Deutsches Textilmuseum: Sie hat ein Händchen für Stoffe

Deutsches Textilmuseum: Sie hat ein Händchen für Stoffe

Petra Brachwitz und ihr Team restaurieren in Linn edle Gewänder. Die Stücke sind zum Teil mehr als 1000 Jahre alt.

Krefeld. Das Stück liegt aufgepolstert in einer breiten Schublade und ist mit feinem Vlies abgedeckt. In der Restaurierungswerkstatt des Deutschen Textilmuseums zeigt Petra Brachwitz ein peruanisches Männergewand aus dem sechsten Jahrhundert. Die Farben sind immer noch wunderbar erhalten. Was kubistisch aussieht, ist bei genauem Hinsehen viel mehr: „Das ist eine frühe Darstellung von Urwaldtieren“, erklärt Petra Brachwitz.

Sie leitet die Restaurierungsabteilung, deren Arbeit drei Bereiche umfasst. Zu ihrem Team zählen vier weitere Kräfte, verteilt auf drei Vollzeitstellen. Die Damen betreuen die kostbare Sammlung, bearbeiten Anfragen zur Restaurierung und kümmern sich um die Ausleihen.

Mit dem peruanischen Gewand werden zwei Bereiche berührt. Es wurde schon in den 70er Jahren restauriert und kürzlich nach Cleveland ausgeliehen. Eine derartige Anfrage wird unter allen Aspekten abgewägt — und in diesem Falle befürwortet. Die Museumsleute aus den USA schickten Pläne und Maße: Die Krefelder konnten das Stück so vorbereiten, dass es mit Rahmen und Unterlagen perfekt in die Ausstellung passte.

Damit dem Gewand nichts passiert, wurde es von Fachleuten eines Kunsttransports in einer maßgeschneiderten Klimakiste transportiert. Mit im Flugzeug befand sich auch Petra Brachwitz. „Das war mir sonst zu heikel“, sagt die Restauratorin, die die Kollegen im dortigen Museum noch nicht kannte.

Petra Brachwitz sorgt sich um die Stücke, die ihr anvertraut sind. Sie und ihr Team in Linn hängen sehr an den Stücken, mit denen sie arbeiten. Sie kennen ihren Wert und ihre Bedeutung für die textile Geschichte. „Manche Stoffe geben wir auch nicht raus“, sagt Brachwitz. „Die Bedingungen müssen stimmen.“

Bei dem peruanischen Stück hatten die Kollegen vor der Ausleihe noch darüber beraten, ob man neu restaurieren solle. „Das würden wir heute nicht mehr so machen, wie es in den 70er Jahren geschah“, sagt Brachwitz. Aber aus Zeitgründen war das nicht mehr möglich.

Denn noch sind die Damen mit der Nachbereitung der erfolgreichen Kinderkleider-Ausstellung (2013) beschäftigt. Für die zierlichen Häubchen etwa haben sie eigens eine gegitterte Aufbewahrung gefertigt.

Auch für die derzeitige Ausstellung mussten sich die Fachfrauen Möglichkeiten der Präsentation überlegen. An schwebenden japanischen Unterwasserblüten wird der Einfallsreichtum klar: Sie hängen an fast unsichtbaren Fäden von der Decke.

Der dritte Bereich der Werkstatt befasst sich mit Fremdaufträgen — so wird auch Geld erwirtschaftet. Jetzt zum Beispiel haben die Damen eine Anfrage für die Restaurierung von sechs gewebten Wandteppichen erhalten. Da werden zunächst Kostenvoranschläge für die Reinigung eingeholt — Fachleute sitzen in Belgien, Frankreich oder Österreich. Sind die Stücke gereinigt, beginnt die Arbeit der Damen — stets mit größter Sorgfalt.

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