Historiker sammelt Quellen aus Weimarer Zeit

Historiker sammelt Quellen aus Weimarer Zeit

Der Verein für Heimatkunde widmet sich im siebten Band aus der Reihe „Krefelder Archiv“ der Epoche von 1918 bis 1933.

Krefeld. Eine Sammlung historischer Quellen gilt allgemein nicht als literarischer Bestseller. Der neue Band aus der Reihe „Krefelder Archiv“ hat aber das Zeug dazu. Denn die darin abgehandelte Epoche der Weimarer Republik ist auch in Krefeld sehr spannend gewesen.

Als erstaunlich unbekannte und zu wenig beachtete Zeit bezeichnet Robert Claßen, Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde, diese wichtige Phase deutscher Geschichte. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Krefelder Archiv“ ist der Verein Herausgeber des Bandes, der nicht weniger als 71 Quellen aus der Zeit von 1918 bis 1933 auflistet.

Autor ist der Historiker Heribert Houben, der aus der Fülle des Materials eine Auswahl getroffen und diese in eine chronologische Reihenfolge gebracht hat.

Da durch den Zweiten Weltkrieg viele Akten der Stadt verloren gegangen sind, stützt sich der Autor hauptsächlich auf Zeitungsberichte, die damals ausführlich und mehrmals täglich erschienen. „In Krefeld gab es damals sechs Tageszeitungen“, erzählt Houben. Als ehemaligen Geschichtslehrer interessierte ihn bei seiner Arbeit auch die Frage, was in dieser Zeit geleistet wurde. Gefunden hat er dazu so einiges.

So lässt sich ein großes Engagement der Politiker feststellen, die unter wirtschaftlich immer schwierigeren Umständen um das Wohl der ehemals so reichen Stadt verzweifelt kämpften.

So sind Entlassungen in der Textilmaschinenindustrie ebenso Thema wie der Ausbau des Krefelder Grüngürtels unter Oberbürgermeister Johansen. Quellen zur Kultur, zum Sport sowie zwei Mundart-Gedichte runden die vielfältige Auswahl ab.

Die letzte Quelle, die Houben besonders am Herzen liegt, weist auf die düstere Zukunft nach der Weimarer Zeit hin. Bereits im Februar 1933 vermerkt ein Polizeibericht die Beschädigung der Thorn-Prikker-Fenster in der Krefelder Synagoge, also lange vor deren endgültiger Zerstörung im November 1938.

Für Claßen ist das Buch „Krefelder Geschichte live“. Und als spannende Ferienlektüre möchte er es jungen und alten Krefeldern gleichermaßen empfehlen: „Die Krefelder waren damals stolz auf ihre Stadt und sehr engagiert — die Vorbilder findet man hier.“