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Kunsthaus Mettmann: Bilder und Fotos von Mallorca

Mettmann : Kunstausstellung macht Lust auf Mallorca

Im Kunsthaus Mettmann zeigen Klaus Stecher und Rolf Lilie Bild und Fotos der spanischen Insel. Sie erzählen von Sehnsucht und dem Verfall historischer Gebäude.

„Ach Mallorca“, – wie ein Stoßseufzer klingt der Titel der neuen Ausstellung im Kunsthaus in Corona-Zeiten, dabei hatte Klaus Stecher schon als 20-Jähriger die heutige Trauminsel erstmals besucht – 1957!

Mallorca war so weit weg, dass der junge Mann meinte, es sei ganz nah bei Afrika und ein wenig einfältig, fantasierend erwartete er, die ersten Elefanten erleben zu können. Er zeigt großflächige Bilder in kompliziertem Holzschnittverfahren handgedruckt, an nordafrikanische Keramik erinnernd. Die Sehnsucht nach der Ferne, nach fremden Mythen ließen ihn träumen. Und in der Illusion kam es nicht auf geografische Exaktheit an – da lag Troja halt in Ägypten und das Trojanische Pferd war zum Kamel mutiert.

Doch Mallorca in seiner damaligen Ursprünglichkeit hatte ihn verzaubert – die Rinder auf der Weide, in wenigen Strichen wunderbar erfasst, die Weide mal bei Tag und mal bei Nacht in der Nähe von Oppmanna, seinem ersten Aufenthaltsort – damals im Jahr 1957.

„War das nicht ein bisschen viel Afrika?“, wurde gefragt. Da bestach die Antwort des Stellvertretenden Vorsitzenden des Kunsthauses, Hendrik Wischnewski: „Wir kommen doch alle aus Afrika!“ Denn die ersten Menschen wurden bekannterweise in Afrika nachgewiesen, die dann im Laufe der Jahrtausende auch andere Erdteile ­bevölkerten.

Klaus Stecher hat Spaß an künstlerischen, vielfältigen Ideen und verbindet in seinen kleinen Heften Eindrücke von Mallorca aber auch Impressionen aus der Mühlenstraße in Wülfrath mit herrlich naiven Zeichnungen. Man fühlt sich an den kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry erinnert. Das Flugzeug, mit dem er im Jahr 1957 auf Mallorca landete, sieht ziemlich ähnlich aus.

Auch kritische Punkte finden
Platz in der Ausstellung

Überwog damals noch bei Klaus Stecher, genannt Klasté, das Schwärmerisch-Unerfahrene, zeigen die Fotografien von Rolf Lilie auch Kritisches. Eine Serie von Windmühlen, in die hinein gearbeitet Vögel, lebendig und gesund, dokumentieren den Verfall dieser Kulturdenkmäler. „Ich kann nicht begreifen, dass eine Regierung mit ihren nationalen Schmuckstücken so umgeht.“ Empörung sprach aus Rolf Lilies Worten und seine kunstvollen Fotos bestätigen zudem die Zerstörung. „Die Vögel haben ihre Federn, aber die Windmühlen haben keine Flügel mehr“.

Doch auch Rolf Lilie ließ sich von der Schönheit der Insel gefangen nehmen. Ein Sonnenuntergang am Meer, aus einer Bucht hinaus schauend, ließ den Titel der Ausstellung erinnerungsselig wiederholen: Ach Mallorca! – und bildete den Übergang zur schönen, heilen (?) Welt. Ein Orangenhain auf terrassierten Feldern, Palmen sowie pittoreske und elegante Yachthäfen.

Und natürlich die Kathedrale von Palma, dieses Juwel gotischer Architektur – einfach großartig, wie Rolf Lilie sie stimmungsvoll eingefangen hat und, um das Imposante dieser Kathedrale noch zu unterstreichen, war sie in einen goldenen Rahmen gefasst. Und die weltberühmte und weltgrößte Rosette über dem Eingang: die Farben, das Licht – einfach überwältigend und um die 90 Quadratmeter groß.

Und doch: die Windmühlen – sie ließen Rolf Lilie nicht los. Eine grandiose Collage zeigte eine Wand mit azulejos, diesen wunderschönen, kunstvollen, spanischen Kacheln und in das Foto hineinprojiziert: wiederum eine zerstörte Windmühle. Eine glänzende, sehenswerte Ausstellung und eine wunderbare Abwechslung in Corona-Zeiten.