"Der Andere Buchladen" weckt Lust zum Lesen

"Der Andere Buchladen" weckt Lust zum Lesen

Klein, aber fein: „Der andere Buchladen“ an der Dionysiusstraße feiert sein 40-jähriges Bestehen. Als besonderer Autor liest Dietmar Sous zum Jubiläum.

Krefeld. Vor 20 Jahren gab es in der Krefelder Innenstadt noch an die zehn Buchhandlungen, drei sind von diesen noch übrig geblieben, neben der Filiale einer großen Kette. Dass „Der andere Buchladen“ an der Dionysiusstraße in den Zeiten von E-Books und Onlinehandel nun sein 40-jähriges Bestehen feiern kann, ist also schon ungewöhnlich. Auch muss der kleine Laden mit seinem gut ausgewählten Sortiment keineswegs um seine Existenz kämpfen, sondern kann auf eine treue Kundschaft zählen, die in den letzten Jahren eher größer als kleiner geworden ist.

Im Mai 1978 eröffneten 13 Frauen und Männer, die sich als „Kollektiv“ verstanden, den Buchladen, der nach seinem ersten Standort als „Buchladen am Schinkenplatz“ benannt wurde. Nach dem bisher einzigen Umzug an seinen jetzigen Standort im Jahr 1982 erfolgte die Umbenennung in „Der andere Buchladen“.

Nicht nur die konservativen Kollegen beäugten das Kollektiv mit linkem Anspruch lange Zeit misstrauisch. Noch 1989 mutmaßte ein übereifriger Lokaljournalist, die damals frische gewählte rot-grüne Ratsmehrheit würde den Laden beim Schulbuchgeschäft bevorzugt behandeln. Dabei hatte man den Anteil des „Anderen Buchladens“ nur auf das Niveau der Kollegen gebracht.

Auf 78 Quadratmetern Fläche findet sich heute ein Buchsortiment mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Literatur, das sich nach wie vor nicht an den Bestsellerlisten orientiert, dafür aber in ziemlicher Ausführlichkeit abbildet, was in den überörtlichen Feuilletons der großen Zeitungen als lesenswert dargestellt wird.

Für Wolfgang Behl, seit 1980 Mitglied des Kollektivs, ist klar, dass diese von Beginn an angestrebte Qualität die Klientel des Ladens über die Grenzen politischer Lager hinweg schon lange verbreitert hat. „Wir sind beim Bildungsbürgertum angekommen“, sagt der 68-Jährige und schmunzelt.

Gut 300 Lesungen hat „Der andere Buchladen“ allerdings auch in den 40 Jahren seiner Existenz durchgeführt, so viele wie kein anderer Veranstalter in Krefeld. Das habe das Ansehen natürlich in allen Schichten der Stadtgesellschaft vermehrt, sagt Behl, und das ständige Bemühen, nicht nur Bücher verkaufen zu wollen, sondern insgesamt das Interesse für Literatur zu mehren, führte 2015 auch zu einer überregionalen Anerkennung. Als eine von 108 Buchhandlungen erhielt „Der andere Buchladen“ den ausgelobten Deutschen Buchhandlungspreis.

Die Professionalisierung brachte eine Schrumpfung des Kollektivs mit sich. Lange Zeit bestand das Laden-Team aus drei Männern. Neben Behl waren das Heinz Hüwe-Schweers, der schon beim Start 1978 dabei war, und der 2016 verstorbene Joachim Kurschat.

Heute bilden Hüwe-Schweers, seine Frau Ursa Engelen, Behl und als jüngste Kollegin Stefanie Hanowski das Team des „Anderen Buchladens“, ein Sohn von Hüwe-Schweers hilft ab und zu aus. Immer wieder tauchen neue Gesichter im Laden auf und „die meisten Neukunden werden Stammkunden“, so Behl.

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