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Düsseldorfer Schauspielhaus zeigt "Parzival to go" im Hochdahler Lokschuppen

Ausverkauftes Gastspiel : Alter Stoff modern inszeniert kommt an

Zum zweiten Mal war der Lokschuppen Gastgeber für das Düsseldorfer Schauspielhaus. Dieses Mal sahen die Zuschauer im urigen Gemäuer den Parzival. Ein Klassiker im neuen Gewand.

So sieht doch kein Ritter aus. Ein von Mutti übergezogener alberner Kleine-Jungs-Spielanzug mit kniekurzen Hosen und aufgepappten Plüschtierchen, dazu ein Metallprügel in der Hand. Die Mutter hofft wohl darauf, dass keiner den Sohn ernst nimmt. Aber Spross Parzival ist fest entschlossen, ein Ritter zu werden, auch wenn er im Wald groß geworden und völlig unbeleckt von der restlichen Welt ist. Er kennt weder Liebe, Lust noch Leid, geschweige denn Mitleid, fühlt sich aber bärenstark und redet teilweise wie Trump: Ich weiß alles, ich kann alles.

Bereits im vergangenen
Jahr war „Nathan“ zu Gast 

So unbedarft, aber kraftstrotzend schickt Regisseur Robert Lehniger seinen Parzival in einer mobilen Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhaus durch die Lande, in entlegene Spielstätten. Um Ritter und Mensch zu werden. Der Lokschuppen hatte im vergangenen Jahr bereits den „Nathan“ zu Gast und sich bei dieser Gelegenheit bewährt. Volles Haus für eine rundum überzeugende, moderne Inszenierung mit wenigen Requisiten und Videoeinspielungen. Auch die Parzival-Karten waren schnell vergriffen.

Hohe Gespanntheit, was es diesmal werden würde, zumal der mittelalterliche Stoff bedeutend älter als Nathan und – mit 16 Büchern – auch um einiges raumgreifender ist. Und wieder wurde es bunt, tönte es laut und lebhaft, war es mit Sprache und Kostümen fest in der Gegenwart verankert, als wäre das Thema neu zur Welt gekommen. Gespielt wird auf und rund um ein Podest mit Guckkasten-Wand, die den Blick auf Videosequenzen von Artusrunde, Wäldern, Auen und Seen freigibt.

Und Henning Flüsloh glänzt in der Titelrolle als einfältiger junger Parzival, der erst einmal alles kurz und klein schlägt, was sich ihm in den Weg stellt – auch den ebenfalls recht gut austeilenden roten Ritter, auf dessen Rüstung er es abgesehen hat. Die trägt er nun, vermag aber immer noch keinen Inhalt zur ritterlichen Hülle zu entwickeln. Einige Lektionen wird ihm sein Wegbegleiter Merlin (Jürgen Sarkiss) auf dem Weg zum denkenden, fühlen Menschen erteilen müssen, in zweistelliger Höhe. Immerhin entdeckt er seine Liebe zu Blanchefleur, die schwarzweiß gekleidet wie eine Comicfigur auftritt.

Dass es trotz aller Rumpeligkeiten und der verbrannten Erde, die Parzival großflächig hinterlässt, am Ende zur (Selbst-)Reflexion, zur Läuterung kommt, dass er den Fisch vor dem Reiher rettet, weil nun doch nicht mehr gemordet werden soll – das kommt im Stück ein bisschen plötzlich, hat sich etwas zu gut getarnt angeschlichen in dieser knapp zweistündigen To-go-Inszenierung, die auch ein jüngeres Publikum begeistert hätte. Dachte man, als ein wie bei Nathan eher gesetzes Publikum dankbar, aber doch etwas artig applaudierte.