Wo Wülfrath seine Stärken hat

Christian Schölzel ist Vorsitzender des Stadtverbandes der CDU. Die WZ sprach mit ihm über den Minus-Haushalt und mögliche Reaktionen darauf.

Wülfrath. Die schlechte Haushaltslage treibt natürlich auch den CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Christian Schölzel um. Fast fünf Millionen Euro beträgt derzeit das Minus. Christian Schölzel ist als Abteilungsleiter der Kreis-Kämmerei in Mettmann ein Mann der Zahlen, doch auch ein Bürger und Ratsherr Wülfraths, der sich um seine Stadt Gedanken macht. Wir sprachen mit ihm über seine Vorstellungen, was nun passieren sollte.

Christian Schölzel, CDU-Stadtverbandsvorsitzender

„Was brauchen wir, was ist uns besonders wichtig?“ Diese Fragen müssen seiner Meinung nach zuerst geklärt werden. Die Stadt habe es mit einem Einmaleffekt, dem großen Einbruch bei der Gewerbesteuer, zu tun. Nun müsse aber auch geprüft werden, wie es um ein mögliches strukturelles Defizit bestellt ist. Die Meinung von Christian Schölzel: „Es ist nicht so groß, wie es geredet wird.“ Zwar seien die Abhängigkeit von wenigen großen Gewerbesteuerzahlern als auch die begrenzten Flächen nicht von Vorteil, dennoch gebe es viele positive Aspekte, die für Wülfrath sprächen.

Gefragt sei ein klares strategisches Ziel für die Kalkstadt. „Wir können nicht an jeder Ecke alles wegsparen“, sagt der CDU-Stadtverbandsvorsitzende. Das Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann, sei Familienfreundlichkeit in all ihren Facetten. „Wo gibt es schon zentrumsnah drei städtische Grundschulen, die aufeinander abgestimmt sind?“, fragt Christian Schölzel rhetorisch. Die Eltern, Lehrer und Schüler kennen sich und es herrsche ein enges Miteinander. Er selbst stammt aus Velbert-Neviges und hat als Schüler ganz andere Erfahrungen gemacht. „Ich saß 20 Minuten im Bus und war froh, wenn ich zwei Mitschüler am Gymnasium kannte“, erinnert sich Christian Schölzel.

Im Gespräch

Klare Vorstellungen hat er auch zum Schwimmbad, der Bücherei und dem Jugendhaus, allesamt Ziele von immer wieder geäußerten Einspargedanken. Alle drei Einrichtungen gehörten als wesentliche Aspekte zur Familienfreundlichkeit. „Wir können bei der Bücherei über Öffnungszeiten reden“, sagt der CDU-Ratsherr, aber infrage stellen möchte er dieses Angebot auf keinen Fall. Genau wie die anderen. Das Niederbergische Museum rechnet Christian Schölzel ebenso zum Angebot, das der Familienfreundlichkeit dient. „Ich bin ein großer Freund des Heimatmuseums, toll, das wir so etwas haben.“ Es müsse höchstens besser vermarktet werden. Auch die Sportmöglichkeiten sieht er als Plus.

Sinnvolle Einsparpotenziale sieht der 39-Jährige im Rahmen von interkommunaler Zusammenarbeit, räumt aber gleichzeitig ein, dass dies ein mehr als mühsamer Weg ist. „Ich arbeite seit 1998 im öffentlichen Dienst, das war immer ein Thema.“ Bisher gebe es eher Beispiele, wie die Versuche misslungen sind. Etwa den gemeinsamen Bauhof mit Mettmann, der nie realisiert wurde. „In unserem Bauhof stehen teure Maschinen, die vielleicht nur ein paar Mal im Jahr eingesetzt werden. Das ist dem Bürger nicht zu vermitteln“, ist sich Christian Schölzel sicher. Die interkommunale Zusammenarbeit böte sich zum Beispiel bei Personalabrechnungen an. „Warum soll Wülfrath bei dem komplizierten Personalrecht Abrechnungen machen?“ Dies könne zentral geschehen und viele Kommunen könnten davon profitieren. Dass interkommunale Zusammenarbeit ab und zu funktioniert, belegt der CDU-Stadtverbandsvorsitzende etwa mit der Tatsache, dass das Rechnungsprüfungsamt des Kreises Mettmann auch Wülfrath prüft und die Stadt somit keine eigenen Rechnungsprüfer mehr benötigt.

Geradezu zwingend werde interkommunale Zusammenarbeit mit Blick auf den Fachkräftemangel, unter dem Verwaltungen zunehmend leiden. „Diese Situation wird sich in Zukunft noch verschärfen“, warnt Christian Schölzel.