Renommierter Glaskünstler stirbt mit 92

Renommierter Glaskünstler stirbt mit 92

Die imposanten Werke Hubert Spierlings finden sich an über 200 Orten in Deutschland.

Er gehörte zu den herausragenden Vertretern der deutschen Nachkriegskunst. Nach Hubert Spierlings Entwürfen gestaltete Kirchenfenster finden sich nicht nur in Krefelder Kirchen wie St. Hubertus und St. Dionysius, sondern auch im Limburger Dom oder in der Liebfrauenkirche in Dortmund. Nun ist der Krefelder Künstler am 28. April mit 92 Jahren in seinem Wohn- und Ateliershaus gestorben.

Spierling wurde am 6. Juli 1925 im sauerländischen Bösperde bei Menden geboren. Seit 1949 lebte und arbeitete er in Krefeld. Neben anderen, meist im Rheinland wirkenden Künstlern wie Georg Meistermann, Ludwig Schaffrath und Jochem Poensge leistete er seit den 1950er Jahren einen gewichtigen Beitrag zum künstlerischen Weltruf der modernen deutschen Glasmalerei. Diese erlebte im Zuge des Wiederauf- und Neubaus zahlloser Kirchen und Profanbauten einen beispiellosen Aufschwung.

Das beeindruckende Werkverzeichnis des Künstlers umfasst Arbeiten der Glasmalerei an nahezu 200 Orten. Auch auf dem Gebiet der Wandmalerei und der Textilkunst - Paramente, liturgische Gewänder, monumentale Wandbehänge - schuf Spierling Herausragendes.

Sein Kunststudium absolvierte der Krefelder in Hamburg, Düsseldorf und Krefeld. Später schuf er nicht nur zahlreiche Fenster für bedeutende mittelalterliche Kirchen wie den Limburger Dom, die Abteikirche Maria Laach oder den St. Patrokli-Dom in Soest, sondern auch für Profanbauten. Das große Bogenfenster in der Empfangshalle des Krefelder Hauptbahnhofs von 1996 ist dafür ein bekanntes Beispiel. Für den modernen Kirchenbau entwarf Spierling Glasfenster und große Glaswände.

1985 wurde der Künstler mit der Ehrenplakette der Stadt Krefeld ausgezeichnet, acht Jahre später mit der Thorn-Prikker-Medaille. Sein künstlerisches Schaffen orientierte er nach dem zweiten Weltkrieg an der internationalen Moderne, vor allem der zeitgenössischen Kunst Frankreichs. In dem für ihn so typischen konstruktiv-abstrakten Stil mit oft kühner Farbstellung und dem zeichnerisch vibrierenden Stil der Bleiführung schuf er einen unverkennbaren Personalstil - streng und spielerisch zugleich.

Seine letzten größeren Werke schuf Spierling für die Konventkirche in Hüls und für Kirchen im mitteldeutschen Raum. Die für die gotische Kirche in Questenberg und für die romanische Kirche in Grimme geschaffenen Fenster gehörten zu den Höhepunkten der großen Übersichtsausstellung zur deutschen Glasmalerei der Gegenwart.

Hubert Spierling ließ sich im hohen Alter durch Krankheit an kontinuierlicher künstlerischer Tätigkeit, Bauberatungen und Werkstattterminen nicht hindern. Sein kunsthistorisch und kuratorisch noch unerschlossener Nachlass liegt jetzt in der Obhut seiner Ehefrau Paula Spierling.

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