Anwohner fühlen sich abgehängt

Die Stadt kümmere sich zu wenig um die Region Angertal, gerade nach dem Starkregen. Die Verwaltung weist die Vorwürfe zurück.

Wülfrath. Als der Starkregen vor drei Wochen auf Wülfrath niedergeprasselt ist, hatte das für die Bewohner der Flandersbacher Straße jenseits der Hausnummer 100 unangenehme Folgen. Schlammmassen wurde von den Feldern auf die Straße gespült. „Mein Pächter hat in der Nacht vier Stunden mit seinem Radlader gearbeitet, um den Schlamm von der Straße zu bekommen“, erinnert sich Anlieger Hans Wolf. An dieser Stelle gibt es nur einen Bürgersteig — und der war an dieser Stelle nunmehr zwei Wochen lang nicht begehbar.

Foto: Andreas Reiter

Das erzürnt sowohl Hans Wolf als auch seine Schwester Margret Wolf. „Die Stadt hat sich das angeschaut und das war’s“, sagt er. Bis vorgestern mussten laut Geschwister Fußgänger auf der Straße laufen, an dieser Stelle keine ungefährliche Angelegenheit. So sei zum Beispiel ein Auto einer Frau mit Kinderwagen gefährlich nah gekommen. Vor zwei schließlich wurde der Bürgersteig von der Stadt freigemacht.

„Die fahren hier zehnmal am Tag durch, anhalten tun die nie“, schimpft Hans Wolf. Das gelte auch für die Kehrmaschine. „Der Fahrer zieht hier auf der Straße die Besen hoch und kehrt dann in Flandersbach“, so der Anwohner. Den B-ürgersteig fegten die Anwohner längst selbst.

Ein weiteres Ärgernis für die Geschwister ist die Bushaltestelle gegenüber. Dort warten morgens Schulkinder auf den Bus. Vor vielen Jahren auch die von Hans Wolf. „Dort gibt es keinen Bürgersteig und nix“, sagt der Mann, der an dieser Stelle schon vor 30 Jahren zur Selbsthilfe gegriffen hat. Er hat aus Beton einen „Stehplatz“ hinter dem Baum geschaffen, damit die Kinder nicht so nah an der Straße und auch nicht im Schlamm stehen mussten.

„Dann wurde die Beleuchtung entfernt“, berichtet Hans Wolf. Das war noch zu Zeiten von Ex-Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff. Die Bitte der beiden an die Stadt, zwei Laternen stehenzulassen, wurde abgelehnt. Hans Wolf hat darauf hin selbst eine Lampe im Baum an der Bushaltestelle angebracht und ein Kabel zwischen seinem Haus und dem Baum angebracht. Seit dem gibt es dort von 7.10 bis 7.40 Uhr Licht.

Zwischendurch drohe die Stadt immer wieder, die Haltestelle zu schließen, zuletzt vor zwei Jahren. Die nächste, Vogelsmühle, sei aber 300 Meter entfernt, die in Richtung Rohdenhaus fast einen Kilometer. Insgesamt haben die Geschwister den Eindruck, dass die Stadt zu wenig für die Region Angertal unternehme.

In Sachen Straßenreinigung verweist die Verwaltung auf Anfrage auf die rechtliche Lage: „Nach Paragraf 1 der Straßenreinigungssatzung betreibt die Stadt Wülfrath die Reinigung der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen, Wege und Plätze innerhalb der geschlossenen Ortslage. Die Stadt Mettmann führt die maschinelle Straßenreinigung im Auftrag der Stadt Wülfrath durch. Der Auftrag umfasst die Reinigung nach Satzung. Die Flandersbacher Straße in Höhe von Familie Wolf liegt außerhalb der geschlossenen Ortslage und außerhalb der Straßenreinigungssatzung und wird somit nicht gereinigt.“ Die Reinigung erfolge erst wieder ab Dorfmitte Flandersbach.

Die Situation nach dem Starkregen vor drei Wochen sieht die Verwaltung anders. Am Folgetag sei die Flandersbacher Straße vom Baubetriebshof „mit Wasserzugabe gereinigt“ worden. Der Gehweg sei auch einen Tag später gereinigt worden. Der Gehweg sei in einem ordnungsgemäßen, begehbaren Zustand gewesen. Auch bei dem Starkregen vor einer Woche seien Straße und Gehweg gereinigt worden.

In Bezug auf die Bushaltestelle Wolf erklärte die Verwaltung, diese sei nur sehr schwach frequentiert. „Alle Bushaltestellen werden im Rahmen der barrierefreien Umgestaltung den politischen Gremien zur Diskussion gestellt. Die Politik wird dann entscheiden, ob die einzelne Bushaltestelle barrierefrei ausgebaut wird oder eine Bushaltestelle bestehen zu lassen und nicht barrierefrei auszubauen oder im schlimmsten Fall aufzugeben“, so die Verwaltung weiter.