Autonomer ÖPNV: Bus rollt mit Tempo 16 durch Monheim

Testphase läuft : Autonomer ÖPNV: Bus rollt mit Tempo 16 durch Monheim

Die Testphase für den autonomen ÖPNV in Monheim läuft. Der kleine Bus ist im Stadtbild präsent, für andere Verkehrsteilnehmer ist er allerdings ein Hindernis.

Der kleine Bus rollt ein. Leise und langsam steuert er den Haltepunkt der Linie 777 am Monheimer Busbahnhof an. „Wenn es soweit ist, wollen wir vom Bussteig 7 aus unsere Rundtour starten“, sagt Chiefoperator Axel Bergweiler, bei den Bahnen der Stadt Monheim (BSM) als Leiter autonomer Bus angestellt. Bergweiler bildet die künftigen Begleiter des Busses aus. Es gibt einen vorläufigen Dienstplan. Auch im Testbetrieb ist der Bus der Marke Easy Mile von 6 bis 23 Uhr unterwegs. Die Nacht verbringt das vier mal drei mal zwei Meter kleine Vehikel auf dem Parkplatz an der Kapellenstraße, wo es auch aufgeladen wird – bewacht von einem Sicherheitsdienst.

Los geht’s. Ich nehme auf einem von sechs sitzen Platz und muss mich anschnallen. Busfahrer Frank Guggenmos geht diesmal gemeinsam mit Axel Bergweiler auf Tour. Er lernt. Er blickt auf die Strecke. Alles frei. Guggenmos legt den Schalter um – auf autonomes Fahren. Mit einem hellen „Ping.Ping“ rollt der 300 000 Euro teure Bus langsam auf die Straße Rathausplatz, umkurvt gemächlich den Kreisverkehr am Rathaus, beschleunigt und surrt mit 16 km/h über die Krischerstraße.

Für andere Verkehrsteilnehmer ist der Bus ein Hindernis

Aktuell fährt der Bus die Umleitungsstrecke, denn die Alte Schulstraße ist wegen der Bauarbeiten an Kanal, Straße und Gesundheitscampus gesperrt. Aus der Einmündung Lindenstraße biegt ein großer BSM-Bus. Dessen Fahrer simuliet Ungeduld. „Schneller. Schneller“ vermittelt er den Busbegleitern. „Das ist Spaß“, sagt Bergweiler. „Für andere Verkehrsteilnehmer ist der Bus ein Ärgernis, weil er so langsam fährt“, weiß er. „Und die Begleiter, zu denen auch der Fahrer des Linienbusses gehört, wissen das.“

Der Bus verlangsamt, steuert seine erste Haltestelle an. „Kirchstraße“. „Ping.Ping“. Guggenmos schaut sich um, schätzt die Strecke ein und gibt das „Go“ zur Weiterfahrt. „Ping.Ping“. Weiter geht es. Zweiter Halt: „Lottenstraße“. Der Bus bremst ab. Da ist Festhalten angesagt. Am Haltepunkt steht der Bus erst einmal. Denn vor der Baustelle Lottenschule wird ein Container abgeladen. Das dauert. Es ist eng auf der Lottenstraße. Pkw überholen den Bus. „Das kann immer wieder passieren“, erläutert Bergweiler „Da ist Geduld nötig, wie im klassischen ÖPNV auch.“ Die Straße ist frei. Es geht per Knopfdruck autonom weiter. „Ping.Ping“.

An besonders engen Stellen oder bei Gegenverkehr wird der Bus automatisch langsamer, bis er das Hindernis passiert hat. „Die Sensoren, mit denen der Bus rundherum ausgestattet ist, nehmen die Abstände wahr, signalisieren sie an das System und verlangsamen die Fahrt. „Das ist etwas, das Autofahrer nicht verstehen. Sie werden noch ungeduldiger“, so Bergweiler. Aber aus Sicherheitsgründen sei das vorgeschrieben.

Bei weniger als einem halben Meter Abstand, werde der Bus automatisch langsamer. „Ping.Ping“. Nächster Halt: Altstadtkirche. Von da geht es links ab in die Grabenstraße. „Drei Parkplätze im Abbiegebereich sind dafür vorübergehend gesperrt“, erläutert der Chiefoperator, während der Bus langsam abbiegt und Richtung Schelmenturm rollt. „Hier werden sich im Linienbetrieb die Busse treffen, wenn die Alte Schulstraße wieder frei ist“, erläutert Bergweiler. Eine Haltestelle wird es auch geben. Jetzt geht es in die Turmstraße Richtung Altstadt. „Ping.Ping“. Der Haltepunkt Alter Markt ist erreicht. Dann rollt der Bus etwas ruckelig runter bis zur Kapellenstraße, biegt rechts ab und bleibt stehen – kurz hinter dem Parkplatz, wo die Ladesäulen für die Busse stehen. „Geplant ist, die Busse in einer Garage auf dem Schützenplatz abzustellen.

Mohammed Arrami gehört zu den Busbegleitern. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Der Monheimer Horst Ewert kommt mit seinem Rollstuhl angefahren. Klopft. Guggenmos öffnet die Tür manuell. „Nein“, er könne nicht mitfahren. Testfahrt. Aber eine Rampe, die automatisch ausfährt, sei vorhanden. „Das müssen wir testen“, so Bergweiler, der mit Horst Ewert und seinem Sohn Martin das Thema diskutiert.