Einblicke in das Abenteuer Ehe

Einblicke in das Abenteuer Ehe

Arno Geiger liest und erläutert sein Buch „Alles über Sally“.

Krefeld. Das lebendige literarische Krefeld hat sich am Dienstag mit einer besonderen Lesung geschmückt: Der vielfach ausgezeichneten Autor Arno Geiger war in der Mediothek zu Gast. Der Österreicher vom Oberrhein (Wolfurt) lebt schon lange in Wien, erhielt vor fünf Jahren den Deutschen Buchpreis für "Es geht uns gut".

Mit dem Preisgeld, so berichtete er, hatte er genug Zeit weiterzuschreiben. "Das gab mir die Rahmenbedingungen, um mich ganz zu konzentrieren." Ob der Verlag dennoch Druck gemacht habe, wollte Veranstalter Wolfgang Behl vom Anderen Buchladen wissen. "Ich unterschreibe nie einen Vertrag, bevor ich nicht mit meiner Arbeit fertig bin", antwortete etwas erstaunt der 42-Jährige. Was wiederum das Publikum erstaunte: Geld lange vor Lieferung zu nehmen, ist normal in diesem Berufszweig.

Drei Jahre hat Geiger für seinen Roman "Alles über Sally" gebraucht, der kürzlich bei Hanser erschienen ist. Aus diesem Buch las der Autor drei Passagen und berichtete jeweils davor von seiner Auffassung von Literatur und seiner Art des Schreibens.

Die Titelfigur seines Romans ist eine Frau Anfang 50. Eine Lehrerin, die "manchmal überfordert ist, aber ihren Beruf gerne ausübt. Denn sie ist neugierig auf die jungen Menschen." Und Geiger ist neugierig auf die Lebensweise in unsere Zeit: "Die Mitte des Lebens hat sich nach hinten verschoben", sagt er. "Vor diesem Hintergrund möchte ich von der Ehe Sallys mit Alfred erzählen."

Die Süddeutsche Zeitung hat das Buch "Abenteuerroman einer Ehe" genannt, und dieses Attribut gefällt Geiger. Aus verschiedenen Blickwinkeln beschreibt er direkt, manchmal lakonisch seine Figuren. Man kommt Sally und Alfred dabei immer näher. Und lernt etwas über Zusammensein und Zusammenbleiben: "Das ist Liebe," sagt Alfred. "Alles andere ist leeres Gerede".

Tolstoi, Fontane und Flaubert finden in Geigers schönen Sätzen zu seinem Buch Erwähnung: "Es ist selbstverständlich, dass die Weltliteratur mitgedacht wird", sagt er. Sein Erzählstil jedenfalls knüpft an die große Romantradition des 19. Jahrhunderts an. Sein Tonfall ist alpenländisch, es ist ein großes Vergnügen zuzuhören. Mit diesem Tonfall im Ohr kann man den Roman daheim in Ruhe zu Ende lesen.

Arno Geiger: "Alles über Sally", Roman, Hanser: München 2010.

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