Hörspiele: Hülser lässt in Serie morden

Hörspiele: Hülser lässt in Serie morden

Mit seiner Hörspielreihe für Erwachsene besetzt Christoph Piasecki eine Marktlücke.

Krefeld. Die Stimmen klingen nach Hollywood, nach Kevin Spacey, Angelina Jolie oder George Clooney. Auch sonst entsteht pures Kopfkino: düstere Stimmung, erschreckende Geräusche, spannungsbeladene Musik. Wer „Mord in Serie“ hört, fühlt sich wie in einem Film — minus Bild, plus Fantasie.

Mit bekannten Synchronsprecher und blutigen Storys produziert der Krefelder Christoph Piasecki seine Hörspielreihe für Erwachsene. In Berlin, Hamburg oder Köln lässt er die Rollen einsprechen und setzt sie am Hülser Firmensitz zu rund einstündigen Krimis zusammen.

Seit rund fünf Jahren ist Piasecki mit seiner Computerspielfirma Contendo Media im Hörspielmarkt aktiv. Nach der Reihe „Team Undercover“ für Jugendliche legte er im Juli 2012 mit „Das 12. Opfer“ erstmals ein Hörspiel für erwachsene Hörer vor. „Mord in Serie“ war geboren — und läuft so gut, dass schon neun Folgen erschienen sind.

„Ich arbeite gegen das Vorurteil, dass Hörspiele nur Kinderkram sind“, sagt Piasecki. „Törööö und Hex Hex, das hängt irgendwie in den Köpfen drin.“ Dabei haben Piaseckis Thriller, die er vom erfahrenen Drehbuchautor Markus Topf schreiben lässt, mit Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg so viel zu tun wie Hüls mit Hollywood.

In den Folgen mit Titeln wie „Todgeweiht“ oder „Feuerengel“ geht es um Serienkiller und tödliche Brandanschläge, blutrünstige Wölfe und die Russenmafia. Die Episoden sind dicht produziert, fesselnd erzählt und teilweise nicht besonders zimperlich.

So beginnt „Das 12. Opfer“ mit einer Mordszene, in der eine junge Frau miterlebt, wie ihre Schwester in einem Kellerverlies vergewaltigt und getötet wird. „Man braucht die Szene, um zu verstehen, warum die Frau zum Racheengel wird“, sagt Piasecki. „Der Hörer soll schockiert sein und ihre Wut nachempfinden. Das geht nicht, wenn man sanft ins Kaminknistern ausblendet.“

Für Piasecki sind solche plastischen Szenen auch einer der Vorteile, den Hörspiele gegenüber den seit Jahren boomenden Hörbüchern haben. „Den aktuellen Kino-Blockbuster möchte ich ja auch nicht nacherzählt bekommen, sondern ihn selbst sehen.“

Piasecki, der selbst großer Fan von US-Filmen und -Serien ist, hatte schon länger die Idee im Kopf, mit Erwachsenenhörspielen eine Marktlücke zu finden. Am Rande einer Fachmesse lernte er den Autor Topf kennen, der vor allem für RTL2-Produktionen wie „Grenzschutz“ oder „Zugriff“ tätig war, aber auch im Hörspielbereich Erfahrung hatte. „Er war sofort Feuer und Flamme“, erzählt Piasecki.

Der Kern seines Konzepts ist jedoch die Besetzung: „Ich habe den Ehrgeiz, für die Rollen bis in die kleinsten Statistenparts bekannte Stimmen zu finden.“ Dabei nutzt er nicht nur die bekannten Synchronsprecher der Hollywood-Filme, sondern auch gestandene deutsche Schauspieler wie Ursela Monn, Udo Schenk oder Patrick Bach. „Das ist nicht ganz billig“, gibt Piasecki zu. „Aber es wertet die Serie ungeheuer auf.“ Die Produktion der Reihe refinanziere sich inzwischen durch die Verkäufe.

So kommt es, dass vier weitere Folgen der aufwändigen Serie bereits angekündigt sind. Auch seiner Wahlheimat Krefeld möchte Piasecki bald eine Folge widmen. „Die Stadt wie Samt, Seide und Blut — das wäre doch was.“

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