Will Cassel zeigt seine „Blütenträume“

Will Cassel zeigt seine „Blütenträume“

Die Ausstellung mit vielen Werken des Künstlers ist noch bis Sonntag zu sehen.

Die Obstbäume in Will Cassels Garten am Kuhdyk sind schon verblüht. Aber auf seinen neuen Bildern sind sie verewigt. „Blütenträume“ heißt seine neue Ausstellung, in der viele unterschiedliche Werke präsentiert werden. Bilder, Aquarelle, Zeichnungen und Objekte zeigen einen Querschnitt durch den Kosmos des Künstlers. Dass er letztes Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert hat, sieht man ihm nicht an. Die Kunst ist nach wie vor sein Lebenselixier. „Alt werden ist anstrengend“, sagt Cassel mit einem verschmitzten Lächeln. Reduktion ist ein zentrales Stichwort für ihn geworden, das er in seinen Arbeiten intensiv vorantreibt.

Ein Beispiel ist ein Objekt, das zwischen zwei neuen Ölbildern hängt. Es besteht aus den für ihn wesentlichen Grundelementen Kreis (auch Rad), einem seiner berühmten Gipszwerge, weißen Stoffstreifen und gewellter Pappe. Ein stabiles, aber biegsames Kunststoffband hat er zu einem Quadrat zusammengefügt und ebenfalls dazu gehängt. Er wirft das Quadrat auf den Boden. „Das ist die äußerste Reduktion“, sagt der Künstler. Der Mensch in der Welt, das ewige Kommen und Gehen, das sich auch im Kreislauf der Natur widerspiegelt, ist Cassels Lebensthema. Seine Bilder zeigen immer wieder andere Varianten dazu.

Für seine Aquarelle wählt er klassische Stilllebenmotive mit Früchten. In den Ölbildern sind die Formen stark reduziert bis hin zur Abstraktion. Wieder gegenständlicher und intensiv in den Farben ist ein großes neues Bild in Enkaustik-Technik (dabei werden in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Malgrund aufgetragen). Dieses aufwendige Verfahren benutzt Cassel nach wie vor. Nur arbeitet er jetzt wesentlich länger daran. Das jetzige hat er „Affentheater“ genannt. Das Theater als Lebensbühne ist ebenfalls ein Lieblingsthema. Da seine Sehkraft nachgelassen hat, benötigt er beim Mischen der Farben inzwischen die Unterstützung seiner Frau Sigrun. „Die Komposition und das farbige Raster habe ich im Kopf“, betont er.

In der nächsten Zeit möchte er sich zeichnerisch wieder seinen geliebten Weidenbäumen widmen. „Die Weiden sind für mich ein Erinnerungsfaktor. Sie sind der Niederrhein“, meint Cassel und blickt in den Garten. Auch dieser ist für ihn eine Form der Reduktion, nämlich die der ganzen Welt. Zu seinem Geburtstag im Sommer plant er seine nächste Ausstellung. „Gott sei Dank, dass es noch weitergeht.“ MP

“ Die Ausstellung „Blütenträume“ ist morgen und Samstag (jeweils von 16 bis 18 Uhr) sowie Sonntag von 11.30 bis 14 Uhr am Kuhdyk 20 zu sehen. Am Sonntag führt Cassel um 12 Uhr durch seine Ausstellung.

will-cassel.de

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