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Sonja Pommeranz tritt die Nachfolge von Markus Schön als Jugendamtsleiterin an.

Interview : Sonja Pommeranz ist neue Jugendamtsleiterin in Krefeld

Die neue Jugendamtsleiterin kennt sich im Rathaus aus. Bisher Stellvertreterin, tritt Sonja Pommeranz die Schön-Nachfolge an.

Nach 21 Jahren bei der Stadtverwaltung Krefeld ist Sonja Pommeranz in Raum A375 angekommen. Die 41-Jährige sitzt am Konferenztisch in ihrem neuen Büro  im Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung und sagt: „Ich bin gekommen, um zu bleiben.“ Sie tritt die Nachfolge von Markus Schön an – heute wurde ihr im Hauptausschuss die Leitung des Jugendamtes übertragen.

Frau Pommeranz, 21 Jahre und fünf verschiedene Fachbereiche. Sie haben nicht nur Ihr ganzes Berufsleben bei der Stadt Krefeld verbracht, Sie sind auch wieder genau da angekommen, wo Sie nach dem Studium angefangen haben.

Sonja Pommeranz: Nicht nur mein Berufsleben habe ich in Krefeld verbracht, ich bin auch hier geboren, aufgewachsen und lebe sehr gerne hier. Nur fürs Studium musste ich nach Düsseldorf (lacht). Ich bin damals in der Zentralstelle für Beschäftigungsförderung beruflich sozialisiert worden und habe mein Herz an die Jugendhilfe verloren.

Trotzdem sind Sie nach drei Jahren in die Kämmerei gewechselt – warum?

Pommeranz: Die Stadt hat damals ein neues Buchhaltungssystem eingeführt, ich hatte ein betriebswirtschaftliches Studium, der Job hat mich gereizt. Ich mag es, Neues aufzubauen und bin Neugierig auf Herausforderungen.

Welche Eigenschaften bringen Sie mit, um Herausforderungen zu meistern?

Pommeranz: Ich bin zielorientiert, dabei aber ruhig und besonnen. Außerdem sagt man mir Verbindlichkeit und Verlässlichkeit nach – das ist mir wichtig. Auch wenn ich sehr sachlich wirke, kann man mit mir aber auch lachen.

2015 wurden Sie Stellvertreterin des damaligen Jugendamtsleiters Gerhard Ackermann, im selben Jahr erreichte die Flüchtlingswelle Krefeld – darunter auch viele unbegleitete Minderjährige. Das war sicher auch eine Herausforderung.

Pommeranz: Im Herbst kamen busseweise junge Flüchtlinge aus Dortmund bei uns an. Wir konnten sie nicht einfach in eine Turnhalle stecken, sondern mussten sie nach Jugendhilfestandards, dazu gehört auch eine sozialpädagogische Betreuung, unterbringen. Das war schon eine große Herausforderung und eine spannende Zeit. Für mich als Sportlerin, ich spiele Handball, war es aber auch schön zu sehen, dass alle als Team zusammen an einem Strang gezogen haben, um das möglich zu machen. Mit den Jugendhilfeträgern haben wir die Unterbringung und Betreuung auf die Beine gestellt. Heute leben noch rund 150 unbegleitete Geflüchtete hier. Die bislang größte Herausforderung war aber für mich, als mein Chef schwer erkrankte und ich nach neun Monaten als Stellvertreterin im Juni 2016 plötzlich seine Vertretung übernehmen musste.

Das heißt auch, dass der Job der Jugendamtsleitung für Sie nicht ganz neu ist.

Pommeranz: Durch meine Erfahrung und das Wissen, die ich in den vergangenen drei Jahren sammeln konnte, glaube ich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für mich ist, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Ich mag es, Dinge für meine Stadt zu gestalten. Und was gibt es schöneres, als das für Krefelds Kinder und Jugendliche zu tun? Sie sollen in Krefeld gut aufwachsen können. Ich hatte hier selbst eine schöne Kindheit, und möchte etwas zurückgeben.

Wo möchten Sie Schwerpunkte Ihrer Arbeit setzen, um das möglich zu machen?

Pommeranz: Jedes vierte Kind in Krefeld lebt in Armut. In Krefeld gibt es bereits eine breite Landschaft engagierter Träger, die Beratung und Unterstützung anbieten. Wir müssen diese Angebote aber künftig noch besser vernetzen. Die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule muss weiter ausgebaut werden – im Offenen Ganztag, bei der Inklusion und in der Schulsozialarbeit gibt es Anknüpfungspunkte, um Kinder möglichst früh zu erreichen. Einen weiteren Schwerpunk möchte ich bei jungen Familien mit Unterstützungsbedarf setzen. In Krefeld gibt es viele Alleinerziehende und in diesem Zusammenhang auch eine hohe Quote bei der Arbeitslosigkeit von Frauen. Im Beratungszentrum für junge Familien und Alleinerziehende in der Fabrik Heeder wird schon viel getan, um Betroffenen zu helfen, eine Tagesstruktur zu entwickeln, um auch berufliche Orientierung zu ermöglichen. Finanziert wird das ganze vom Jobcenter und der aus Eigenmitteln der Stadt. Es wäre schön, wenn wir die künftig aufstocken und ausbauen könnten.

Ein brennendes Thema sind in Krefeld seit Jahren die Kita-Plätze. Können Sie jungen Familien Hoffnung machen?

Pommeranz: Zum Stand 1. August fehlen in Krefeld 800 Kitaplätze für unter und über Dreijährige. Das Thema brennt. Beim Kita-Ausbau müssen wir quantitativ und qualitativ nachsteuern. Wir brauchen mehr Fachkräfte, um die Kinder zu fördern. Deshalb will die Stadt künftig mehr Erzieher und Kinderpfleger ausbilden. Dafür müssen wir aber auch geeignete Bewerber finden. Der Bedarf ist groß. Denn Krefeld ist eine wachsende Stadt, in der wieder mehr Kinder auf die Welt kommen.