Museum entdeckt fast vergessenen Maler wieder

Museum entdeckt fast vergessenen Maler wieder

450 Ölskizzen des Krefelders Adolf Höninghaus sind in Mappen aufgetaucht — und begeistern die Experten.

Krefeld. Der Schatz verbarg sich in mehreren Mappen, die lange niemand mehr geöffnet hatte: 450 Ölskizzen des Krefelder Malers Adolf Höninghaus, nahezu der komplette Nachlass des 1882 gestorbenen Künstlers. Das Team der Kunstmuseen entdeckte die fast vergessenen Werke bei der Sichtung der Bestände im Depot in Uerdingen.

Von der Qualität der Arbeiten sind Museumschef Martin Hentschel und seine Stellvertreterin Sylvia Martin derart überzeugt, dass sie Höninghaus eine Einzelausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum widmen möchten.

Im Jahr 2016 — im Anschluss an die beiden großen Eröffnungsschauen mit dem Titel „Das Abenteuer der Sammlung“ — soll das Oevre im 1. Obergeschoss zu sehen sein, inklusive einiger Leihgaben anderer Museen.

Diese Entscheidung überrascht aus zwei Gründen. Zum einen hatte Hentschel erst kürzlich erklärt, das Haus am Karlsplatz sei „kein Heimatmuseum“. Mit diesem Argument hatte er Einzelausstellungen der Krefelder Herbert Zangs und Adolf Luther eine Absage erteilt. Zum zweiten sind die kleinformatigen Ölbilder des Krefelders auf den ersten Blick klassische Landschaftsmalerei.

Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch das Skizzenhafte ins Auge. Höninghaus hat seine naturgetreuen Abbildungen, die oft südeuropäische Städte zeigen, nicht bis zu Ende ausgeführt. Er lässt weiße Flächen frei oder Bereiche, die er nur mit Bleistift bearbeitet hat. „Dieses Unvollendete macht für uns heute den Reiz aus“, sagt Hentschel.

Sylvia Martin, die sich intensiv mit den Skizzen beschäftigt hat, vermutet, dass viele dieser Werke das Ergebnis eines einzelnen Arbeitstages waren. „Das verrät eine Menge über die Vorgehensweise des Künstlers“, sagt sie. „Solche Einblicke bekommen wir nur selten.“

Darüber hinaus fungieren die Bilder als Reisetagebuch. Höninghaus hat sie Mitte des 19. Jahrhunderts auf seinem Weg nach Sizilien gemalt — meist unter freiem Himmel.

Anhand der Thematik rechnen Hentschel und Martin mit einem großen Publikumserfolg für die Ausstellung. „In Landschaftsmalerei finden sich viele Menschen wieder“, sagt der Museumsdirektor. Nach Ende der Krefelder Laufzeit soll die Schau deshalb auf Tournee durch weitere Museen gehen.

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