Ausstellung: Bücher sprechen im Museum Burg Linn Bände

Ausstellung: Bücher sprechen im Museum Burg Linn Bände

In einer Sonderausstellung zeigt das Museum Burg Linn ab 6. Mai „Buchschätze“. Für die beschädigten Werke soll Geld gesammelt werden.

Bücherfreunden bereitet die neue Ausstellung im Museum Burg Linn wahre Freude: „Buchschätze“ zeigt ab Sonntag, 6. Mai, ausgewählte Stücke aus der „historischen Bibliothek“ des Hauses. Jede Vitrine ist einem Thema gewidmet — gleich am Anfang geht es um die Schädlinge.

Foto: Dirk Jochmann

Da liegt ein Blatt, durch das sich der Bücherwurm gefressen hat; da ist Papier, das von Wasser durchweicht ist oder in das sich die Tinte hineingefressen hat oder eines, bei dem ein Stück des Pergamentumschlags herausgeschnitten ist. Eine Besonderheit ist ein Buch, durch das französische Soldaten im Haus Pesch 1794 eine Kugel gejagt haben — es hat seinen Besitzer nicht schützen können. „Es kam dann an den Lanker Pastor“, berichtet Kurator Ralf-Günter Stefan, „und der hat die Geschichte hineingeschrieben.“ Stefan kennt sich mit Büchern aus: Vor einigen Jahren hat er in der Burg Bücher zum Thema Hexen präsentiert.

In die Eingangsvitrine der Bücherschätze hat Stefan eine Plastikmaus gesetzt, denn so manches Buch ist schon beschädigt oder angeknabbert in die Sammlung gekommen. Deren Grundstock hat in den 1930er Jahren der einstige Museumsleiter Albert Steeger gelegt. Er sammelte mit dem Schwerpunkt Niederrheinlande und Religion. Aus diesem Bereich stammen das älteste Druckwerk und die älteste Handschrift. Ein Psalter aus dem 15. Jahrhundert wurde mit der Hand geschrieben — es ist ein Beispiel für Tintenfraß, der das Papier brüchig macht.

Ein Wiegendruck (Inkunabel) aus den Anfangszeiten des Gewerbes aus dem Jahr 1488 wurde auf Papier aus Lumpenfaser gedruckt, dieser Geschichte eines Jakobspilgers sieht man die mehr als 500 Jahre nicht an. Auf die Schäden an den Büchern wird mit voller Absicht verwiesen: Das Museum möchte viele Spenden sammeln, mit denen restauriert und konserviert werden soll.

„Diese Ausstellung war nicht im Jahresplan“, sagt Museumsleiterin Jennifer Morscheiser. „Wir haben Anfang März mit der Planung begonnen.“ Denn es gibt die Chance, in ein Förderprogramm zur Bewahrung von Kulturgut zu kommen — und da sind Eigenmittel Voraussetzung. „Im Haushalt der Stadt bestehen da keine Möglichkeiten“, sagt Museumsvize Christoph Dautermann. Also ist mit dieser Ausstellung ein Spendenaufruf verbunden. „Wir freuen uns über alle Beiträge und wollen auch gerne Buchpatenschaften anbieten“, sagt er. Und die kann man ja auch für ein sehr seltenes Werk übernehmen. „Hier gibt es Bücher, die man sonst nirgendwo findet“, betont Kurator Stefan. Es werden auch Preisschildchen neben den Stücken liegen: „Wir wollen den Wiederbeschaffungswert angeben — wenn die Bücher überhaupt noch auf dem Markt sind.“

Von dem prächtigen elfbändigen „Atlas maior“ des Johann Blaeu aus dem Jahr 1662 hat das Museum vier Bände. „Es gibt weltweit noch 129 Exemplare“, weiss Stefan. Darin gibt es ein handkoloriertes Bild Menschen und Tiere aus vier Kontinenten — Australien war noch nicht entdeckt. Landkarten mit Planeten, Jahreszeiten, den vier Elementen und den Jahreszeiten drumrum, eine Zeichnung aller Winde auf der Welt, Kupferstiche von Städten, juristische Traktakte oder auch kleine Erinnerungsbüchlein mit geflochtenen Haaren in Herzform — es ist eine wahre Freude, sich diese Schätze anzuschauen. Kurator Stefan hat die Schaustücke liebevoll mit kleinen Accessoires dekoriert: So wird alles doppelt anschaulich. Jedes Buch erzählt seine eigene Geschichte, Einzelheiten werden für die Museumsbesucher in einer erläuternde Broschüre zusammengefasst.