Ex-Kraftwerker zeigt moderne Ikonen

Ex-Kraftwerker zeigt moderne Ikonen

In der Villa Heusgen sind Bilder von Emil Schult zu sehen.

Krefeld. Im frommen Kevelaer ist Emil Schult aufgewachsen, niederrheinischer geht es kaum. Doch als Künstler, Musiker und Poet ist er ein Weltbürger. Seine Ausstellung „Masterworks II“ in der Villa Heusgen am Fuß des Hülser Bergs verneigt sich vor den architektonischen Meisterwerken des amerikanischen Art dèco.

Beteiligt war Emil Schult, der 1946 in Dessau geboren wurde, an der legendären Band Kraftwerk. Zwar war er dort nur kurz als Musiker aktiv, dennoch hat er zum Image stark beigetragen. Die Cover der LPs „Autobahn“ (1974) und „Trans Europa Express“ (1977) stammen von ihm.

Aber Kraftwerk ist für Schult Vergangenheit, die Band sei „so ein Gemeinschaftsding“ gewesen. Kennengelernt hat Schult die anderen Musiker in Düsseldorf, wo er an der Kunstakademie studiert hat. Dort war er Meisterschüler von Gerhard Richter und Joseph Beuys.

Seit über 20 Jahren arbeitet Schult mit der Technik der Hinterglasmalerei, nutzt dabei als Farbe Perlacryllack, verarbeitet aber auch Weißgold und andere wertvolle Blattmetalle.

Der Künstler tritt bei Schult ganz hinter die Motive zurück. In großen Formaten trifft man mehrfach auf das Empire State Building oder das Chrysler Building, beides Wolkenkratzer in New York. Schult reduziert die Bauten „ohne einen unnützen Strich“ auf das Wesentliche. Durch die „hyperrealistische“ Darstellung und die Nutzung der edlen Blattmetalle glorifiziert er sie zu Ikonen der Moderne — was sie im Grunde ja schon sind.

Strahlkraft und Transparenz der Hinterglasmalerei entrücken auch andere Gegenstände vom Abbild zum Sinnbild, sei es ein Grammophon mit aufgelegter Platte in der angeschnittenen Sicht von oben oder das beeindruckende Panorama aus dem Monument Valley, das man als Kulisse vieler Western kennt.

Es gehe ihm um „die Erkundung der Sehweisen des 21. Jahrhunderts“ sagt Schult. Ob auf dem Monitor, dem Handy-Display oder dem TV-Bildschirm, überall begegne dem Menschen die „Welt hinter Glas“. Gleichzeitig reflektierten die Bilder den Betrachter und den Raum, gingen also über das Vorzeigen der bloßen Oberfläche hinaus.

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