1. NRW
  2. Krefeld

Warum das Krefelder Rathaus das schönste in NRW ist

Wettbewerb des Heimatministeriums : Warum das Krefelder Rathaus das schönste in NRW ist

Die Stadt macht bei einem Wettbewerb des Heimatministeriums mit. Die Konkurrenz ist groß. Aber: Mindestens fünf Gründe sprechen für das Gebäude am Von-der-Leyen-Platz.

Wenn man es mal in Ruhe wirken lässt, ist die Idee doch gar nicht so abwegig. Das Krefelder Rathaus könnte bald als das schönste in ganz NRW gelten. Wo das schönste steht, hatte nämlich das Heimatministerium gefragt. Nun ist das Bewerber-Video aus Krefeld bei Facebook veröffentlicht worden. Die ersten Kommentare deuten zunächst ein Remis an. Eine Nutzerin sagt: „sehr schön“. Ein Nutzer entgegnet, dass die Fassade zunächst einen neuen Anstrich brauche: „Aktuell sage ich Bonjour Tristess“. Der Autor dieser Zeilen möchte die Sache positiv angehen. Herausgekommen sind fünf Gründe, warum das Krefelder Rathaus als das schönste in NRW ausgezeichnet werden sollte.

Grund eins: Das Bewerbungsvideo

Ok, es quillt nicht über an Einfallsreichtum, aber es zeigt gleich zu Beginn eine Stärke des Hauses. In einem Video hat Oberbürgermeister Frank Meyer knapp 57 Sekunden Zeit, die Vorzüge seines Arbeitsplatzes (und dem von rund 500 Mitarbeitern) hervorzuheben. Und nein, mit starken Bildern ist nicht die Einstellung gemeint, die das Türöffnen des Oberbürgermeisters zeigt (Kann nicht als Nachteil gewertet werden, weil jeder Teilnehmer irgendwie sein Türchen öffnen muss). Danach folgt eine Kamerafahrt auf die Front zu, die die antik wirkende Säulen-Optik in Szene setzt. In der folgenden Bildabfolge ist ein luftiger Treppenaufgang und einer der weiten Flure zu sehen. Meyer stellt das Gebäude als Stadtschloss der Seidenweberfamilie von der Leyen vor, die Krefeld groß und reich machte. Er hebt das historische Ambiente hervor, dass an gute Zeiten erinnere und eine Idee von guten Zeiten in der Zukunft gibt.

Grund zwei: Das äußere Erscheinungsbild

Wer über den Von-der-Leyen-Platz auf das Gebäude zugeht, kann das Gefühl haben, auf ein herrschaftliches Stadtschloss zuzugehen. Wer die Gedanken schweifen lässt, könnte an bekanntere Schloss-Architektur in Potsdam denken oder sogar einen Vergleich zum Weißen Haus in Washington ziehen. Trotzdem wirkt der helle Bau in Krefeld nicht einschüchternd. Prägend sind die sechs Säulen des dreigeschossigen Gebäudes mit „spätklassizistischer Putzfassade“, so die Stadt Krefeld.

Grund drei: Die Details

Direkt in der Empfangshalle sehen die Besucher spielerische Bodenmosaike. Etwas versteckter ist weitere Mosaikkunst: Wer das Haus durch den Haupteingang betritt, sollte einmal einen Moment inne halten und im Säuleneingang nach oben schauen. Dort, versteckt in den Zwischenräumen, sind Deckenmosaike des Künstlers Hubertus Brouwer zu sehen.

Grund vier: Die Kunst im Inneren

Im historischen Ratssaal gibt es etwa einen Wandteppich aus dem 16. Jahrhundert. Ein Werk des Künstlers Pieter Coecke van Aelst. Andere Werke des flämischen Malers sind in Museen in Spanien oder Frankreich zu sehen. Rund um den Ratssaal gibt es eine kleine Bilderhalle. Werke des Malers Zangs oder ein Glasobjekt des Lichtkünstlers Luther sind Highlights.

Grund fünf: Die Historie

Conrad von der Leyen ließ das Schloss nach Angaben der Stadt zwischen 1791 und 1794 in der Nähe des Stadtzentrums von seinem Baumeister Martin Leydel errichten. Die Familie von der Leyen verschaffte der Stadt laut dem Portal Rheinische Geschichte des Landesverbandes Rheinland mittels Seidengewerbe „eine über Deutschland hinausreichende Geltung“. Architektonisch entspreche das Rathaus dem „rheinischen Klassizismus“, es sei vom Palladianismus beeinflusst, so die Stadt Krefeld. Es habe bereits 1860 als Rathaus gedient. 1891 und 1934 bis 1936 wurde es durch Anbauten erweitert.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde es — wie große Teile Krefelds Innenstadt — fast komplett zerstört. Die sechs Säulen sollen erhalten geblieben sein. Nach dem Ende des Kriegs erfolgte der Wiederaufbau bis 1955, in den 50er Jahren folgte auch der dritte Erweiterungsbau des Bauhaus-Schülers Hans Volger an der Sankt-Anton-Straße. 1988 entstand der sogenannte „C-Block“ an der Gartenstraße. Und wie geht es weiter? „Demnächst“ soll das Rathaus umfassend saniert werden — auch die Fassade: „Adieu Tristesse“.