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Erkrath: Experte gibt Tipps zum Obstbaumschnitt

Erkrath : Wie Obstbaumschnitt kleine Biotope rettet

Es ist Zeit für den Winterschnitt bei den heimischenObstbäumen. Teilnehmer vertiefen ihre Kenntnisse jetzt beim weiterführenden Winterschnitt-Kurs des Naturschutzzentrums Bruchhausen.

Auf den Streuobstwiesen des Naturschutzzentrums Bruchhausen stehen einige richtig alte „Greise“ – so scheint es zumindest. Dabei seien viele der Obstbäume gerade mal rund 25 Jahre alt, eigentlich kein Alter für einen Baum. Nach einer Stunde Theorie, bei denen Biotop- und Landschaftspfleger Gerd-Dieter Löschner Fragen beantwortete und Wissenswertes aus dem ersten Kurs wiederholte, zeigte er den neun Teilnehmern des weiterführenden Obstbaum-Schnittkurses anhand unterschiedlich alter Obstbäume, wie man Anzeichen von Vergreisung erkennt und wie man diese aufhält.

Anfangs gilt, nicht zu
viel wegzuschneiden

Eine wichtige Regel dabei ist es, gerade bei Bäumen, die lange keine Pflege erhalten haben, anfangs nicht zu viel wegzuschneiden. Hier strikt nach Lehrbuch vorzugehen, sei kontraproduktiv, so Löschner: „Bei einem ‚Gemetzel‘ reagiert der Baum mit vielen neuen Austrieben.“ Für die Baumschnitt-Laien ist allerdings auch das aus Sicht des Profis zurückhaltende Beschneiden und das Beibehalten von Ästen als „Wuchsbremse“ noch nahe am „Gemetzel“. Man muss sich zunächst ganz schön überwinden, den Baum nach den gelernten Regeln zu verjüngen. Auf der Streuobstwiese lernten die Teilnehmer schnell, einsetzende Vergreisung zu erkennen.

Während jüngere Bäume noch mit vielen senkrecht nach oben wachsenden Ästen (Wasserschossen) austrieben, zeigten vergreisende Bäume kaum noch Neutriebe, da sie ihre ganze Energie in die Frucht stecken.

„Ich habe zuhause schon versucht, das Gelernte aus dem ersten Kurs umzusetzen – ganz moderat und vorsichtig“, so einer der wenigen Teilnehmer, die im Januar bereits den Grundkurs im Naturschutzzentrum besucht hatten: „Das ist ein Prozess, an dem man arbeiten muss.“ Löschner riet dazu, unbedingt Vorher-/Nachher-Fotos der Bäumen zu machen. Anhand der Dokumentation könne man dann in den Folgejahren nachvollziehen, was erreicht wurde und ob man mit dem Schnitt auf dem richtigen Weg ist.

Anhand der von Gerd-Dieter Löschner und seinem Sohn Torben auf der Wiese des Naturschutzzentrums während des Kurses beschnittenen Obstbäume ließ sich gut nachvollziehen, dass sich der Einsatz lohnt: Die „ungepflegten Greise“ machten schon nach dem Schnittkurs einen deutlich frischeren und gesünderen Eindruck. Bevor die Landschaftspfleger zu Säge oder Gartenhippe griffen, versuchten die Teilnehmer mit den zuvor gelernten Regeln zu erkennen, welche Äste herausgeschnitten werden sollten. Dabei wiederholte Löschner die Prinzipien wie breitpyramidaler Schnitt, Ableitung und Wuchsbremse.

Streuobst ist auf
ein langes Tragen ausgelegt

„Streuobst ist im Gegensatz zum heutigen Erwerbsobst genetisch auf langes Tragen ausgelegt. Wenn man solche Obstbäume schneidet, werden sie uralt“, so Löschner. Auch lange nicht gepflegte Bäume könne man so wieder reaktivieren. Die Pflege sorgt nicht nur dafür, dass die Bäume mehr und länger tragen und auch widerstandsfähiger gegen Krankheiten werden. Alte Obstbäume zu retten, hat darüber hinaus auch ökologischen Wert: Erst im Alter entwickeln sich durch ausgebrochene Äste Höhlungen, die Vögeln, Insekten und kleinen Säugetieren Unterschlupf bietet.

Für den Winterschnitt ist noch gut ein Monat Zeit. Er wird während der Vegetationsruhe, (Zeitpunkt, in dem die Pflanzen photosynthetisch inaktiv sind, das heißt keinerlei Wachstum, Blühaktivität beziehungsweise Fruchtbildung stattfindet) durchgeführt. Gerd-Dieter Löschner rät hier aufgrund der in den letzten Jahren im Frühjahr bereits recht hohen Temperaturen, nicht allzu spät bis etwa Mitte März zu schneiden, um den Obstbaum nicht unnötig zu schwächen. Die Temperatur beim Schnitt ist übrigens egal – zumindest für den Baum.