Tennisverein serviert Dixieland zum Bier

Zum Jazz-Frühschoppen auf der Terrasse des Clubhauses von Blau-Weiß kamen viele Zuhörer.

Wülfrath. Ein schattiges Plätzchen haben sich die sechs Musiker unter der Terrasse des Tennisvereins Blau-Weiß Wülfrath ausgesucht. „Henry’s Jazzmen“ sind schon unzählige Male auf dem Gelände des Sportvereins aufgetreten, erzählt Klarinettenspieler Manfred Pluter. Das Wort Jazz spricht er eingedeutscht „Jattz“ aus. Pluter und seine Bandmitglieder — sie spielen Schlagzeug, Posaune, Banjo, Bass und Trompete — sind beim Jazz-Frühschoppen also gute Bekannte. Und genauso gemütlich wie bei alten Freunden ist es auch. Das Publikum sitzt unter dem Festzelt auf Bänken und hört urigen Dixieland.

Es gibt ein kühles Blondes, und unweit der Sitzplätze steht ein kleines Büffet mit gegrillten Leckerbissen bereit. Nach nicht mal einer halben Stunde kommen zahlreiche Nachzügler, die weitere Tische und Bänke aus dem Vereinshaus tragen müssen. Harald Möller ist Beisitzer im Vorstand des Tennisclubs und hat die Organisation für den Jazz-Frühschoppen an die Hand genommen. Er bringt wegen den ungezählten Auftritten von Henry’s Jazzmen Licht ins Dunkel: „Bis 2008 hat die Band zu Pfingsten in einem Düsseldorfer Offizierskasino gespielt“. Als der Bundeswehrstandort aufgelöst wurde, habe Dieter Kohl, ein ehemaliger Offizier, die Musiker zum Tennisclub Blau-Weiß geholt. Dieter Kohl sitzt mit seiner Ehefrau im Publikum. Er berichtet von einem Schlüsselerlebnis, das seine Vorliebe für Jazz und Dixieland ausgelöst hat: „1957 sah ich als junger Leutnant auf dem amerikanischen Übungsplatz in Baumholder doch tatsächlich Louis Armstrong auf der Bühne. Er hatte für die amerikanischen Soldaten, die in Rheinland-Pfalz stationiert waren, ein Konzert gegeben“.

Mit seiner Ehefrau lauscht Dieter Kohl — inzwischen sind sie Wülfrather — mittlerweile jedes Jahr dem Jazz-Frühschoppen am Pfingstmontag. Stammgast ist auch Günther Etz aus Wuppertal: „Meine Kinder sind hier im Tennisclub aktiv“, erzählt der Rentner. Regelmäßig fahre er nach Düsseldorf zum Aachener Platz. Wenn es dort Trödelmärkte gebe, höre Etz gerne den Musikern zu, die dort ihre kleinen Konzerte abhalten. Der Wuppertaler hat wie die Band hier auf dem Vereinsgelände eine klare Präferenz: „Mit modernem Jazz habe ich nichts am Hut, mit Dixieland umso mehr“. Henry’s Jazzmen tragen derweil das Stück „Wochenend‘ und Sonnenschein“ vor. Manfred Pluter singt: „Mehr brauche ich nicht zum glücklich sein“ und hängt ein Klarinettensolo dran. Damit trifft er den Nerv aller Anwesenden, die gerne mitswingen.