1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Erkrath

Kunsthaus Erkrath erwacht mit „Farben on Tour“ aus der Corona-Schlaf

Erkrath : Kunsthaus lädt zu „Farben on Tour“ ein

Mit einer Ausstellung aktueller Arbeiten von Henriette Ellen Mittelviefhaus feiert die Einrichtung Wiedereröffnung.

Hundert Tage lang lag der Künstlerverein in der alten Millrather Dorfschule mit der Welt im Dornröschenschlaf. Märchengleich ist die Örtlichkeit ohnehin. Draußen am Brunnen kann der Besucher auf einer Bank im Schatten einer Linde in einer bleibenden Harmonie entspannen. Schreitet er aber über die Türschwelle in den Schauraum, zeigen sich ihm stets neue Welten.

Derzeit ist es die große weite Welt. Offenbart wird sie von Henriette Ellen Mittelviefhaus: „Ich bin ziemlich viel unterwegs.“ Sie ist von Hochdahl aus um den Globus gereist, hat Augenblicke gesammelt und sie wie eine Songwriterin zu verdichteten Kunstelixieren im „abstrakten Realismus“ umgeformt: „Ein Bild entwickelt sich über Farbnuancen, die Farbakkorde, über Farbschichten.“ Einen Schwerpunkt der erinnerten Szenerien bilden die Vereinigten Staaten. Vom östlichen Cape Canaveral bis zum westlichen Big Sur reicht das Land, in dem die gebürtige Badenserin auch ihre malerische Ausbildung begonnen hat. Technisch ist sie alles andere als eingeschränkt – sie ist Fotografin, Aquarellmalerin, neuerdings gar Skulpteurin – ,doch für diese Exposition hat sie sich auf eine Farbart konzentriert. Alles ist Acryl. Das bedeutet ein Feuerwerk der Pigmente für die betrachtenden Augen. Da passen auch die tausende Flexionen aus der Wüste Bahreins ins Bild. Keine Regel ohne Ausnahme - ein paar der Bilder sind nicht ausschließlich in selbstangerührtem Acryl gemalt, sondern ergänzend auch mit Kaffeefarbe; eine mit einer Freundin in Experimentierstimmung entdeckten Innovation, die besondere Natürlichkeit zu vermitteln vermag.

Immer wieder tauchen Personen auf, die die Grundstimmungen essentiell mitprägen. Mittelviefhaus verrät sogar die heimliche Stufenentwicklung, die als Konzept hinter ihrer Bildgestaltung steckt: von der Landschaft geht es zum Menschen, von ihm in den Raum und aus ihm in den Lebensraum über.

Das Bild verändert
sich im Laufe des Tages

Begleiter in die Kreativlandschaften der Künstlerin ist Ehemann Clemens: „Wie ein Bild meiner Frau entsteht, ist ein sehr spannender Prozess. Am Morgen geht es von einer einzigen Idee aus und am Ende des Tages staune ich beim Resultat, ob das immer noch das gleiche Bild ist.“ Mit Beginn des Lockdowns standen Uhren beim kunsthaustragenden Verein Förderkreis Kunst und Kulturraum Erkrath still. „Finanziell ging es, denn wir finanzieren uns ja durch Spenden und Mitgliedsbeiträge.“ zieht der Vorsitzende Wolfgang Sendermann Bilanz: „Aber wir mußten vier Ausstellungen absagen.“ Dank eines Hygienekonzeptes dürfen Interessierte, wenn auch nur acht Personen zur gleichen Zeit, wieder in den Schauraum kommen. Der Terminkalender des Kunsthauses ist für die kommenden anderthalb Jahre ausgebucht. Deshalb ist es nicht einfach, Ersatzzeiten für die Ausfälle zu finden. Sie müssen, wie die nächste Ausstellung von Eva Pannée, ein wenig zwischengequetscht werden.