Konzertchor: Fehlfarben in St. Gertrudis

Konzertchor: Fehlfarben in St. Gertrudis

„Klang & Licht“ überzeugt musikalisch, aber nicht optisch.

Krefeld. Auf die Idee, Klängen bestimmte Farben zuzuordnen, kam man bereits im Barock. Dies gestand Maria Benyumova auch gleich zu Beginn des Konzerts in St. Gertrudis. Aber warum nicht selber einmal mit diesem Gedanken ein Konzert gestalten?

In der vergangenen Spielzeit haben der Niederrheinische Konzertchor und seine Leiterin die A-cappella-Konzertreihe unter dem Motto „Klang & . . . “ begonnen. Am Samstag zog sich das Thema „Klang & Licht“ wie ein bunter Faden durch das Programm mit Chormusik der Renaissance, des Barocks und der Romantik.

Auf dem Boden des Chors hatte der Lichtdesigner Johannes Hoff Scheinwerfer installiert, die den architektonisch stark gegliederten Raum anstrahlten. So hüllte er beim Orgelsolo von Heinz-Peter Kortmann, Präludium und Fuge in d-moll op.37, Nr. 3, den Chorraum in ein blaues Licht, das die Wände in farbiges Milchglas zu verwandeln schien.

Eine gute Idee neben der Anmoderation der Stücke war das Vorlesen der Liedtexte. Anschaulich wurde man so erst durch den gelesenen, dann gesungenen Text von Mendelssohn Bartholdys „Morgengebet“ in die Zeit der Romantik entführt, in die Stimmung eines Morgens. Dazu lieferte der Lichtdesigner eine violette Farbschicht, die eher einen Weltuntergangsmorgen andeutete.

Henry Purcells musikalischem Bild vom feierlichen Leben „In these Delightful, Pleasant Groves“ ordnete Benyumova in ihrer Anmoderation die Farbe Purpur zu. Der Raum erstrahlte jedoch im Magenta eines bekannten Konzerns. Mendelssohn Bartholdys „Lob des Frühlings“ verkleidete die Kirchenwände mit einem Laubfroschgrün in Neon-Version.

Spätestens jetzt wurde klar, dass man bei diesem ausdrucksvollen und sehr dynamisch vorgetragenen Konzertprogramm besser die Augen schließen sollte, um einen ungestörten Genuss der Klangfarben zu haben. Man hätte mit dem roten Raum, der Thomas Morleys „Fire, Fire“ rahmte, zwar einmal eine passende Atmosphäre versäumt, aber die Brahms’sche „Waldesnacht“, die in schönstem romantischen Sinne von Erlösung und Ruhe erzählt, wäre einem in ihrem Türkis erspart geblieben.

Die Farbgestaltung hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon längst zur optischen Belästigung entwickelt. Musikalisch war es aber ein wunderbares Konzert.

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