die Offene Ganztagsschule (OGS) mit Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung sowie die Betreuung bis 14 Uhr ohne Essen und Hausaufgabenhilfe. Weil der Bedarf so groß ist, wurden schon im Schuljahr 2011/12 die Plätze in den drei OGS-Gruppen aufgestockt. Statt 25 Kindern werden nun 30 Kinder pro Gruppe betreut. Im Oktober 2017 soll die Schulleitung bereits der Stadt mitgeteilt haben, dass 79 Prozent der neuangemeldeten Kinder nicht mit Betreuungsplatz bedient werden können.

Die Eltern haben sich an den Oberbürgermeister, ans Bürgerbüro und an verschiedene Politiker gewendet. Von der Schule war nämlich der Vorschlag gekommen, auf dem Grundstück Container für weitere OGS-Gruppen aufzubauen.

Doch bislang wurden die Eltern nur vertröstet. „Wir sollen die Ratssitzung im Mai abwarten, heißt es. Gleichzeitig wurde uns geraten, nach einer anderen Betreuungsmöglichkeit zu suchen. Man wisse ja nicht, ob überhaupt ein OGS-Ausbau beschlossen wird. Und wenn ja, sei unbestimmt, wann er erfolge“, sagt Sabine Burkhardt. Sie hatte ihren sechsjährigen Sohn Jan für eine Übermittag-Betreuung angemeldet und eine Absage bekommen. Sie arbeitet 20 Stunden, vier Tage die Woche, in Düsseldorf. „Ich bin dankbar, dass ich diesen Job habe. Aber nur zwei Stunden am Tag zu arbeiten, damit ich meinen Sohn rechtzeitig von der Schule abholen kann, das würde mein Arbeitgeber nicht mitmachen. Und das kann ich auch verstehen“, sagt sie.

Sabine Burkhardt findet es gut und richtig, dass es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gibt. „Aber wenn die Kinder zur Schule gehen, fällt man in ein Betreuungsloch.“ Verwandte möchte die Mutter nur in Ausnahmesituationen für die Betreuung ihrer Kinder in Anspruch nehmen. „Man kann nicht permanent darauf bauen, dass die Familie für einen einspringt.“ Das sieht Gisela Schallenberger genauso. Sie arbeitet bislang 20 Stunden als Verwaltungsangestellte. Eigentlich wollte ihr Arbeitgeber die Stundenzahl aufstocken. Doch das geht jetzt nicht. Denn auch ihre Tochter wird wohl keinen OGS-Platz bekommen.

Was keiner versteht: „Politiker reden immer von besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber hier wird nichts gemacht.“ Die Eltern wollen sich an den Beschwerdeausschuss wenden, und sie sammeln gerade Unterschriften.

Gert Fischer, Dezernent für Bildung, Sport und Kultur, kennt die Probleme an der Grundschule Venn, wie er selbst sagt. „Wir sind in Gesprächen mit der Schule, und die OGS-Situation wird auch im nächsten Schulausschuss in der übernächsten Woche ein Thema sein“, sagt er. Ein OGS-Rahmenkonzept gibt es wohl schon. Dort sind auch die Schulen aufgeführt, wo Betreuungsplätze fehlen. Venn gehört dazu, andere Standorte ebenfalls. Jetzt hängt es davon ab, wie schnell mögliche Ausbauten umgesetzt werden können.

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