Rock erfüllt den Kirchenraum

Rock erfüllt den Kirchenraum

Glaubensbekenntnis als musikalischer Marathon: Nach einem Jahr Probe kommt das Oratorium „Credo“ auf die Bühne.

Krefeld. Ausdauer musste man mitbringen: Das Rock-Oratorium „Credo“ inklusive zwei halbstündigen Pausen begann um 19.30 Uhr und endete kurz nach 23 Uhr. Dafür gab es das christliche Glaubensbekenntnis in einer sehenswerten Marathon-Version.

Bei der Aufführung stand der Komponist Hans-Jörg Böckeler als Dirigent vor einer großen Zahl an Sängern und Instrumentalisten. Zum großen Aufgebot, das den Chorraum der Kirche bis in den letzten Winkel ausnutzte, gehörten der Dionysiuschor Krefeld, der Credo-Projektchor und noch ein Credo-Jugendchor.

Es lag aber nicht am Platzmangel im Parterre, dass einer der Solisten, der Rock-Tenor Michael Hanhart, seinen Platz in der Kanzel gefunden hatte. Er blickte auf das für ein traditionelles Oratorium übliche Gesangsquartett, das mit Christiane Böckeler (Sopran), Heike Mueller-Böckeler (Alt), Markus Wöckel (Bariton) und Jürgen Moll (Bass) die Verbindung zu den 20 Musikern von Orchester und Band herstellte.

Böckeler führte die mehr als 100 Musiker zu guten Leistungen. Die Vorbereitungs- und Probenzeit von mehr als einem Jahr für die Mammut-Aufführung machten sich darin bemerkbar.

Die Texte des Oratoriums, die sein Freund, der vor zehn Jahren verstorbene Krefelder Pfarrer Wilhelm Willms geschrieben hat, waren sehr gut zu verstehen. Dabei wird das Glaubensbekenntnis in einer Kombination von lateinischen und deutschen Texten, von traditionellen und modernen Formulierungen präsentiert.

Auch musikalisch ist das Spektrum von „Credo“ weit, weiter als es die Assoziation Rockmusik erwarten lässt. Ein buntes Kaleidoskop: Anklänge an Balladen, Jazz, Mönchsgesang sind zu vernehmen, dann weht dank der Instrumentierung ein Hauch Asiatisches durch den Raum.

Manches Stück hat das Zeug zum Ohrwurm. Besonders der Schlusskanon, bei dem das Publikum mitsingen darf, wird mit viel Engagement gesungen. Wenn sich auch die Reihen in der sehr gut besuchten Friedenskirche bis zu diesem Zeitpunkt ein wenig gelichtet haben: Die Begeisterung ist groß und zeigt sich noch in einem langen Applaus.

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